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Kündigung in der Ausbildung: Wichtige Infos und Tipps für Azubis

Lillia Seifert am 31.08.2021
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Kündigung in der Ausbildung: Wichtige Infos und Tipps für Azubis
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Inhalt:
  1. Möglichkeiten der Beendigung des Ausbildungsverhältnisses
  2. Kündigung des Ausbildungsvertrages in der Probezeit
  3. Wer kann eine Kündigung in der Probezeit aussprechen?
  4. Ordentliche Kündigung des Ausbildungsvertrages
    1. Wer kann eine ordentliche Kündigung aussprechen?
  5. Fristlose Kündigung des Ausbildungsvertrages
    1. Wer kann eine außerordentliche Kündigung aussprechen?
    2. Option 1: Verhaltensbedingte Kündigung durch den Arbeitgeber
    3. Option 2: Personenbedingte Kündigung durch den Arbeitgeber
    4. Option 3: Betriebsbedingte Kündigung durch den Arbeitgeber

Es kann aus verschiedenen Gründen vorkommen, dass das Ausbildungsverhältnis beendet wird. Falls du zum Beispiel unzufrieden mit deinem Ausbildungsberuf, dem Betrieb oder deinen Vorgesetzten und Kollegen bist, hast du die Möglichkeit, deine Ausbildung vorzeitig zu beenden oder zu wechseln. Ebenso kann es natürlich sein, dass der Ausbilder nicht zufrieden mit deinen Leistungen ist und dir entweder bereits in der Probezeit oder später kündigt. All diese Szenarios sind nicht angenehm, mit den richtigen rechtlichen Tipps jedoch leichter zu meistern. Daher geben wir dir alle notwendigen Informationen, die du rund um die Kündigung in der Ausbildung wissen solltest.

Möglichkeiten der Beendigung des Ausbildungsverhältnisses

Normalerweise endet deine Ausbildung mit dem Ablauf der Ausbildungszeit nach der bestandenen Abschlussprüfung. Wie in jedem Arbeitsverhältnis gibt es allerdings unterschiedliche Möglichkeiten und Gründe für eine Kündigung während der Ausbildung und vor dem Ende des Ausbildungsverhältnisses – ganz gleich, ob von deiner Seite in Form eines Ausbildungsabbruchs oder durch den Ausbildungsbetrieb. Grundsätzlich kann in drei verschiedene Arten der Kündigung unterschieden werden, auf die wir im Folgenden näher eingehen:

  • Kündigung in der Probezeit
  • Ordentliche Kündigung
  • Fristlose (außerordentliche) Kündigung  

Ein weiterer nicht aufgeführter Grund für eine Beendigung des Ausbildungsverhältnisses ist das Nichtbestehen der Abschlussprüfung. Dabei handelt es sich nicht um eine Kündigung, allerdings kann der Ausbildungsvertrag auf deinen Wunsch lediglich um bis zu ein Jahr verlängert werden. Die Wiederholungsprüfung solltest du schließlich bestehen, andernfalls erlangst du leider nicht den angestrebten Berufsabschluss.

Außerdem gibt es die Möglichkeit, ein Ausbildungsverhältnis mithilfe eines Aufhebungsvertrages vorzeitig zu beenden. Dabei einigen sich beide Seiten auf eine Auflösung des Ausbildungsverhältnisses. Hier gibt es dann keine Fristen und du musst eventuell mit einer Sperrzeit bei der Agentur für Arbeit rechnen, da du dein Arbeitsverhältnis freiwillig aufgegeben hast. Somit erhältst du für drei Monate kein Arbeitslosengeld.  

Kündigung des Ausbildungsvertrages in der Probezeit

Dein Ausbildungsverhältnis beginnt mit einer Probezeit, die gesetzlich vorgeschrieben mindestens einen und maximal vier Monate betragen darf. Die jeweilige Dauer der Probezeit muss im Vertrag zu deiner Berufsausbildung festgehalten sein.

