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Ausbildungsvertrag: Wichtige Inhalte und häufige Fragen von Azubis

Lillia Seifert am 31.08.2021
ca. 1418 Worte
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Ausbildungsvertrag: Wichtige Inhalte und häufige Fragen von Azubis
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Inhalt:
  1. Was ist ein Ausbildungsvertrag und wer unterschreibt ihn?
  2. Ausbildungsberufe: Welche Kammer ist zuständig?
  3. Berufsbildungsgesetz: Was muss im Ausbildungsvertrag stehen?
    1. Nichtige Vereinbarungen: Was darf nicht im Ausbildungsvertrag stehen?
  4. Azubi-Ratgeber: 5 häufige Fragen zum Ausbildungsvertrag
    1. Frage 1: Wann kommt der Ausbildungsvertrag bei mir an?
    2. Frage 2: Was sollte ich zum Termin für die Unterschrift anziehen mitbringen?
    3. Frage 3: Was kann ich tun, wenn ich nach der Unterschrift einen Fehler entdecke?
    4. Frage 4: Wie muss ich vorgehen, wenn ich meinen Ausbildungsvertrag verloren habe?
    5. Frage 5: Was muss ich bei der Kündigung des Ausbildungsvertrages beachten?

Der Ausbildungsvertrag ist der letzte wichtige Pfeiler auf dem Weg zur Berufsausbildung. Wenn du nach deiner erfolgreichen Bewerbung zum Vorstellungsgespräch eingeladen wurdest und auch hier überzeugen konntest, dann wartet im nächsten Schritt der Berufsausbildungsvertrag auf dich. Ohne diesen hat deine Ausbildung keine rechtliche Grundlage und du keine Sicherheit. Wir erklären dir aus diesem Grund alles, was du über den Ausbildungsvertrag wissen musst und beantworten die wichtigsten und häufigsten Fragen von Azubis rund um den Vertrag in der Lehre.  

Was ist ein Ausbildungsvertrag und wer unterschreibt ihn?

Im Ausbildungsvertrag werden alle wichtigen Vereinbarungen, Rechte und Pflichten beider Vertragsparteien festgehalten. Somit stellt der Vertrag eine Absicherung für dich als Azubi sowie für deinen Ausbildungsbetrieb dar. Nach dem erfolgreichen Bewerbungsgespräch wirst du vermutlich zu einem erneuten Termin in den Ausbildungsbetrieb gebeten.

Damit du den Vertrag nicht blind unterschreiben musst, schickt dir dein neuer Arbeitgeber den Berufsausbildungsvertrag vorher per Post zu, sodass du ihn in Ruhe lesen kannst. Am Tag der Vertragsunterzeichnung kannst du dann zu Beginn Unklarheiten erfragen, bevor du schlussendlich deine Unterschrift ans Ende des Dokuments setzt. Falls du noch nicht 18 Jahre alt bist, müssen deine Eltern den Vertrag unterzeichnen.

Ausbildungsberufe: Welche Kammer ist zuständig?

Nachdem dein Ausbildungsvertrag von allen Parteien unterschrieben wurde, muss er an die zuständige Kammer verschickt werden. Erst mit dem Eintrag in das Verzeichnis der jeweiligen Stelle ist deine Ausbildung offiziell angemeldet. Die folgenden Kammern gibt es gemäß dem Berufsbildungsgesetz in Deutschland.

Diese Stellen sind für unterschiedliche Ausbildungsberufe zuständig:

  • Handwerkskammer:
    Handwerkliche Berufe wie Konstruktionsmechaniker oder Mechatroniker
  • Industrie- und Handelskammer:
    Handelsberufe wie Bankkaufmann oder Einzelhandelskaufmann
  • Landwirtschaftskammer:
    Landwirtschaftliche Berufe wie Landwirt oder Milchtechnologe
  • Rechtsanwalts-, Patentanwalts- und Notarkammer:
    Rechtsberufe wie Rechtsanwalts- oder Notarfachangestellte
  • Wirtschaftsprüfer- und Steuerberaterkammer:
    Steuerberufe wie Steuerfachangestellter oder Wirtschaftsprüfer
  • Ärzte-, Zahnärzte-, Tierärzte-, Apothekerkammer:
    Gesundheitsberufe wie Medizinische Fachangestellte oder Pflegefachmann

Berufsbildungsgesetz: Was muss im Ausbildungsvertrag stehen?

Der Ausbildungsvertrag wird vom Betrieb, in dem du deine Lehre absolvieren möchtest, erstellt. Allerdings muss sich die Personalabteilung strikt nach den Vorgaben des Berufsbildungsgesetzes zur Begründung des Ausbildungsverhältnisses richten. Dabei müssen die Ausbildenden die Vertragsniederschrift in nicht-elektronischer Form niederlegen.

