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Rechte und Pflichten als Azubi: Die wichtigsten Infos im Überblick

Lillia Seifert am 31.08.2021
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ungefähre Lesezeit 3 Minuten 58 Sekunden
Rechte und Pflichten als Azubi: Die wichtigsten Infos im Überblick
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Inhalt:
  1. Die wichtigsten Pflichten als Auszubildender
  2. Die wichtigsten Rechte als Auszubildender
  3. Pflichten in der Ausbildung missachtet, – was tun?
  4. Rechte in der Ausbildung missachtet, – was tun?
  5. 7 Gesetze für Auszubildende im Überblick

Sobald du deinen Ausbildungsvertrag unterschreibst, bist du dazu verpflichtet, die genannten Regeln und Vereinbarungen einzuhalten. Ebenso verpflichtet sich auch dein Arbeitgeber, dir bestimmte Rechte zu gewähren und den im Arbeitsvertrag vereinbarten Beschlüssen nachzukommen. Die grundlegenden Rechte und Pflichten jedes Auszubildenden sind durch das Berufsbildungsgesetz sowie durch Handwerksordnungen und das Jugendarbeitsschutzgesetz festgelegt. Welche genauen Pflichten du als Azubi erfüllen musst und welche Rechte dir zugesprochen werden, erfährst du im Folgenden.

Die wichtigsten Pflichten als Auszubildender

Mit der Auswahl einer Berufsausbildung und der Bewerbung in einem Betrieb legst du den Grundstein für deine Karriere. Nach einem erfolgreichen Vorstellungsgespräch unterschreibst du deinen Ausbildungsvertrag und gehst damit eine Verpflichtung ein. Die Vereinbarungen zwischen deinem Arbeitgeber und dir werden im Vertrag festgehalten. Du musst von nun an bestimmten Pflichten im Betrieb sowie in der Berufsschule nachkommen. Hier findest du alle wichtigen Pflichten im Überblick:

  • Anweisungsbefolgung       
    Allen Anweisungen, die der Auszubildende im Rahmen seiner Berufsausbildung erhält, muss er folgen. Das bedeutet für dich, dass du den Weisungen von deinem Ausbilder oder anderen berechtigten Personen vollends nachkommen musst.
  • Betriebsordnung     
    Der Auszubildende muss die Betriebsordnung, welche Themen wie Gesundheitsschutz, Unfallverhütung, Ordnung und Verhalten im Betrieb betreffen kann, einhalten. Somit verpflichtest du dich, im Ausbildungsbetrieb etwa vorgeschriebene Schutzkleidung zu tragen.
  • Krankmeldepflicht     
    Als Auszubildender musst du dich im Falle einer Krankheit bei deinem Arbeitgeber am selben Tag krankmelden. Außerdem bist du dazu verpflichtet, bei Abwesenheit durch Krankheit ab dem vierten Tag ein ärztliches Attest einzureichen. Einige Arbeitgeber wünschen eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung bereits am ersten Krankheitstag.
  • Lernpflicht     
    Zu den grundlegenden Pflichten des Azubis gehört in erster Linie die Lernpflicht. Das heißt, dass du dich darum bemühen musst, deine Ausbildung erfolgreich anzuschließen, indem du alle Aufgaben in der Berufsschule und im Betrieb gewissenhaft ausführst.
  • Nachweispflicht     
    Zudem müssen Azubis entsprechende Ausbildungsnachweise in Form des Berichtshefts erbringen. Dein Heft kannst du handschriftlich oder elektronisch führen, musst jedoch darauf achten, ordnungsgemäß vorzugehen und es regelmäßig deinem Ausbilder vorzulegen.
  • Schweigepflicht      
    Selbstverständlich beinhaltet der Ausbildungsvertrag auch eine Schweigepflicht. Dieser kommst du nach, indem du alle vertraulichen Informationen und Betriebsgeheimnisse schlichtweg für dich behältst.
  • Sorgfaltspflicht     
    Die im BBiG festgelegte Sorgfaltspflicht bzw. Bewahrungspflicht bezieht sich auf alle Aufgaben, denen du im Rahmen deiner Ausbildung nachkommen sollst. Dabei musst du sämtliche Werkzeuge, Maschinen und Materialien deines Betriebes und deiner Schule sorgfältig und pfleglich behandeln.
  • Teilnahmepflicht     
    Du verpflichtest dich, als Auszubildender am Berufsschulunterricht teilzunehmen, Prüfungen mitzuschreiben und weiteren Ausbildungsmaßnahmen nachzukommen, die deine Teilnahme erfordern wie externe Schulungen. 

Die wichtigsten Rechte als Auszubildender

Neben den oben genannten Pflichten hast du in deiner Berufsausbildung natürlich auch einige Rechte, auf die du dich im Zweifelsfall berufen solltest. Diese Rechte sind gesetzlich vereinbart und müssen – ebenso wie deine Pflichten von dir, – vom Ausbildungsbetrieb, deinem Ausbilder und allen verantwortlichen Personen eingehalten werden. Hier sind die wichtigsten Rechte, die du als Azubi hast, im Überblick:

