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Ausbildungsvergütung: Dein Gehalt in der Ausbildung

Lillia Seifert am 31.08.2021
ca. 1142 Worte
ungefähre Lesezeit 4 Minuten 9 Sekunden
Ausbildungsvergütung: Dein Gehalt in der Ausbildung
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Inhalt:
  1. Bezahlung in der Ausbildung: Gehalt, Lohn oder Vergütung?
  2. Ausbildungsvergütung: Welche Faktoren bestimmen das Gehalt?
    1. Durchschnittliche Gehälter in beliebten Ausbildungsberufen
  3. Azubi-Gehalt: Die 5 wichtigsten Fragen zur Ausbildungsvergütung
    1. Frage 1: Wann und wie wird das Ausbildungsgehalt ausgezahlt?
    2. Frage 2: Wo liegt der Unterschied zwischen Brutto- und Netto-Gehalt?
    3. Frage 3: Welche Steuern und Sozialabgaben müssen Azubis zahlen?
    4. Frage 4: Wie viel Gehalt steht Auszubildenden mindestens zu?
    5. Frage 5: Was bedeutet ein Tarifvertrag in der Ausbildung?

Nach deinem Schulabschluss kannst du dich entscheiden, ob du lieber studieren oder eine Berufsausbildung machen möchtest. Der Vorteil einer Ausbildung ist unter anderem das regelmäßige Gehalt in Form einer monatlichen Ausbildungsvergütung. Dieser Verdienst steigt mit jedem Ausbildungsjahr und je nach Branche unterschiedlich stark an. Wie viel du letztendlich in deiner Ausbildung verdienst, hängt von weiteren Faktoren ab wie dem Unternehmen, der Region und den steuerlichen Abzügen. Um Licht ins Dunkel zu bringen, schauen wir uns im Folgenden einmal genauer an, wie du dein Gehalt in der Ausbildung bestimmen kannst.

Bezahlung in der Ausbildung: Gehalt, Lohn oder Vergütung?

Grundsätzlich gibt es zwei verschiedene Varianten, geleistete Arbeit zu bezahlen: Lohn und Gehalt. Der Lohn berechnet sich durch die tatsächlich geleisteten Arbeitsstunden, wie es häufig bei 450-Euro-Minijobs der Fall ist. Bezahlt wird hier nur so viel wie geleistet wurde und es gibt keine feste Vergütung.

In der Ausbildung erhältst du hingegen ein festes Gehalt, bei dem es irrelevant ist, wie viele Arbeitsstunden du genau geleistet hast. Der Begriff Vergütung beschreibt dabei lediglich die Bezahlung eines Arbeitnehmers durch einen Arbeitgeber. Somit kannst du in deiner Ausbildung mit einem festen Gehalt – der Ausbildungsvergütung – rechnen.

Ausbildungsvergütung: Welche Faktoren bestimmen das Gehalt?

Wenn du dich fragst, wovon dein Gehalt in der Ausbildung abhängt, findest du bei uns darauf die Antwort. Grundsätzlich bestimmt dein Ausbildungsberuf auch das Gehalt, welches du während der meistens drei Ausbildungsjahre verdienst. Allerdings variiert die Ausbildungsvergütung in den Bundesländern und Branchen stark und wird auch davon beeinflusst, ob nach Tarifverträgen bezahlt wird. Zudem erhöht sich ein Gehalt mit jedem Ausbildungsjahr, sodass du im letzten Lehrjahr die höchste Vergütung erhältst.

Durchschnittliche Gehälter in beliebten Ausbildungsberufen

Aufgrund der Vielzahl an Einflussfaktoren auf das Bruttogehalt in der Ausbildung können wir dir lediglich einige Beispiele für die tarifliche, das heißt vorgegebene Vergütung in den beliebtesten Lehrberufen geben. Auch dabei solltest du jedoch beachten, dass diese lediglich das Durchschnittsgehalt über die gesamte Ausbildungsdauer abbilden.

