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Steuererklärung für Azubis: Lohnt sich der Aufwand in der Ausbildung?

Lillia Seifert am 30.08.2021
ca. 1110 Worte
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Steuererklärung für Azubis: Lohnt sich der Aufwand in der Ausbildung?
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Inhalt:
  1. Was genau ist eine Steuererklärung?
  2. Lohnt sich eine Steuererklärung für Azubis?
  3. Werbungskosten: Das kannst du als Azubi von der Steuer absetzen
  4. Pauschalen für Werbungskosten in der Steuererklärung

Du hast gerade deine Ausbildung begonnen und fragst dich nun, ob du nach deinem ersten Ausbildungsjahr bereits eine Steuererklärung abgeben musst? Hier erfährst du die Antwort auf diese und weitere Fragen. Wir erklären dir, warum sich eine Steuererklärung sogar als Azubi richtig lohnen kann und mit welchen Maßnahmen du jede Menge Geld sparen kannst.

Was genau ist eine Steuererklärung?

In Deutschland ist die Steuererklärung eine Abrechnung mit dem Finanzamt, in der jeder Steuerzahler einmal im Jahr sein genaues Einkommen angibt. Die Abgabe einer solchen Erklärung ist gesetzlich nicht verpflichtend, allerdings besteht unter gewissen Umständen eine Verpflichtung zur Abgabe der Steuererklärung. Nach Einreichen der Steuererklärung bekommt man einen Steuerbescheid, in dem sich zeigt, ob zu viel Steuern gezahlt wurden oder eine Nachzahlung notwendig ist.

Für dich als Azubi ist es zunächst wichtig zu wissen, ob du eine Steuererklärung anfertigen musst. Als Auszubildender besteht grundsätzlich keine Pflicht zur Abgabe der Erklärung, da du in den meisten Fällen keine Steuern zahlst. Warum sich eine Steuererklärung aber trotzdem lohnt, erfährst du im folgenden Abschnitt.

Lohnt sich eine Steuererklärung für Azubis?

Grundsätzlich ist die Abgabe einer Steuererklärung erst mit dem Einstieg in die Berufswelt und einem Verdienst über den Grundfreibetrag von 9.744 Euro im Jahr (Stand 2021) hinaus verpflichtend. Es versteht sich von selbst, dass Auszubildende in Deutschland unter dem Existenzminimum verdienen und folglich meistens von der Lohnsteuer befreit sind.

Diese Steuern musst du als Azubi zahlen, wenn du über 9.744 Euro im Jahr verdienst:

    1. Lohnsteuer
    2. Kirchensteuer
    3. Solidaritätszuschlag

In beiden Fällen kannst du als Azubi einige Kosten, die du zum Leben und Arbeiten aufwendest, von der Steuer absetzen. Welche genauen Kosten das sind und wie du ordentlich Geld im Jahr sparen kannst, erfährst du weiter unten. Zunächst solltest du wissen, dass du deine Steuererklärung selbstständig anfertigen und spätestens bis zum 31. Mai des Folgejahres beim Finanzamt deiner Stadt abgeben kannst.

Werbungskosten: Das kannst du als Azubi von der Steuer absetzen

Für Auszubildende und Studenten ist die Abgabe der Steuererklärung freiwillig, weshalb viele diese Chance nicht nutzen. Wir möchten dich hier darüber informieren, an welchen Stellen du bares Geld sparen kannst, wenn du dir ein wenig Zeit nimmst, auch in der Ausbildung schon eine Steuererklärung zu schreiben. Wichtig ist, dass deine Werbungskosten, also die Kosten, die der Erwerbung, Sicherung und Erhaltung von Einnahmen dienen, bei über 1000 Euro im Jahr liegen, damit es sich lohnt, diese von der Steuer abzusetzen.

Hier ein Überblick über die Werbungskosten, die du als Azubi von der Steuer absetzen kannst:

  • Arbeitsmittel (Ordner, Tasche, Büromöbel usw.)
  • Auslandsaufenthalte (Dienstreisen usw.)
  • Außergewöhnliche Belastungen (Medikamente, Brillen, Unterhalt usw.)
  • Bewerbungskosten (schriftlich, online usw.)
  • Fachliteratur (Lehrbücher usw.)
  • Fahrtkosten (Fahrrad, Auto, ÖPNV usw.)
  • Gerichtskosten (Anwaltskosten usw.)
  • Kontoführung (Girokontogebühren usw.)
  • Praktika (Auslandspraktika, Verpflegung usw.)
  • Sonderausgaben (Versicherungen, Kirchensteuer, Spenden usw.)
  • Studentenwohnung (Miete, Provision, Rundfunkgebühr usw.)
  • Technische Geräte (PC, Laptop, Zubehör usw.)
  • Telefonkosten (Telefon, Mobilfunk, Internet)
  • Umzugskosten (Renovierungen, Ummeldegebühren usw.)

Wie du siehst kannst du als Azubi mit hohen Werbungskosten alle Aufwendungen steuerlich absetzen, die du für die Sicherung deiner Einnahmen tätigst. Für alle aufgewendeten Kosten musst du Belege in Form von Rechnungen oder Kontoauszügen anfügen. Allerdings gibt es den Sonderfall der Erstausbildung ohne Dienstverhältnis, wie zum Beispiel bei Ausbildungen im öffentlichen Dienst, in dem du keine Werbungskosten absetzen kannst, sondern lediglich sogenannte Sonderausgaben.