In der Probezeit hast du die Möglichkeit zu entscheiden, ob die Ausbildung, der Betrieb und die Vorgesetzten sowie Kollegen das Richtige für dich sind. Ebenso können die Verantwortlichen deines Ausbildungsbetriebes entscheiden, ob du als Auszubildender für den Beruf geeignet bist und die entsprechenden Anforderungen des Unternehmens erfüllst. Wird die Probezeit zu einem Drittel durch eine Krankheit oder andere einschlägige Ereignisse unterbrochen, kann sie entsprechend verlängert werden.

Wer kann eine Kündigung in der Probezeit aussprechen?

Eine Kündigung der Ausbildung während der Probezeit kann sowohl seitens des Auszubildenden als auch des Ausbildungsbetriebes gemäß § 22 Abs. 1 Berufsbildungsgesetz erfolgen. Dabei gelten die folgenden erleichterten Bedingungen:

  • Die Kündigung eines Minderjährigen ist an die Eltern / den Vormund zu richten
  • Die Kündigung muss immer schriftlich erfolgen
  • Es dürfen keine Gesetzte (z. B. Mutterschutz) verletzt werden
  • Es gibt keine Schadensersatzansprüche
  • Es muss kein Kündigungsgrund genannt werden
  • Ist der Auszubildende minderjährig, benötigt er die Einwilligung der Eltern / des Vormunds
  • Während der Probezeit kann jederzeit ohne Kündigungsfrist gekündigt werden

Ordentliche Kündigung des Ausbildungsvertrages

Die ordentliche Kündigung eines Ausbildungsverhältnisses unterliegt im Gegensatz zu „normalen“ Arbeitsverhältnissen den strengen Richtlinien des Berufsbildungsgesetzes. Das heißt, dass der Ausbildungsbetrieb einem Auszubildenden nicht einfach mit einer bestimmten Kündigungsfrist und ohne triftigen Grund kündigen darf, es sei denn, dieser befindet sich noch in der Probezeit.

Wer kann eine ordentliche Kündigung aussprechen?

Eine ordentliche Kündigung darf lediglich der Auszubildende selbst aussprechen. Falls du eine fristgerechte Kündigung deiner Ausbildung in Erwägung ziehst, musst du allerdings einige Voraussetzungen erfüllen:

  • Die Kündigungsfrist von vier Wochen ist einzuhalten.
  • Die Berufsausbildung muss entweder vollständig aufgegeben oder es muss in einem anderen Ausbildungsbetrieb ein anderer Beruf erlernt werden.

Der zweite Punkt schützt den Ausbildungsbetrieb davor, dass du schlichtweg den Arbeitgeber wechselst und deine Ausbildung bei der Konkurrenz fortführst.

Fristlose Kündigung des Ausbildungsvertrages

Ein Ausbildungsverhältnis kann aus unterschiedlichen Gründen fristlos gekündigt werden. Dabei wird der Ausbildungsvertrag vorzeitig aufgelöst und die Kündigungsfrist entfällt. Allerdings muss in diesem Fall zuvor eine Abmahnung durch den Ausbildungsbetrieb erteilt worden sein.

Wer kann eine außerordentliche Kündigung aussprechen?

Die außerordentliche fristlose Kündigung kann sowohl vom Betrieb als auch vom Auszubildenden ausgesprochen werden. Allerdings schützt das BBiG dich als Lehrling auch hier in besonderer Weise, denn für deine Kündigung der Ausbildung genügt etwa der Grund, dass du dich doch für ein Studium entschieden hast. Wichtig ist, dass dir der Kündigungsgrund nicht länger als zwei Wochen bekannt ist. Weitere mögliche Gründe einer fristlosen Kündigung gemäß einer Pflichtverletzung durch deinen Ausbildungsbetrieb sind:

  • Ausbleibende Ausbildungsvergütung
  • Fehlender Ausbilder am Arbeitsplatz
  • Sexuelle Belästigung oder körperliche Gewalt am Arbeitsplatz
  • Systematisch schlechte Behandlung (Beschimpfungen, Beleidigungen, Benachteiligungen, Diskriminierung) am Arbeitsplatz
  • Unzureichende Vermittlung von Ausbildungsinhalten am Arbeitsplatz
  • Überstunden, die keinen Ausgleich finden oder unbezahlt bleiben
  • Verpflichtung zu ausbildungsfremden Tätigkeiten ohne Bezug zum Beruf
  • Wiederkehrende Verstöße gegen das Jugendarbeitsschutzgesetz oder Arbeitszeitgesetz

