- Vom Suchen ins Handeln: 10 Tipps, um als Azubi Orientierung zu gewinnen
- 1. Schreib auf, was dich wirklich interessiert und nicht, was du „solltest“
- 2. Erkenne deine Stärken durch Feedback
- 3. Setz dir kleine, erreichbare Ziele für die nächsten Wochen
- 4. Probier Neues aus, um herauszufinden, was dich begeistert
- 5. Lass den Druck los, alles planen zu müssen
- 6. Schreib regelmäßig auf, was du gelernt hast und was dir wichtig ist
- 7. Sprich mit Menschen, die dich inspirieren
- 8. Lerne, mit Unsicherheit gelassen umzugehen
- 9. Nutze Angebote, die dir helfen können
- 10. Vertraue deinem Tempo und nicht dem der anderen
Planlosigkeit ist nur eine ÜbergangsphaseWeißt du noch, wie in der Schule ständig jemand wissen wollte, was du nach dem Abschluss machst? Als müsste man mit sechzehn schon entscheiden, wie das ganze Leben aussehen soll. Jetzt stehst du mitten in der Ausbildung, der Alltag läuft, und trotzdem fragst du dich vielleicht, wohin das alles führt. Was du wirklich willst. Und ob du überhaupt auf dem richtigen Weg bist.
Viele Auszubildende kennen das Gefühl, unterwegs zu sein, aber ohne klare Richtung. Manchmal fühlt sich das an, als würde man einfach treiben, ohne Ziel und ohne Plan. Das kann verunsichern, besonders wenn andere scheinbar genau wissen, was sie wollen.
Planlosigkeit muss nichts Schlechtes ist. Sie gehört zum Erwachsenwerden dazu und kann sogar der Anfang von etwas Neuem sein. In diesem Artikel geht es darum, warum es völlig in Ordnung ist, gerade keinen festen Plan zu haben, und wie du trotzdem Schritt für Schritt weiterkommst.
Vom Suchen ins Handeln: 10 Tipps, um als Azubi Orientierung zu gewinnen
Planlosigkeit ist kein Problem, das man sofort lösen muss. Trotzdem wünscht sich fast jeder irgendwann wieder mehr Orientierung und das Gefühl, im Leben festen Boden unter den Füßen zu haben. Dieses „Lost-Sein“ kann verunsichern, muss aber kein Dauerzustand bleiben.
ausbildungsstellen.de hat mit einem Mentor für Azubis gesprochen, der seit vielen Jahren junge Menschen auf ihrem Weg begleitet. Seine Erfahrung zeigt, dass Orientierung nicht durch Grübeln entsteht, sondern durch Ausprobieren.
„Azubis, die warten, bis alles perfekt geplant ist, verlieren Zeit und Selbstvertrauen. Wer hingegen kleine Schritte geht, Erfahrungen sammelt und dabei reflektiert, entwickelt schnell ein Gefühl dafür, welche Richtung wirklich passt.“
Jetzt fragst du dich sicher: Wie kommt man aus Planlosigkeit raus und findet wieder Orientierung? Mit diesen zehn Tipps erfährst du genau, wie du ins Handeln kommst und Schritt für Schritt deinen Weg als Azubi findest.
1. Schreib auf, was dich wirklich interessiert und nicht, was du „solltest“
Viele junge Menschen starten in die Ausbildung mit Erwartungen, die gar nicht ihre eigenen sind. Vielleicht wolltest du eigentlich etwas ganz anderes machen, aber deine Eltern meinten, ein sicherer Job sei wichtiger. Oder dein Umfeld hat dir geraten, „erst mal was Solides“ zu lernen. Solche Stimmen bleiben hängen – oft so sehr, dass man gar nicht mehr weiß, was man selbst will.
Genau deshalb ist es so wichtig, dich ehrlich mit deinen eigenen Interessen zu beschäftigen. Nicht mit dem, was du „solltest“, sondern mit dem, was dich wirklich begeistert.
