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Die erste Wohnung als Azubi: Tipps zur Finanzierung und Umsetzung

Lillia Seifert am 31.08.2021
ca. 1539 Worte
ungefähre Lesezeit 5 Minuten 35 Sekunden
Die erste Wohnung als Azubi: Tipps zur Finanzierung und Umsetzung
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Inhalt:
  1. Zu Hause ausziehen: Vor- und Nachteile der eigenen Wohnung
  2. Wohnen in der Ausbildung: Diese 4 Möglichkeiten gibt es für Azubis
    1. Option 1: Während der Ausbildung in bei den Eltern wohnen
    2. Option 2: Während der Ausbildung in einer eigenen Wohnung wohnen
    3. Option 3: Während der Ausbildung in einer WG wohnen
    4. Option 4: Während der Ausbildung in einem Wohnheim wohnen
  3. Finanzielle Fördermittel: Die eigene Wohnung in der Ausbildung finanzieren
    1. Zuschuss durch Berufsausbildungsbeihilfe
    2. Förderung durch BAföG
    3. Unterstützung durch Wohngeld
    4. Anspruch auf Kindergeld
  4. Der Weg in die Unabhängigkeit: 9 Tipps für die erste Wohnung als Azubi

Endlich ist es so weit und du hast deinen Schulschluss erfolgreich gemeistert. Vielleicht bist du bereits in der Ausbildung oder planst gerade deine berufliche Zukunft und bewirbst dich auf einige Ausbildungsstellen. Dann stellst du dir vermutlich auch die Frage, ob du während deiner Ausbildung noch zu Hause bei deinen Eltern wohnen möchtest oder schon den Schritt in die Unabhängigkeit wagst und ausziehst. Die erste eigene Wohnung stellt die meisten jungen Erwachsenen vor einige Herausforderungen. Wir verraten dir hier, welche Vor- und Nachteile der Auszug aus dem Elternhaus hat und geben dir hilfreiche Tipps für die Wohnungssuche als Azubi.

Zu Hause ausziehen: Vor- und Nachteile der eigenen Wohnung

Wenn du auf unseren Artikel gestoßen bist, dann bist du dir wahrscheinlich bereits sehr sicher, dass du gerne allein wohnen möchtest bzw. nicht länger bei deinen Eltern leben willst. Eine eigene Wohnung während der Ausbildung ist sicher die komfortabelste Art zu wohnen und gibt dir ein Gefühl der Freiheit und Unabhängigkeit. Allerdings ist eine solche Verplfichtung in der Ausbildungsphase auch eine finanzielle Herausforderung. Alle Vor- und Nachteile der eigenen Wohnung als Azubi haben wir hier für dich zusammengetragen.

Vorteile der eigenen Wohnung als Azubi:

  • Du kannst frei über deinen Alltag bestimmen und musst dich mit niemandem absprechen.
  • Du hast viel Ruhe und kannst dich gut auf deine Ausbildung und das Lernen konzentrieren.
  • Du kannst singen, lachen, tanzen und Freunde einladen, wann immer du möchtest.
  • Dein Badezimmer kann morgens nicht belegt und dass Toilettenpapier nicht leer sein.
  • Du kannst einkaufen, was du möchtest und putzen oder aufräumen, wann du willst.
  • Du hast deinen eigenen Raum, in dem du dich ganz deiner Entwicklung widmen kannst.

Nachteile der eigenen Wohnung als Azubi:

  • Du hast deutlich höhere Kosten als in einer WG oder bei deinen Eltern.
  • Du fühlst dich womöglich einsamer als in einer Wohngemeinschaft oder bei deiner Familie.
  • Du trägst die volle Verantwortung für dein Leben, insbesondere finanziell und rechtlich.
  • Für dich allein einzukaufen und zu kochen ist nicht nur teurer, sondern auch aufwendiger.
  • Du musst dich neben dem Umzug auch um Versicherungen, Strom und Heizung kümmern.
  • Falls du nach deiner Ausbildung die Stadt wechseln möchtest, musst du erneut umziehen.