Tipp: Ganz gleich, aus welchem Grund du dich für eine fristlose Kündigung entscheidest, musst du in jedem Fall schriftlich und unter Angabe des Grundes kündigen. Falls du noch nicht volljährig bist, benötigst du dazu die Unterschrift deines Erziehungsberechtigten.
Auf der anderen Seite kann auch der Ausbildungsbetrieb einen Azubi außerordentlich kündigen. Jedoch schützt das Gesetz den Lehrling auch hier durch die Voraussetzung eines „wichtigen Grundes“. Hier können drei verschiedene Optionen eintreten, in denen jeweils unterschiedliche Gründe genannt werden:

Option 1: Verhaltensbedingte Kündigung durch den Arbeitgeber

Wenn der Auszubildende gegen den Ausbildungsvertrag verstößt, kann der Betrieb ihn Kündigungen. Allerdings wird dies immer schwieriger, je länger der Azubi bereits störungsfrei in der Ausbildung ist und je näher die Abschlussprüfung rückt.
Tipp: Vor einer verhaltensbedingten Kündigung muss dich dein Arbeitgeber zunächst abmahnen. Außerdem solltest du in einer derartigen Situation von deinen Rechten Gebrauch machen und Kontakt zu deinen Ausbildungsberatern von der IHK aufnehmen.

Diese denkbaren Gründe für eine verhaltensbedingte Kündigung müssen wiederholt auftreten:

  • Arbeitsverweigerung
  • Fernbleiben vom Unterricht der Berufsschule
  • Störung des Betriebsfriedens
  • Unentschuldigtes Fehlen
  • Ungenehmigte Nebentätigkeiten
  • Ungenehmigter Urlaubsantritt
  • Verlassen des Arbeitsplatzes ohne Erlaubnis
  • Vorsätzliche Unterschlagung eines größeren Geldbetrages

Option 2: Personenbedingte Kündigung durch den Arbeitgeber

Die personenbedingte Kündigung des Ausbildungsvertrages kann der Betrieb ohne vorige Abmahnung vornehmen. Auch hier ist jedoch nicht pauschal klar, dass eine fristlose Auflösung des Vertrages stets rechtens ist, denn es muss immer der Einzelfall betrachtet werden.

Mögliche Gründe für eine personenbedingte Kündigung des Auszubildenden:

  • Alkohol oder Drogensucht, die den Abschluss der Ausbildung unmöglich macht
  • Krankheit, die den Abschluss der Ausbildung unmöglich macht
  • Plötzlich auftretende mangelnde Eignung (z. B. durch einen Unfall)
  • Untersuchungshaft oder Freiheitsstrafe über den Zeitraum der Ausbildung

Option 3: Betriebsbedingte Kündigung durch den Arbeitgeber

Zuletzt hat der Ausbildungsbetrieb immer die Möglichkeit, Auszubildende betriebsbedingt zu entlassen. In diesem Fall ist keine Abmahnung erforderlich, allerdings muss einer der folgenden triftigen Gründe vorliegen:

  • Stilllegung der Ausbildungsabteilung
  • Vollständige Betriebsstilllegung

Nicht ausreichende Gründe sind hingegen (Es sei denn, diese führen zur Stilllegung des Betriebes):

  • Arbeitsmangel
  • Insolvenz
  • Wirtschaftliche Probleme

Die Kündigung einer Ausbildung ist grundsätzlich sowohl für den Ausbildungsbetrieb als auch für dich als Azubi möglich. Wie du gesehen hast, müssen allerdings bestimmte Gründe vorliegen, um ein Ausbildungsverhältnis vorzeitig zu beenden. Wir haben dir erklärt, welche Rechte und Pflichten du in Bezug auf die verschiedenen Kündigungsoptionen hast. So bist du nun bestens informiert, wenn du über einen Ausbildungsabbruch nachdenkst oder dir dein Ausbildungsbetrieb mit einer Kündigung droht. Sicher ist, dass du als Auszubildender vom Gesetz besonders geschützt bist.