Diese Rechtsvorschriften und Grundsätze muss der Ausbildungsvertrag enthalten:

  • Art und Ziel der Berufsausbildung sowie die Rahmenbedingungen inklusive zeitlicher und sachlicher Gliederung der auszubildenden Tätigkeit
  • Datum des Beginns und die genaue Dauer der Berufsausbildung
  • Sämtliche Maßnahmen, die außerhalb des Ausbildungsbetriebes stattfinden wie etwa Weiterbildungen und Workshops
  • Dauer der täglichen bzw. wöchentlichen Arbeitszeit in Stunden
  • Dauer der Probezeit von mindestens einem Monat bis maximal vier Monate
  • Zahlungsziel und Höhe der Ausbildungsvergütung
  • Urlaubsanspruch von 24 (über 18-Jährige) bis 30 (unter 16-Jährige) Werktagen im Jahr
  • Voraussetzungen und Kündigungsbedingungen des Ausbildungsvertrages
  • Hinweis auf Tarifverträge, Betriebs- oder Dienstvereinbarungen, sofern zutreffend
  • Richtlinien für das Führen der Ausbildungsnachweise

Nichtige Vereinbarungen: Was darf nicht im Ausbildungsvertrag stehen?

Das Berufsbildungsgesetz sieht einige Vereinbarungen als nichtig, insofern sie den Auszubildenden in der Ausübung ihrer Tätigkeit nach Ausbildungsabschluss einschränken. Das heißt, dass der Vertrag keine über die Laufzeit hinausgehenden Einschränkungen oder Vorgaben aufweisen darf. Selbstverständlich entfällt diese Vereinbarung, falls du dich zum Ende der Ausbildung dazu verpflichtest, im Anschluss ein Arbeitsverhältnis mit deinem Betrieb einzugehen.

Diese Vereinbarungen dürfen in deinem Ausbildungsvertrag nicht enthalten sein:

  • Verpflichtung zur Übernahme nach abgeschlossener Ausbildung
  • Verbot der Aufnahme eines Arbeitsverhältnisses bei der Konkurrenz
  • Forderung von Entschädigungen für Kosten, die im Rahmen der Ausbildung entstanden sind
  • Festlegung von Vertragsstrafen im Falle einer Kündigung
  • Versagung von Pauschalen und Schadensersatzansprüchen sowie Festlegung der Höhe

Azubi-Ratgeber: 5 häufige Fragen zum Ausbildungsvertrag

Nachdem wir dir nun erklärt haben, welche Bestandteile in deinem Lehrvertrag auf keinen Fall fehlen dürfen und welche nichtigen Vereinbarungen das Berufsbildungsgesetz vorschriebt, möchten wir dir nun noch einige häufige Fragen beantworten, die viele Azubis sich im Zusammenhang mit dem Berufsausbildungsvertrag stellen.

Frage 1: Wann kommt der Ausbildungsvertrag bei mir an?

Nachdem du das Vorstellungsgespräch um deinen zukünftigen Ausbildungsplatz erfolgreich hinter dich gebracht hast, fehlt nur noch der Vertrag. Diesen bereitet die Personalabteilung deines Betriebes vor und schickt dir vermutlich ein Exemplar per Post zu. So kannst du den Ausbildungsvertrag in Ruhe lesen und zum Termin der Vertragsunterschrift mitbringen.

Wichtig ist, dass du den Vertrag vor Ausbildungsbeginn erhältst. Wenn dein Betrieb schnell arbeitet, hältst du deinen Vertrag eventuell schon nach zwei Wochen nach dem Bewerbungsgespräch in den Händen. Einige Unternehmen lassen sich jedoch auch vier Wochen Zeit. Falls du bereits länger als einen Monat wartest, kannst du natürlich auch einmal in der Firma anrufen und höflich nachfragen.

Frage 2: Was sollte ich zum Termin für die Unterschrift anziehen mitbringen?

Nachdem du nun das Vorstellungsgespräch erfolgreich gemeistert hast, fehlt nur noch der letzte Schritt bis zum Beginn deiner Ausbildung: der Tag der Vertragsunterschrift. Grundsätzlich musst du dir an dieser Stelle eigentlich keine Sorgen mehr machen, dass der Betrieb dich doch nicht in die Lehre nehmen möchte, denn er hat sich ja bereits im Bewerbungsverfahren für dich entschieden. Mitbringen musst du lediglich deinen Personalausweis, deine Sozialversicherungsnummer und die Steuer-ID.

Allerdings möchtest du zu diesem wichtigen und offiziellen Termin angemessen gekleidet erscheinen. Für gewöhnlich kannst du dich ganz genauso kleiden, wie du es bereits im Bewerbungsgespräch getan hast: Zum Ausbildungsberuf passend, locker und dennoch förmlich. Achte bei Berufen im Handwerk sowie in der Landwirtschaft auf zurückhaltende, eher lässige Kleidung. Berufe im Bereich Handel, Wirtschaft oder Recht sowie in der Gesundheitsbranche erfordern unter Umständen einen etwas offizielleren Look, der je nach Unternehmen auch aus einem Anzug oder Kostüm bestehen darf.