Nimm dir einmal bewusst Zeit – zehn Minuten reichen schon – und schreib einfach alles auf, was dich fasziniert. Dabei geht es nicht nur um berufliche Themen. Es kann alles sein, was dir Energie gibt oder dich neugierig macht:
- Musik hören oder selbst machen
- Handwerklich arbeiten oder etwas mit den Händen schaffen
- Menschen helfen oder beraten
- Etwas organisieren, planen oder strukturieren
- Technik verstehen oder Probleme lösen
- Kreativ gestalten, fotografieren oder schreiben
- In der Natur sein oder dich körperlich betätigen
Wichtig ist, dass du nicht darüber nachdenkst, ob das „realistisch“ oder „nützlich“ ist. Schreib einfach drauflos.
2. Erkenne deine Stärken durch Feedback
Viele Menschen unterschätzen sich selbst. Sie sehen eher, was sie nicht können, als das, was sie schon gut machen. Das liegt daran, dass wir uns an unsere eigenen Fähigkeiten gewöhnen. Was uns leichtfällt, erscheint uns oft selbstverständlich – dabei ist es genau das, was uns stark macht.
Deshalb lohnt es sich, regelmäßig andere um ehrliches Feedback zu bitten. Suche dir dafür drei bis fünf Personen aus, die dich aus unterschiedlichen Situationen kennen. Das können Kollegen aus deiner Abteilung sein, dein Ausbilder, oder Freunde, mit denen du viel unternimmst.
Bitte sie um kurze, konkrete Rückmeldungen. Du kannst das Gespräch ganz einfach anfangen, zum Beispiel so:
„Ich versuche gerade herauszufinden, worin ich besonders gut bin. Du kennst mich ja schon eine Weile – was würdest du sagen, sind meine Stärken?“
Das Feedback kannst du sammeln und notieren – vielleicht in einem Notizbuch oder digital auf deinem Handy. Wenn du mehrere Rückmeldungen hast, liest du sie dir in Ruhe durch. Du wirst schnell feststellen, dass sich bestimmte Punkte wiederholen.
3. Setz dir kleine, erreichbare Ziele für die nächsten Wochen
Wenn du versuchst, dein ganzes Leben auf einmal zu planen, kann das schnell überfordern. Ein Ziel wie „Ich will genau wissen, was ich mit meinem Leben machen will“ ist viel zu groß und wirkt lähmend. Viel besser ist es, in kleinen Schritten vorzugehen. Kleine, realistische Ziele bringen sofort ein Erfolgserlebnis , auch wenn es nur eine Kleinigkeit ist.
Überlege zunächst, was in den nächsten Wochen machbar ist. Das kann eine neue Aufgabe in deiner Abteilung sein, das eigenständige Erledigen einer Routinearbeit, ein kurzes Projekt oder ein Gespräch mit deiner Ausbilderin über Entwicklungsmöglichkeiten. Wichtig ist, dass du dir etwas vornimmst, das du tatsächlich umsetzen kannst.
Schreibe dein Ziel auf, und notiere am besten auch, wann du es erledigen willst. Zum Beispiel: „Diese Woche helfe ich bei der Organisation des Lagerbestands“ oder „Ich frage meine Ausbilderin nach Möglichkeiten, bei einem Kundenprojekt mitzuarbeiten“.
Nach Abschluss des Ziels solltest du dir bewusst Zeit nehmen, um zu reflektieren, was gut gelaufen ist und was du daraus gelernt hast. Vielleicht merkst du, dass dir die neue Aufgabe besonders viel Spaß gemacht hat, oder dass du eine Stärke entdeckt hast, die dir vorher nicht bewusst war.
4. Probier Neues aus, um herauszufinden, was dich begeistert
Routine kann Planlosigkeit verstärken, weil man den ganzen Tag nur abarbeitet, ohne bewusst zu erleben, was einem wirklich liegt oder Freude macht. Um da rauszukommen, hilft es, etwas Neues auszuprobieren.
