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Steuern in der Ausbildung: Diese Abgaben kommen auf dich zu

Lillia Seifert am 30.08.2021
ca. 1034 Worte
ungefähre Lesezeit 3 Minuten 45 Sekunden
Steuern in der Ausbildung: Diese Abgaben kommen auf dich zu
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Inhalt:
  1. Steuern in der Ausbildung: Müssen Azubis Abgaben zahlen?
  2. Diese Steuern müssen Azubis zahlen
    1. Lohnsteuer in der Ausbildung
    2. Kirchensteuer in der Ausbildung
    3. Solidaritätszuschlag in der Ausbildung
  3. Diese Sozialabgaben müssen Azubis zahlen
  4. Steuern und Abgaben: Beispielrechnung des Nettolohns eines Azubis

Als Azubi hast du meist den Vorteil, eine Ausbildungsvergütung für deine geleistete Arbeit zu erhalten. Wie hoch dieses Gehalt ist, hängt sowohl von der Branche als auch dem Beruf und Unternehmen ab, in dem du deine Ausbildung absolvierst. Außerdem ist die Ausbildungsvergütung nicht unbedingt das Geld, was am Ende jeden Monats auf deinem Konto landet. In Deutschland erhalten Arbeitnehmer nicht den Bruttolohn, sondern den nach Abzug von Steuern und Sozialversicherung übrig gebliebenen Nettolohn. Doch wie hoch ist dieser als Auszubildender und musst du in der Ausbildung immer Steuern und Abgaben zahlen? Hier erfährst du die Antwort auf alle wichtigen Fragen zum Thema.

Steuern in der Ausbildung: Müssen Azubis Abgaben zahlen?

Wie bereits erwähnt, unterliegen Arbeitnehmer in Deutschland grundsätzlich der Steuerpflicht. Ebenso besteht die Pflicht, verschiedene Sozialabgaben zu zahlen. Ob du während deiner Berufsausbildung Steuern entrichten musst, hängt sowohl von deiner Ausbildungsvergütung als auch deiner Lohnsteuerklasse ab.

Diese Voraussetzungen musst du für Steuerfreiheit erfüllen:

  • Lohnsteuerklasse I (ledig und kinderlos)
  • Verdienst von unter 1.120 Euro brutto im Monat

Solltest du mehr als der angegebene Grundfreibetrag von 9.744 Euro im Jahr verdienen und/oder nicht der Lohnsteuerklasse I angehören, musst du auch als Azubi Steuern zahlen. Der Grundfreibetrag richtig sich nicht nach deinem Bruttoverdienst, sondern bezieht sich auf den Geldbetrag nach Sozialabgaben, mit Abzug der 1000 Euro Werbungskostenpauschale.

Diese Steuern müssen Azubis zahlen

Nun weißt du, dass auch Azubis unter bestimmten Voraussetzungen dazu verpflichtet sind, monatlich Steuern zu zahlen. Doch was bedeutet eigentlich Steuern zahlen? Für jeden, der zum ersten Mal richtig in die Berufswelt einsteigt, kann der rechtliche Finanzbereich etwas unverständlich und umfangreich wirken. Doch eigentlich gibt es lediglich drei steuerlich relevante Abzüge, die grundsätzlich den Verdienst jedes Arbeitnehmers verringern:

  1. Lohnsteuer
  2. Kirchensteuer
  3. Solidaritätszuschlag

Lohnsteuer in der Ausbildung

Als Auszubildender musst du erst dann Lohnsteuer zahlen, wenn du über dem oben genannten Freibetrag von 1.120 Euro bzw. 9.744 Euro im Jahr verdienst. Andernfalls bist du als Geringverdiener von der Steuer befreit.

Da viele Azubis allerdings über diesen Betrag hinaus verdienen, sind sie steuerpflichtig. Jedoch richtet sich der Steuerbetrag, der an das Finanzamt geht, nicht nach deinem gesamten Einkommen, sondern lediglich nach dem Geldbetrag, mit dem dein Gehalt die 9.744 Euro übersteigt. Je mehr du somit verdienst, umso höher ist dein Lohnsteuerbeitrag.

Kirchensteuer in der Ausbildung

Die Kirchensteuer ist nur für diejenigen Arbeitnehmer verpflichtend, die einer Kirche angehören und über dem Freibetrag von 9.744 Euro im Jahr verdienen. Wurdest du also in deiner Kindheit getauft und bist damit der christlichen Gemeinschaft beigetreten, musst du die Kirchensteuer entrichten, ganz gleich, ob du überhaupt regelmäßig in die Kirche gehst, an Gott glaubst oder nicht.

Je nach Bundesland ist der Beitrag an die Kirche unterschiedlich hoch. Allerdings beläuft er sich meist auf einen Anteil deiner Lohnsteuer von etwa acht bis neun Prozent. Natürlich hast du jederzeit die Möglichkeit, für etwa 35 Euro aus der Kirche auszutreten und dich so von der monatlichen Kirchensteuer zu befreien.

Solidaritätszuschlag in der Ausbildung

Seit Beginn des Jahres 2021 entfällt der Solidaritätszuschlag für Auszubildende komplett. Das heißt, dass du erst nach deiner Berufsausbildung mit dem Beginn eines normalen Angestelltenverhältnisses den Zuschlag entrichten musst.