Frage 3: Was kann ich tun, wenn ich nach der Unterschrift einen Fehler entdecke?

Falls du nach der Unterzeichnung deines Vertrages noch einen Fehler entdeckst oder etwas gefunden hast, was dir gar nicht gefällt, ist das kein Grund zur Panik. Zunächst einmal kannst du mit dem Verantwortlichen im Ausbildungsbetrieb sprechen und ihn fragen, ob es eine Möglichkeit gibt, diesen Sachverhalt im Vertrag zu ändern. Wenn es sich um eine nichtige Vereinbarung handelt, ist dein Ausbildungsbetrieb sogar dazu verpflichtet, diesen Punkt abzuändern.

Falls eine Änderung des Fehlers oder der Unstimmigkeit nicht möglich ist oder dein Vorgesetzter sich quer stellt, hast du natürlich immer noch die Möglichkeit, den Vertrag zu kündigen, auch wenn deine Ausbildung noch gar nicht begonnen hat. Im schlimmsten Fall kannst du jedes Arbeitsverhältnis vor Arbeitsantritt kündigen, wenn dies nicht ausdrücklich im Arbeitsvertrag ausgeschlossen wurde. Somit ist es unter Einhaltung der Kündigungsfrist (meist 14 Tage) möglich, den Ausbildungsvertrag wieder zu kündigen.

Frage 4: Wie muss ich vorgehen, wenn ich meinen Ausbildungsvertrag verloren habe?

Falls du deinen Ausbildungsvertrag verloren hast, ist das noch kein Grund zur Sorge. Zunächst solltest du alle möglichen Orte noch einmal absuchen und nachsehen, ob sich der Vertrag nicht doch zwischen deinen Unterlagen versteckt. Wenn deine Bemühungen erfolglos bleiben und der Vertrag einfach nicht mehr auftaucht, musst du wohl oder übel deinen Chef kontaktieren. Dieser wird dir sicher ein neues Exemplar ausstellen, denn er hat ja schließlich auch eine Kopie vom Vertrag.

Frage 5: Was muss ich bei der Kündigung des Ausbildungsvertrages beachten?

Grundsätzlich gibt es drei verschiedene Möglichkeiten der Kündigung eines Ausbildungsverhältnisses: Die Kündigung des Lehrvertrages in der Probezeit, die ordentliche Kündigung und die fristlose Kündigung. In der Probezeit kann der Arbeitsvertrag ohne Angabe von Gründen von beiden Seiten ohne Kündigungsfrist gekündigt werden.

Die ordentliche Kündigung eines Ausbildungsverhältnisses unterliegt den strengen Richtlinien des Berufsbildungsgesetzes. Das heißt, dass eine ordentliche Kündigung lediglich vom Auszubildenden ausgehen darf. Dabei musst du die Kündigungsfrist von vier Wochen beachten und deine Berufsausbildung entweder vollständig aufgeben oder in einem neuen Ausbildungsbetrieb einen anderen Beruf erlernen.

Bei einer fristlose Kündigung wird der Ausbildungsvertrag vorzeitig aufgelöst und die Kündigungsfrist entfällt. Die außerordentliche fristlose Kündigung kann sowohl vom Betrieb als auch vom Auszubildenden ausgesprochen werden. Allerdings muss im Falle einer Kündigung durch deinen Ausbilder zuvor eine Abmahnung erteilt worden sein. Für eine Kündigung von deiner Seite genügt zum Beispiel der Grund, dass du dich doch für ein Studium entschieden hast.

Dein Ausbildungsbetrieb darf den Vertrag nur in folgenden Fällen fristlos kündigen:

  • Verhaltensbedingte Kündigung durch den Arbeitgeber (z. B. Arbeitsverweigerung, Fernbleiben vom Unterricht der Berufsschule, Störung des Betriebsfriedens usw.)
  • Personenbedingte Kündigung durch den Arbeitgeber (z. B. Alkohol oder Drogensucht, Krankheit, Untersuchungshaft u.w., die den Abschluss der Ausbildung unmöglich machen)
  • Betriebsbedingte Kündigung durch den Arbeitgeber (z. B. aufgrund der Stilllegung einer Ausbildungsabteilung oder der vollständigen Betriebsstilllegung, nicht aber einer Insolvenz)

Der Ausbildungsvertrag ist der wohl wichtigste Bestandteil deiner Berufsausbildung, denn ohne diesen ist das Arbeitsverhältnis nicht besiegelt. Außerdem dient der Vertrag deiner persönlichen Sicherheit als Auszubildender und sorgt dafür, dass alle Vorgaben des Berufsbildungsgesetzes zur Begründung des Ausbildungsverhältnisses eingehalten werden. Auf der anderen Seite hat dein Ausbildungsbetrieb so die Sicherheit, dass du dich an alle Bedingungen und Rechtsvorschriften hältst. Wir haben dir hier erklärt, was genau in deinen Lehrvertrag gehört und dir hilfreiche Antworten auf typische Fragen von Azubis zum Ausbildungsvertrag gegeben.