Schau dich zunächst in deinem direkten Umfeld um. Gibt es eine andere Abteilung oder ein Projekt, bei dem du mal reinschnuppern könntest? Vielleicht gibt es die Möglichkeit, ein bestimmtes Werkzeug oder eine Software auszuprobieren, die du bisher nur theoretisch kennst. Auch kleine Dinge wie die Organisation einer Ablage, das Planen eines Termins oder das Vorbereiten einer Präsentation, bringen frischen Wind in den Tag.
Du kannst auch außerhalb deiner Ausbildung Neues ausprobieren. Ein Nebenjob, ein Ehrenamt, ein Workshop, ein Kurs oder ein Praktikum in einem anderen Bereich kann dir neue Perspektiven geben.
5. Lass den Druck los, alles planen zu müssen
Viele junge Menschen glauben, sie müssten von Anfang an ihr ganzes Leben durchplanen – Ausbildung, Karriere oder sogar schon Familie und Finanzen. Die Realität zeigt jedoch, dass Pläne sich sowieso fast immer ändern. Wer versucht, alles perfekt vorherzusagen, blockiert sich oft selbst und verliert den Blick für das, was gerade möglich ist.
Unser Experte für Azubi-Mentoring spricht aus seinen Erfahrungen:
„Azubis, die alles perfekt planen wollen, geraten schnell unter Druck. Orientierung entsteht nicht durch ständiges Grübeln, sondern durch bewusstes Handeln – auch ohne einen detaillierten Lebensplan.“
6. Schreib regelmäßig auf, was du gelernt hast und was dir wichtig ist
Ein einfaches Journal oder Notizbuch kann dir helfen, den Überblick über deine Entwicklung zu behalten und Muster zu erkennen. Es geht nicht um schönes Schreiben oder Perfektion, sondern darum, bewusst festzuhalten, was du erlebst, lernst und entdeckst.
Am Anfang kannst du dir einmal pro Woche zehn bis fünfzehn Minuten Zeit nehmen. Notiere drei Dinge, die dir in dieser Woche besonders gut gefallen haben oder bei denen du das Gefühl hattest, etwas Neues gelernt zu haben. Das können kleine Erfolge sein, wie das selbstständige Erledigen einer Aufgabe, oder auch Erkenntnisse über dich selbst, zum Beispiel, dass du besonders gern im Team arbeitest oder gerne Verantwortung übernimmst.
Schreibe außerdem eine Sache auf, die dir weniger gefallen hat oder die du beim nächsten Mal anders machen würdest. So erkennst du schnell, welche Aufgaben oder Tätigkeiten dir wirklich liegen und wo du noch üben oder Neues ausprobieren solltest.
Ein Beispiel könnte so aussehen: „Diese Woche habe ich die Kundenbestellungen selbst bearbeitet. Hat mir gefallen, weil ich selbstständig arbeiten konnte. Beim nächsten Mal will ich die Abläufe noch schneller verstehen.“ Oder: „Im Teammeeting habe ich eine Idee vorgeschlagen. Hat Spaß gemacht, aber ich hätte vorher besser vorbereitet sein sollen.“
7. Sprich mit Menschen, die dich inspirieren
Manchmal fällt es schwer, den eigenen Weg allein zu erkennen. Deshalb ist es eine große Hilfe, sich von anderen Menschen inspirieren zu lassen. Sie geben dir Perspektiven, die du alleine vielleicht nicht siehst, und zeigen dir Wege, die funktionieren – aber auch welche, die nicht so passen.