Hier einige Beispiele für das durchschnittliche Gehalt in beliebten Ausbildungsberufen:

  • Bankkaufmann/-frau (IH)      
    Alte Länder: 1.112€     
    Neue Länder: 1.107€
  • Industriemechaniker/-in (IH)     
    Alte Länder: 1.081€      
    Neue Länder: 1.025€
  • Mechatroniker/-in (IH)     
    Alte Länder: 1.075€     
    Neue Länder: 1.015€
  • Kraftfahrzeugmechatroniker/-in (IH)     
    Alte Länder: 1.065€     
    Neue Länder: 1.037€
  • Elektroniker/-in für Betriebstechnik (IH)     
    Alte Länder: 1.060€     
    Neue Länder: 1.003€
  • Kaufmann/-frau im Groß- und Außenhandel (IH)     
    Alte Länder: 1.042€     
    Neue Länder: 971€
  • Industriekaufmann/-frau (IH)     
    Alte Länder: 1.036€     
    Neue Länder: 961€
  • Fachinformatiker/-in  (IH)     
    Alte Länder: 1.028€     
    Neue Länder: 997€
  • Kaufmann/-frau im Einzelhandel (IH)     
    Alte Länder: 1.018€     
    Neue Länder: 952€
  • Fachkraft für Lagerlogistik (IH)     
    Alte Länder: 1.015€     
    Neue Länder: 941€
  • Kaufmann/-frau für Büromanagement (IH)     
    Alte Länder: 1.002€     
    Neue Länder: 974€
  • Verkäufer/-in (IH)     
    Alte Länder: 947€     
    Neue Länder: 881€
  • Zahnmedizinische/-r Fachangestellte/-r (FB)     
    Alte Länder: 923€     
    Neue Länder: k. A.
  • Friseur/-in (Hw)     
    Alte Länder: 642€     
    Neue Länder: 410€
  • Tischler/-in (Hw)     
    Alte Länder: 784€     
    Neue Länder: 711€
  • Anlagenmechaniker/-in für Sanitär- und Heizungtechnik (Hw)     
    Alte Länder: 795€     
    Neue Länder: k. A.
  • Elektroniker/-in (Hw)     
    Alte Länder: 842€     
    Neue Länder: 833€
  • Hotelfachmann/-frau (IH)     
    Alte Länder: 879€     
    Neue Länder: 857€
  • Koch/Köchin (IH)     
    Alte Länder: 880€     
    Neue Länder: 880€

Azubi-Gehalt: Die 5 wichtigsten Fragen zur Ausbildungsvergütung

Als frisch-gebackener Azubi hast du vermutlich noch nicht so viel Ahnung von Gehältern in der Ausbildung, wann diese gezahlt werden, wo der Unterschied zwischen brutto und netto liegt, welche Steuern und Sozialabgaben du zahlen musst, ob du einen Anspruch auf Mindestlohn hast und was genau ein Tarifvertrag ist. Keine Sorge, so kompliziert ist das Ganze eigentlich gar nicht.

Die fünf meist gestellten Fragen von Azubis zum Gehalt klären wir hier:  

Frage 1: Wann und wie wird das Ausbildungsgehalt ausgezahlt?

In der Ausbildung erhältst du dein monatliches Gehalt immer vor Ablauf des Monats, es sollte spätestens jedoch am letzten Arbeitstag auf deinem Konto sein. Falls du einmal kein Gehalt erhältst, solltest du dich unbedingt an deinen Arbeitgeber wenden und deinen Anspruch auf dein Monatsgehalt geltend machen. Deine Ausbildungsvergütung erhöht sich mit jedem abgeschlossenen Ausbildungsjahr.

Als Beispiel hier die Brutto-Vergütung als Kraftfahrzeugmechatroniker/in-Azubi in Westdeutschland:

  • 1. Lehrjahr: 975€ pro Monat
  • 2. Lehrjahr: 1.038€ pro Monat
  • 3. Lehrjahr: 1.121€ pro Monat
  • 4. Lehrjahr: 1.183€ pro Monat
  • Durchschnittsgehalt: 1.065€ pro Monat

Frage 2: Wo liegt der Unterschied zwischen Brutto- und Netto-Gehalt?