Wohnen in der Ausbildung: Diese 4 Möglichkeiten gibt es für Azubis

Wie du siehst, gibt es sowohl Vorteile als auch Nachteile, wenn es darum geht, als Azubi bereits in einer eigenen Wohnung zu wohnen. Ob der Auszug von zu Hause nun wirklich das Richtige ist, musst du letztendlich selbst entscheiden. Wir geben dir zunächst jedoch noch ein paar weitere Ideen mit und zeigen alle Alternativen auf, wie du während deiner Berufsausbildung grundsätzlich wohnen und leben kannst:

Option 1: Während der Ausbildung in bei den Eltern wohnen

Selbstverständlich hast du die Möglichkeit, weiterhin bei deinen Eltern zu wohnen, wenn du die Ausbildung in einem Betrieb beginnst. Es bleibt letztendlich deine Entscheidung, ob du diese Sicherheit und die finanzielle Unterstützung einer neuen Unabhängigkeit vorziehst. Sicher ist, dass du in diesem Fall ganz entspannt nach deiner Ausbildung eine Stelle annehmen kannst, ein sicheres und festes Gehalt bekommst und schließlich viel entspannter auf Wohnungssuche gehen kannst.

Option 2: Während der Ausbildung in einer eigenen Wohnung wohnen

Um die Ausgangssituation zu verändern, kannst du von deinen Eltern direkt in eine eigene Wohnung ziehen und wagst so einen großen Schritt in die persönliche Freiheit. Welche Vor- und Nachteile diese Möglichkeit hat, haben wir dir bereits aufgezeigt. Selbstverständlich kannst du einige finanzielle Hilfen nutzen, die es Azubis ermöglichen, bereits mit einem niedrigen Ausbildungsgehalt allein zu wohnen. Mehr dazu erfährst du im Abschnitt zu den finanziellen Fördermitteln.

Option 3: Während der Ausbildung in einer WG wohnen

Viele junge Studenten und Auszubildende entscheiden sich für einen Mittelweg, indem sie zwar einen Schritt in die Selbstständigkeit und Unabhängigkeit machen, sich jedoch mit Gleichgesinnten verbinden, um kein zu großes finanzielles Risiko einzugehen oder sich häufig allein zu fühlen. In einer WG ist das nämlich der Fall, denn hier ist meist jemand anderes da und alle Aufgaben und Herausforderungen des Alleinwohnens können gemeinsam gemeistert werden.

Option 4: Während der Ausbildung in einem Wohnheim wohnen

Die letzte Option gerät häufig in Vergessenheit. Das Prinzip eines Studentenwohnheims ist vielen bekannt, allerdings gibt es eine ähnliche Einrichtung auch für Auszubildende. Diese werden als Jugendwohnheim bezeichnet, in denen junge Erwachsene gemeinsam leben, allerdings hat jeder sein eigenes Zimmer und meist auch ein eigenes Bad. Zudem gibt es Gemeinschaftsräume, in denen du dich mit anderen Azubis austauschen kannst. Ein Azubi-Wohnheim ist eine sehr günstige Alternative und eine gute Zwischenlösung auf dem Weg zur Eigenständigkeit.

Finanzielle Fördermittel: Die eigene Wohnung in der Ausbildung finanzieren

Wenn du dich fragst, wie du deine eigene erste Wohnung überhaupt finanzieren sollst, dann bist du damit nicht allein. Wie soll man auch bei einem durchschnittlichen Ausbildungsgehalt von 940 Euro im Monat die teuren Mieten in Städten, Lebensmittel, Fahrten zum Ausbildungsbetrieb und in die Berufsschule finanzieren? Hinzu kommen natürlich noch Ausgaben für Kleidung, andere Unternehmungen und vielleicht auch mal ein Urlaub. Dabei spielt es nur eine untergeordnete Rolle, ob du in einem Wohnheim, einer WG oder einer ganz eigenen Wohnung lebst.

Es gibt jedoch einige Förderangebote in Deutschland, die Auszubildende bei ihrem Weg in die berufliche Zukunft unterstützen. Wir geben dir nun einen Überblick über die wichtigsten staatlichen Unterstützungsangebote für Auszubildende:

Zuschuss durch Berufsausbildungsbeihilfe

Die Berufsausbildungsbeihilfe (BAB) kannst du bei der Agentur für Arbeit beantragen, falls du eine überbetriebliche Ausbildung machst. Zudem müssen deine Eltern ein niedriges Einkommen von unter 1.300 Euro haben und dich damit nicht finanziell unterstützen können. Der Staat zahlt dann je nach Gehalt der Eltern und deines eigenen Ausbildungsgehaltes einen Zuschuss von bis zu 723 Euro. Diese Form der Unterstützung für Azubis ist besonders attraktiv, da BAB nicht zurückgezahlt werden muss.

Förderung durch BAföG

BAföG wird nicht nur Studenten mit geringem Einkommen gewährt, sondern auch Azubis, deren Eltern wenig verdienen. Falls du eine schulische Ausbildung machst, ist das BAföG die beste Möglichkeit, deine Ausbildung finanziell zu unterstützen. Der gestattete Betrag wird individuell und mit einem Höchstsatz von 861 Euro berechnet. Leider musst du die monatliche Unterstützung nach einer gewissen Zeit anteilig zurückzahlen. Falls diese Form der Förderung für dich infrage kommt, kannst du dich an das Amt für Ausbildungsförderung wenden und einen Antrag auf BAföG für deine Berufsausbildung stellen.