Du könntest zum Beispiel folgende Fragen stellen:
- „Wie bist du zu deinem Job gekommen?“
- „Gab es Umwege, die sich im Nachhinein gelohnt haben?“
- „Welche Aufgaben machen dir besonders Spaß, und warum?“
8. Lerne, mit Unsicherheit gelassen umzugehen
Unsicherheit gehört zum Lernen und Wachsen dazu. Viele Azubis fühlen sich unwohl, wenn sie nicht genau wissen, wohin ihr Weg führt.
Der erste Schritt ist, Unsicherheit nicht zu bekämpfen, sondern sie bewusst wahrzunehmen. Nimm dir ein paar Minuten, um dich zu fragen: Was genau verunsichert mich? Ist es ein neues Projekt, eine Entscheidung, ein unbekannter Aufgabenbereich? Schreibe auf, was dich gerade unsicher macht. Oft hilft schon diese Klarheit, weil man merkt, dass Unsicherheit viele kleine Gründe hat – nicht nur einen großen Grund, der alles bestimmt.
Dann kannst du kleine Experimente planen, um die Unsicherheit Stück für Stück zu reduzieren. Zum Beispiel kannst du eine Aufgabe selbstständig übernehmen, fang klein an. Teile die Aufgabe in Teilaufgaben, bitte jemanden um kurze Rückmeldung zwischendurch und reflektiere danach was du gelernt hast, was gut lief und was du beim nächsten Mal besser machen kannst.
9. Nutze Angebote, die dir helfen können
Viele Betriebe bieten Weiterbildungen, Mentoring, Projekte oder Beratungsangebote an und auch außerhalb der Ausbildung gibt es zahlreiche Möglichkeiten, Unterstützung zu bekommen. Portale, Workshops oder Online-Kurse können dir neue Perspektiven eröffnen und hilfreiche Impulse geben.
Auch bei der Agentur für Arbeit hast du kostenlose Beratungsmöglochkeiten. Du kannst du einfach einen Termin buchen und alle Fragen rund um Ausbildung, Berufseinstieg oder Karrierechancen stellen. Die Berater helfen dir gerne passende Angebote zu finden, unterstützen bei Bewerbungen oder zeigen Wege auf, wie du beruflich weiterkommen kannst.
10. Vertraue deinem Tempo und nicht dem der anderen
Viele Auszubildende vergleichen sich ständig mit Mitschülern, Kollegen oder Freunden. Wer schneller Aufgaben erledigt, weiter in der Karriere ist oder scheinbar schon genau weiß, was er will, wirkt oft selbstbewusst und erfolgreich. Dieses Vergleichen kann aber zu Druck, Unsicherheit und Frust führen. Dir sollte bewusst werden, dass jeder Mensch sein eigenes Tempo hat. Dein Weg muss nicht mit dem anderer übereinstimmen.
Planlosigkeit ist nur eine Übergangsphase
Sich verloren oder unsicher zu fühlen, ist ein völlig normaler Teil des Lebens – besonders in einer neuen Phase wie der Ausbildung. Diese Momente sind ein Zeichen dafür, dass du dich entwickelst und neue Wege entdeckst. Planlosigkeit verschwindet nicht immer sofort, aber sie ist auch kein Dauerzustand. Wer Geduld mit sich selbst hat, lernt, dass Orientierung nicht von einem einzigen Moment abhängt, sondern sich Schritt für Schritt ergibt.
In dieser Zeit kannst du vieles über dich selbst herausfinden: Welche Situationen machen dir Freude? Welche Aufgaben fordern dich besonders heraus? Wo fühlst du dich sicher, wo weniger? Jede Antwort gibt dir ein Stück Klarheit zurück. Planlosigkeit ist also nicht nur ein Hindernis, sondern eine Gelegenheit, zu erkennen, wer du bist und was dir wirklich wichtig ist.
Nutze diese Phase, um neue Perspektiven einzunehmen und kleine Entscheidungen bewusst zu treffen. Es muss nicht alles perfekt sein. Schritt für Schritt entsteht so ein Weg, der zu dir passt, ganz ohne Druck.