In Deutschland erhält jeder Arbeitnehmer, der ein festes Gehalt bekommt, lediglich den Nettobetrag auf sein Konto. Dieses Nettogehalt ist das, was vom Bruttogehalt nach Abzug der Steuern, Sozialabgaben und Versicherungsbeiträge noch übrig bleibt. Daher solltest du unbedingt wissen, welche Abgaben auf dich zukommen und wie viel dir von deinem Ausbildungsgehalt am Ende bleibt.

Frage 3: Welche Steuern und Sozialabgaben müssen Azubis zahlen?

Jeder Arbeitnehmer muss grundsätzlich Steuern an den Staat zahlen. Als Auszubildender genießt du jedoch den Vorteil, dass du bei einem Freibetrag von bis zu 9.744 Euro keine Lohnsteuer zahlen musst. Sobald du über diesen jährlichen Betrag hinaus verdienst, musst du allerdings eine Lohnsteuer zahlen. Wenn dies der Fall ist, dann kommen folgende Steuerabgaben auf dich zu:

  • Lohnsteuer: Die Lohnsteuerklasse bestimmt die Höhe der Steuer. Sobald deine Ausbildungsvergütung den Freibetrag übersteigt, zahlt dein Ausbildungsbetrieb den jeweiligen Betrag direkt an das Finanzamt.
  • Kirchensteuer: Die Kirchensteuer musst du zahlen, sobald du einer Religionsgemeinschaft angehörst. Falls du keine Kirchensteuer zahlen möchtest, kannst du für etwa 30 Euro aus der Kirche austreten.
  • Solidaritätszuschlag: Der Solidaritätszuschlag kommt seit Neustem lediglich auf Gutverdiener zu, die eine Lohnsteuer von mindestens 16.956 Euro entrichten müssen. Das heißt, dass du als Auszubildender zunächst davon befreit bist.

Zu den Steuerabgaben kommen weitere Sozialabgaben an deine Krankenkasse hinzu:

  • Rentenversicherung (9,3 % deines Bruttogehaltes)
  • Krankenversicherung (7,3 % deines Bruttogehaltes)
  • Arbeitslosenversicherung (1,20 % deines Bruttogehaltes)
  • Pflegeversicherung (1,525% deines Bruttogehaltes)

Frage 4: Wie viel Gehalt steht Auszubildenden mindestens zu?

Das Gesetz in Deutschland sieht eine Mindestvergütung für Auszubildende vor. Ganz gleich, in welcher Branche oder in welchem Beruf du deine Ausbildung machst, muss der Ausbildungsbetrag dir mindestens 550 Euro brutto (1. Lehrjahr) im Monat zahlen. Diese Mindestvergütung wird in Zukunft jedes Jahr angehoben, daher solltest du dich immer über den aktuellen Mindestlohn für Azubis informieren.

Frage 5: Was bedeutet ein Tarifvertrag in der Ausbildung?

Viele Ausbildungsbetriebe und Unternehmen in Deutschland haben eine tarifliche Vereinbarung mit der Gewerkschaft getroffen, nach der sie ihre Fachkräfte und Azubis bezahlen. Das heißt, dass sich die Betriebe strikt an die Ausbildungsgehälter aus dem Tarifvertrag halten müssen.

Ob dein Ausbildungsbetrieb Tarifgehälter zahlt, findest du am besten heraus, indem du beim Betriebsrat oder der Jugend- und Auszubildendenvertretung nachfragst. Selbstverständlich kannst du auch bei Vertretern der Gewerkschaft in deinem Betrieb nachfragen. Zudem findest du im Internet häufig umfangreiche Informationen zu Tarifverträgen in verschiedenen Berufen und Branchen.

Wie du siehst, gibt es einiges zu beachten, wenn es um die Ausbildungsvergütung geht. Mit dem Abschluss der Schule und dem Einstieg in die Berufswelt musst du dich mit Themen wie Steuern, Bruttogehalt und Tarifklassen auseinandersetzen, um zu verstehen, welches Gehalt dich in deiner Ausbildung erwartet. Dank unseres Überblicks über Durchschnittsgehälter in beliebten Ausbildungsberufen und der Klärung wichtiger Fragen zum Gehalt in der Ausbildung bist du nun bestens vorbereitet und kennst deine finanziellen Rechte und Pflichten.