Beachte außerdem, dass es für einige der oben aufgeführten Werbungskosten Pauschalen gibt, die festlegen in welcher Höhe die jeweiligen Kosten erstattet werden. Im Folgenden findest du eine genaue Auflistung der Pauschalen.

Pauschalen für Werbungskosten in der Steuererklärung

Für einige der aufgeführten Werbungskosten musst du keine Belege in deiner Steuererklärung anfügen, denn die Höhe der Erstattung ist bereits vom Finanzamt festgelegt. Das hat den Vorteil, dass du als Auszubildender einige Kosten von der Steuer absetzen kannst, auch wenn du keine Nachweise über die Ausgaben hast.

Dies sind die Pauschalen für die Steuererklärung in der Ausbildung:

  • Arbeitsmittel: Sämtliche Mittel, die du für deine Arbeit und den Unterricht in der Berufsschule benötigst, fallen in den Bereich der Werbungskosten. Somit werden Schreibpapier, Ordner, Mappen, Stifte, Taschenrechner und weitere Arbeitsmittel mit einer Pauschale von 110 Euro im Jahr erstattet. Falls deine Ausgaben diesen Betrag übersteigen, musst du die zusätzlichen Kosten nachweisen können.
  • Bewerbungskosten: Sämtliche Ausgaben, die du im Rahmen deiner Bewerbung um einen Ausbildungsplatz getätigt hast, kannst du steuerlich absetzen. Die Kosten für ein Bewerbungsfoto oder eine Bewerbungsmappe werden pauschal mit 8,50 Euro pro Bewerbung erstattet. Falls du eine Online-Bewerbung verschickt hast, beläuft sich die Pauschale immerhin auf 2,50 Euro.
  • Fachliteratur: Im Zuge deiner Ausbildung wirst du vermutlich einige Lehrbücher kaufen müssen, um dich weiterzubilden oder dem Unterricht in der Berufsschule folgen zu können. Alle Bücher, die du im Rahmen deiner Lehre benötigst, kannst du in deiner Steuererklärung aufführen und absetzen. Dafür wird eine Pauschale von 80 Euro im Jahr gewährt, wobei höhere Kosten in Form von Zahlungsbelegen nachgewiesen werden müssen.
  • Fahrtkosten: Ein weiterer wichtiger Kostenfaktor in der Ausbildung sind die Fahrten zur Ausbildungsstätte und zur Berufsschule. Dabei spielt es für das Finanzamt keine Rolle, ob du mit dem Auto, Fahrrad oder den öffentlichen Verkehrsmitteln fährst. All diese Fortbewegungsmittel kosten schließlich Geld und werden aus diesem Grund mit 30 Cent pro Kilometer und Fahrt zum Ausbildungsbetrieb erstattet. Die Fahrt zur Berufsschule wird ebenso mit 30 Cent entschädigt, allerdings für die Hin- und Rückfahrt.
  • Telefonkosten: Selbstverständlich sind Telefon und Internet heute wichtiger Bestandteil der Gesellschaft und somit auch häufig unerlässlich, um dem Unterricht in Schulen folgen zu können. Dies ist nicht zuletzt der Fall, wenn Lernmaterialien oder sogar ganze Kurse online stattfinden. Aus diesem Grund berechnet das Finanzamt eine Pauschale von 20 Euro im Monat bzw. 240 Euro im Jahr für Telefon- und Internetkosten.
  • Umzugskosten: Für den Beginn einer Berufsausbildung ist es häufig notwendig, den Wohnort zu wechseln. Daher kannst du Umzüge, die zur Ausübung deiner Lehre unabdingbar sind, von der Steuer absetzen. Ganz gleich, ob du überhaupt etwas für deinen Umzug bezahlen musstest, wird dir eine Pauschale von 730 Euro gewährt. Zusätzlich kannst du eventuell weitere Kosten für Renovierungsarbeiten oder einen Transporter unter Vorlage entsprechender Belege absetzen.
  • Verpflegungskosten: Selbstverständlich kommt das Finanzamt nicht gänzlich für deine Ernährung während der Ausbildung auf. Allerdings kannst du bei Dienstreisen oder Weiterbildungen außerhalb deines Ausbildungsbetriebes entsprechende Kosten für Verpflegung steuerlich geltend machen. Die Pauschale für Verpflegungskosten beträgt 24 Euro pro Tag. Außerdem ist es unter gewissen Umständen möglich, auch Übernachtungsgebühren abzusetzen.

Falls du dich vor unserem Artikel gefragt hast, ob sich eine Steuererklärung für dich als Azubi lohnt, konnten wir dir eine klare Antwort darauf geben: Ja. Ganz gleich, ob du studierst, bereits fest arbeitest oder noch in der Ausbildung steckst, eine Steuererklärung lohnt sich in den meisten Fällen. Wenn du die einzelnen Werbungskosten aufführst und bei Bedarf deine Ausgaben belegst, kannst du am Ende eines Ausbildungsjahres eine Menge Geld vom Finanzamt zurückbekommen.