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Ausbildungsarten: Die verschiedenen Ausbildungsformen im Überblick

Lillia Seifert am 31.08.2021
ca. 1853 Worte
ungefähre Lesezeit 6 Minuten 44 Sekunden
Ausbildungsarten: Die verschiedenen Ausbildungsformen im Überblick
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Inhalt:
  1. Berufsausbildung: Alle Ausbildungsarten im Überblick mit Beispielen
    1. Ausbildungsart 1: Schulische Ausbildung
    2. Ausbildungsart 2: Duale Ausbildung
    3. Ausbildungsart 3: Abiturientenausbildung
    4. Ausbildungsart 4: Ausbildung an der Berufsakademie
    5. Ausbildungsart 5: Assistierte Ausbildung  
    6. Ausbildungsart 6: Einjährige Ausbildung
    7. Ausbildungsart 7: Duales Studium
  2. Besondere Ausbildungsformen und Angebote

Du möchtest eine Ausbildung machen, aber hast noch keine Ahnung, welche der vielen Ausbildungsarten zu dir passt? Vermutlich hast du gerade die Schule beendet oder du möchtest dich beruflich noch einmal neu orientieren. Neben einem Studium hast du unzählige Möglichkeiten, einen Ausbildungsberuf zu lernen oder du kombinierst die beiden Formen einfach miteinander. Damit du eine klare Entscheidung treffen kannst, geben wir dir einen Überblick über die klassischen Ausbildungsarten sowie alle Besonderheiten und spezielle Ausbildungsangebote.

Berufsausbildung: Alle Ausbildungsarten im Überblick mit Beispielen

Sobald du deine Schule beendet hast, stellt sich dir vermutlich die Frage, in welchem Beruf du in Zukunft arbeiten möchtest und welche Ausbildung oder welches Studium für dich infrage kommt. Um herauszufinden, welcher Weg in die Arbeitswelt für dich der Richtige ist, haben wir im Folgenden die klassischen Ausbildungsarten aufgelistet und geben dir einen Überblick über die Möglichkeiten, eine Berufsausbildung zu absolvieren. Dabei erfährst du, welche Voraussetzungen du erfüllen musst, wie die unterschiedlichen Ausbildungsformen aufgebaut sind und was dich in diesen genau erwartet.

Ausbildungsart 1: Schulische Ausbildung

Die schulische Ausbildung findet ausschließlich in der Berufsfachschule statt, weshalb diese Ausbildungsform auch vollschulische Ausbildung genannt wird. Insbesondere in der Gesundheitsbranche und im Bereich Technik sowie Soziales ist die schulische Ausbildung die häufigste Ausbildungsart.

Das Wichtigste zur schulischen Ausbildung:

  • Erforderlicher Schulabschluss: kein bestimmter Schulabschluss
  • Ausbildungsvergütung: keine (z. T. Schulgebühren)
  • Ausbildungsdauer: ein bis dreieinhalb Jahre

Bereits mit einem Hauptschulabschluss, ebenso wie mit dem Realschulabschluss, dem Fachabitur und Abi, kannst du an einer Berufsfachschule eine dreieinhalbjährige Ausbildung machen. Allerdings sind die Bewerbungsfristen recht streng, weshalb du dich unbedingt rechtzeitig um einen Ausbildungsplatz bemühen solltest.

Wenn du nach einer erfolgreichen Bewerbung an der Berufsfachschule angenommen wurdest, wirst du in speziellen Ausbildungsfächern, die zu deiner Berufswahl passen, unterrichtet. Da du noch nicht in einem Betrieb arbeitest, verdienst du selbstverständlich auch noch kein Ausbildungsgehalt, sondern musst in privaten Einrichtungen sogar noch Schulgebühren zahlen. Praktische Berufserfahrung sammelst du während der schulischen Ausbildung lediglich durch Praktika. Unter bestimmten Umständen kannst du sogar das Abitur während deiner Ausbildung nachholen und hast im Anschluss die Möglichkeit zu studieren.