Unterstützung durch Wohngeld

Wenn du die Voraussetzung für BAB oder Azubi-BAföG nicht erfüllst, kannst du jederzeit Wohngeld beantragen. Dieses wird allen Geringverdienern in Deutschland vom Staat gewehrt und muss nicht zurückgezahlt werden. Die einzige Voraussetzung ist, dass du volljährig sein und dienen Mietvertrag vorweisen musst. Den Antrag musst du beim zuständigen Amt deiner Stadt stellen und zum Termin den Ablehnungsbescheid des Antrags auf BAB vorlegen.

Anspruch auf Kindergeld

Eltern mit Kindern unter 18 Jahren erhalten Kindergeld vom Staat. Je nachdem, ob es sich um das erste oder dritte Kind in deiner Familie handelt, belaufen sich die Beiträge auf 204 bis 235 Euro pro Monat. Kindergeld muss nicht zurückgezahlt werden, allerdings wird es nur bis zum Abschluss der ersten Berufsausbildung oder eines Studiums bis zu einem maximalen Alter von 25 Jahren gezahlt. Falls du nicht mehr zu Hause wohnen möchtest, hast du mit dem Auszug sofort das alleinige Recht auf dein Kindergeld. Falls diene Eltern sich aus irgendwelchen Gründen quer stellen, kannst du deinen Kindergeldbeitrag auf Anfrage bei der Familienkasse einfordern.

Der Weg in die Unabhängigkeit: 9 Tipps für die erste Wohnung als Azubi

Ganz gleich, ob in einer Wohngemeinschaft mit einem Freund, im Wohnheim für Azubis oder in einer ganz eigenen Wohnung – es gibt einige Ratschläge und Infos, die du bei der Wohnungssuche beachten solltest. Damit du deine Entscheidung später nicht bereust und gut planen kannst, geben wir dir im Folgenden einige hilfreiche Tipps für die Suche nach einer eigenen Wohnung:

  • Stell dir zunächst einen Finanzierungsplan auf, damit du genau weißt, wie viel Geld du für deine erste Wohnung aufwenden kannst.
  • Beginne deine Wohnungssuche im Internet auf großen Immobilienbörsen und nutze eventuell eigene Suchanzeigen in Zeitungen oder Online-Kleinanzeigen-Portalen.
  • Prüfe zuerst die aufgeführten Kosten einer Wohnungsanzeige – das heißt, die Kaltmiete, Nebenkosten und eventuelle Kosten für Strom, Heizung und Internet.
  • Überprüfe den Mietvertrag für deine erste Wohnung ganz genau und bitte eventuell deine Eltern um Hilfe, denn hier können sich schnell Tücken und Fallen verbergen.
  • Beziehe nicht nur die erste Monatsmiete in deine Kostenaufstellung ein, sondern ebenso die Umzugskosten, Kosten für neue Möbel und die Kaution.
  • Schließe frühzeitig Verträge für Versicherungen, Telefon, Internet, Strom und Gas bzw. Heizung ab und vergleiche Angebote, wenn möglich, im Internet auf Vergleichsportalen.
  • Versichere deine Wohnung mindestens mit einer Privathaftpflichtversicherung und ggf. einer Hausratversicherung, um für versehentliche Schäden nicht selbst aufkommen zu müssen.
  • Organisiere deinen Umzug früh genug, besorge ausreichend Kartons und Kisten und kümmere dich um Umzugshelfer und ein Transportfahrzeug.
  • Melde zuletzt deine Wohnung beim Einwohnermeldeamt und informiere etwa deine Krankenkasse, das Finanzamt sowie Förderstellen und deine Bank über deine neue Adresse.  

Auch wenn der Traum von der ersten eigenen Wohnung mit dem Beginn deiner Ausbildung und dem ersten Ausbildungsgehalt verlockend nah rückt, solltest du die Entscheidung gut überdenken. Anhand unserer Vor- und Nachteile sowie den vier Möglichkeiten, während der Ausbildung zu wohnen, kannst du eine gute Entscheidung treffen, die sich für dich richtig anfühlt. Wenn du dir nun sicher bist, den Weg in die Unabhängigkeit einzuschlagen, halte dich an unsere hilfreichen Tipps für die erste eigene Wohnung und nimm bei Bedarf die Angebote der finanziellen Unterstützung für Auszubildende wahr.