Diese Sozialabgaben müssen Azubis zahlen

Neben den oben genannten Steuern kommen einige Sozialabgaben für Arbeitnehmer hinzu. Diese musst du bereits als Auszubildender bezahlen, da du mit dem Eintritt in die Arbeitswelt entsprechend versichert sein musst. Allerdings teilst du dir die Sozialabgaben mit deinem Arbeitgeber, sodass lediglich ca. 20 Prozent deiner Ausbildungsvergütung auf die Sozialabgaben entfallen. Die anderen 20 Prozent zahl dein Ausbildungsbetrieb.

Diese Sozialabgaben werden prozentual nach deinem Bruttolohn berechnet:

  • Rentenversicherung (9,3 % deines Bruttogehaltes)
    Der Beitrag an die Rentenversicherung (9,3 % deines Bruttogehaltes) ist wichtig, damit du im Alter finanziell abgesichert bist. Wenn du später einmal in den Ruhestand gehst, bekommst du dank deiner Rentenversicherungsbeiträge während deiner Anstellungen eine monatliche Rente.
  • Krankenversicherung (7,3 % deines Bruttogehaltes)
    Deine Krankenversicherung ist wichtig, damit du im Falle einer Krankheit abgesichert bist. Die Versicherung durch eine Krankenkasse ist gesetzlich vorgeschrieben, allerdings kannst du dir deine Kasse frei aussuchen und so als Azubi einen geringen Beitrag wählen.
  • Pflegeversicherung (1,5 % deines Bruttogehaltes)
    Der Beitrag zur Pflegeversicherung ist wichtig, für den Fall, dass du aufgrund einer Krankheit oder eines Unfalls auf Pflege angewiesen bist. Durch deine geleisteten Beiträge bist du für eine derartige Situation in Zukunft abgesichert.
  • Arbeitslosenversicherung (1,2 % deines Bruttogehaltes)
    Auch die Arbeitslosenversicherung ist für Azubis verpflichtend. Sie sorgt dafür, dass du finanzielle Unterstützung erhältst, solltest du einmal arbeitslos werden.

Steuern und Abgaben: Beispielrechnung des Nettolohns eines Azubis

Wie du gesehen hast, kommen auch als Azubi einige Steuern und Sozialabgaben auf dich zu. Voraussetzung dafür ist, dass du eine Ausbildungsvergütung erhältst. Entscheidend ist außerdem, wie hoch dein monatliches Einkommen ist. Zur Verdeutlichung haben wir hier ein Rechenbeispiel zum Gehalt eines Auszubildenden, der über dem Freibetrag verdient.

Steuern und Abgaben eines 24-jährigen Auszubildenden zum Pflegefachmann im zweiten Ausbildungsjahr mit einem monatlichen Verdienst von 1.230 Euro brutto:

Relevante Daten für den Gehaltsrechner:

  • Jahres-Bruttolohn: 14.760,00 €
  • Steuerklasse: 1
  • Zahl der Kinderfreibeträge: 0
  • Bundesland: Nordrhein-Westfalen
  • Kirchensteuer?: ja
  • Gesetzliche Krankenversicherung in %: 14,60 %
  • Sonderbeitrag zur gesetzl. Krankenversicherung: 1,30 %
  • Sind Sie älter als 23 Jahre und kinderlos?: ja

Berechnung des jährlichen Nettolohns:

  • Lohnsteuer: 158,00 €
  • Solidaritätszuschlag: 0,00 €
  • Kirchensteuer: 14,22 €
  • Krankenversicherung einschließlich Sonderbeitrag: 1.173,42 €
  • Pflegeversicherung: 261,99 €
  • Rentenversicherung: 1.372,68 €
  • Arbeitslosenversicherung: 177,12 €
  • Nettolohn: 11.602,57 €

Diese Rechnung zeigt, dass einem Auszubildenden bei einem monatlichen Bruttolohn von 1.230 Euro nach Abzug von Steuern und Sozialabgaben ein Nettolohn von 966,88 Euro zur Verfügung steht. Insgesamt werden dem Azubi aus dem Beispiel 266,12 Euro im Monat vom Gehalt abgezogen. Da lohnt sich doch offensichtlich auch als Azubi eine Steuererklärung, denn mit dieser kannst du dir immerhin die einbehaltene Lohnsteuer vom Finanzamt zurückholen.

Mithilfe eines Gehaltsrechners im Internet kannst du unter Angabe deiner Daten und Werte deinen persönlichen Nettolohn berechnen und sieht genau, welche Beiträge du für die jeweilige Steuer oder Sozialabgabe voraussichtlich entrichten musst.

Als Azubi bist du leider nicht gänzlich von Steuern und Sozialabgaben befreit. Allerdings musst du zumindest bei einem niedrigen Einkommen unter dem gesetzlichen Freibetrag keine Lohnsteuer zahlen. Demnach entscheidet letztendlich die Höhe deiner Ausbildungsvergütung über die Höhe deiner Steuern und Sozialabgaben. Wie viel am Ende des Monats von deinem Ausbildungsgehalt übrig bleibt, kannst du zum Beispiel mit einem Gehaltsrechner bestimmen, der den dir zustehenden Nettolohn ganz einfach berechnet.