  • Ausbildungsmittel      
    Zunächst hat jeder Azubi ein Recht auf kostenlose Ausbildungsmittel, die er zum Nachgehen seiner Tätigkeiten benötigt. Das heißt, dass dir dein Ausbildungsbetrieb zum Beispiel notwendige Werkzeuge zur Verfügung stellen muss.
  • Ausbildungszeugnis     
    Ein weiteres Recht besteht im Erhalt eines Zeugnisses nach erfolgreichem Abschluss der Berufsausbildung. Dein Ausbildungsbetrieb muss dir am Ende deiner Ausbildung ein entsprechendes Zeugnis über deine Arbeitsleistungen ausstellen.
  • Ausbildungsziel      
    Als Lehrling in der Berufsausbildung hast du das Recht, nur im Sinne deines Ausbildungsziels zu arbeiten. Das bedeutet, dass du keine Arbeiten verrichten musst, die nicht mit deiner Ausbildung zusammenhängen wie etwa den Kaffee für das Team zu kochen.
  • Freistellung      
    Darüber hinaus besteht das Recht, dass der Auszubildende für die Zeit seines Berufsschulunterrichtes von der Arbeit im Ausbildungsbetrieb freigestellt ist. Dieses Grundrecht bezieht sich auf die Freistellung für sämtliche Ausbildungsmaßnahmen.
  • Kündigungsrecht      
    Auszubildende haben ein besonderes Kündigungsrecht, das ihnen vorbehält, das Ausbildungsverhältnis mit einer Frist von vier Wochen zu kündigen. In der Probezeit kannst du ohne jegliche Frist und ohne Angabe eines Grundes kündigen.
  • Urlaubsrecht      
    Wie jeder Arbeitnehmer hat auch der Azubi ein Recht auf Urlaub, abgesehen von der Probezeit. Die Anzahl der Urlaubstage muss im Ausbildungsvertrag festgehalten sein, jedoch mindestens 24 Werktage betragen. Minderjährige haben sogar einen höheren Urlaubsanspruch von bis zu 30 Werktagen.
  • Vergütung      
    Während deiner Ausbildung hast du selbstverständlich ein Recht auf die vertraglich vereinbarte Ausbildungsvergütung. Die Höhe deiner Bezahlung muss mit jedem Ausbildungsjahr ansteigen und richtet sich nach deiner Branche.
  • Verkürzungsrecht      
    Mit dem Beginn einer Ausbildung verpflichtest du dich zu meistens drei Jahren Berufsausbildung. Eine Ausnahme stellt die Verkürzung der Ausbildung durch besonders gute Noten und Leistungen dar. Dieses Recht hat jeder Auszubildende, insofern das Ausbildungsziel nachweislich in verkürzter Zeit zu erreichen ist.

Pflichten in der Ausbildung missachtet, – was tun?

Wenn du die Pflichten im Zusammenhang mit deiner Berufsausbildung missachtest, können ernsthafte Sanktionen drohen. Falls es sich beim Verstoß lediglich um eine Ausnahme handelt, wird die Missachtung deiner Pflichten vermutlich noch keine Strafe nach sich ziehen. Schließlich kann es immer passieren, dass ein Attest zu spät eingereicht wird oder dir ein Sachschaden während deiner Arbeitszeit passiert. Wichtig ist, dass du stets offen und ehrlich mit Fehlern umgehst, diese unverzüglich deinem Ausbilder mitteilst und dich entschuldigst.

Wenn du natürlich mutwillig anstatt unabsichtlich gehandelt hast und etwa dein Berichtsheft nicht ordentlich führst, weil du keine Lust dazu hast, dann sind solche Verstöße nicht zu entschuldigen. Bei Uneinsichtigkeit kann das im schlimmsten Fall zu einer Kündigung durch den Ausbildungsbetrieb führen.

Rechte in der Ausbildung missachtet, – was tun?

Falls deine Rechte als Auszubildender verletzt wurden, solltest du das keinesfalls ignorieren, sonst kann es schnell passieren, dass deine Arbeit und deine Loyalität ausgenutzt werden. Daher solltest du bereits bei der kleinsten Missachtung deiner Rechte durch den Ausbildungsbetrieb sofort ein persönliches Gespräch mit einem dieser Ansprechpartner suchen, um den Sachverhalt zu klären:

  • Ausbilder
  • Personalabteilung
  • Vorgesetzter
  • Vertrauenspersonen

Falls ein persönliches Gespräch mit den betreffenden Personen keinen Erfolg bringt, solltest du dich etwa an die Ausbildungsberatung der IHK oder andere offizielle Stellen, die ihre Hilfe für Auszubildende anbieten, wenden. Im äußersten Notfall empfehlen wir dir, die Ausbildung bzw. den Betrieb zu wechseln.

7 Gesetze für Auszubildende im Überblick

Falls du ein spezielles Anliegen hast oder dich über weitere wichtige Informationen, Rechte und Pflichten von Azubis informieren möchtest, gibt es sieben Gesetze, die du kennen solltest. Alle wichtigen Rechtsgrundlagen für Auszubildende in Deutschland sind in den folgenden Gesetzen vermerkt:

  • Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz (AGG)
  • Arbeitszeitgesetz (ArbZG)
  • Ausbilder-Eignungsverordnung (AusbEignV bzw. AEVO)
  • Berufsbildungsgesetz (BBiG)
  • Bundesurlaubsgesetz (BUrlG)
  • Entgeltfortzahlungsgesetz (EntgFZG)
  • Jugendarbeitsschutzgesetz (JArbSchG)

Der Ausbildungsvertrag stellt das rechtliche Gerüst deiner Berufsausbildung dar und dient sowohl deinem Arbeitgeber als auch dir als sichere Grundlage für das Arbeitsverhältnis. Wenn du deine Rechte und Pflichten kennst, bist du optimal auf deine Ausbildung vorbereitet. Aus diesem Grund haben wir dir hier einen Überblick über alle wichtigen Gesetze und Rechtsgrundlagen gegeben, damit du dich optimal beraten und abgesichert fühlst.