Beispiele für schulische Ausbildungsberufe:

  • Altenpfleger
  • Ergotherapeut
  • Game-Designer
  • Logopäde
  • Tierheilpraktiker

Ausbildungsart 2: Duale Ausbildung

Die betriebliche Ausbildung stellt das Gegenstück zur schulischen dar, denn die meisten Ausbildungsberufe können auf einem dieser Wege erlernt werden. Die auch als klassische duale Ausbildung bezeichnete Form besteht zu einem Teil aus Unterricht in einer Berufsschule und zum anderen Teil aus der Arbeit im Ausbildungsbetrieb – dual eben.  

Das Wichtigste zur dualen Ausbildung:

  • Erforderlicher Schulabschluss: kein bestimmter Schulabschluss
  • Ausbildungsvergütung: festes monatliches Gehalt
  • Ausbildungsdauer: zwei bis dreieinhalb Jahre

Es gibt bereits mehr als 360 Ausbildungsberufe, die staatlich anerkannt sind. Davon ist ein Großteil dual, sodass du etwa drei bis vier Tage in der Woche in deinem Ausbildungsbetrieb arbeitest und etwa zwei bis drei Tage in der Berufsschule unterrichtet wirst. Einige Berufsausbildungen sehen auch einen Wechsel zwischen Blockunterricht und Arbeitsphasen im Betrieb vor. Durch die Kombination aus Praxis und Theorie der dualen Ausbildung bist du optimal auf den späteren Beruf vorbereitet.

Beispiele für duale Ausbildungsberufe:

  • Anlagenmechaniker
  • Buchbinder
  • Elektroniker
  • Fachinformatiker
  • Veranstaltungskaufmann

Ausbildungsart 3: Abiturientenausbildung

Die Abiturientenausbildung ist, wie der Name schon sagt, ausschließlich Schülerinnen und Schülern mit Abitur oder Fachabitur vorbehalten. Daher benötigst du einen dieser Schulabschlüsse: Allgemeine Hochschulreife, fachgebundene Hochschulreife oder Fachhochschulreife. Je nach Unternehmen, Bundesland und Branche ist die Ausbildung unterschiedlich aufgebaut, allerdings ist sie ebenso wie die duale Ausbildung immer in Praxis und Theorie unterteilt.

Das Wichtigste zur Abiturientenausbildung:

  • Erforderlicher Schulabschluss: mind. Fachabitur
  • Ausbildungsvergütung: festes monatliches Gehalt
  • Ausbildungsdauer: drei bis vier Jahre

Die doppelt qualifizierende Ausbildung dauert zwischen zwei und vier Jahren, in denen du sowohl in der Berufsschule unterrichtet wirst als auch praktische Arbeitserfahrung im Betrieb sammelst. Mit der Ausbildung für Abiturienten kannst du zwei Abschlüsse gleichzeitig erwerben, meist im kaufmännischen Bereich. So wirst du in der Ausbildung zum Handelsfachwirt ebenso zum Einzelhandelskaufmann ausgebildet.

Beispiele für Abiturientenausbildungen:

  • Betriebswirt
  • Fachwirt für Vertrieb im Einzelhandel
  • Finanzassistent
  • Handelsfachwirt
  • Managementassistent

Ausbildungsart 4: Ausbildung an der Berufsakademie

Die Ausbildung an einer Berufsakademie ist am ehesten mit dem dualen Studium gleichzusetzen und ausschließlich für Abiturienten geeignet. Allerdings ist die meist dreijährige Ausbildung ebenso wie die duale Ausbildung in Theorie und Praxis aufgeteilt, sodass du abwechselnd in Blöcken an der Berufsakademie unterrichtet wirst und im Unternehmen arbeitest.

Das Wichtigste zur Ausbildung an der Berufsakademie:

  • Erforderlicher Schulabschluss: mind. Fachabitur
  • Ausbildungsvergütung: festes monatliches Gehalt
  • Ausbildungsdauer: drei Jahre

Der schulische Teil der Ausbildung an einer Berufsakademie ähnelt dem Studium an einer Hochschule. Während dieser Zeit wirst du von Dozenten unterrichtet und erhältst am Ende einen Abschluss, der zwar Bachelor oder Diplom genannt wird, allerdings nicht mit dem staatlich anerkannten akademischen Abschluss gleichzusetzen ist. Er erlaubt dir letztendlich an einer Hochschule zu studieren. Wenn du Lust auf ein duales Studium mit starkem Praxisbezug hast, dann ist die Ausbildung an einer Berufsakademie das richtige für dich.

Beispiele für Ausbildungen an der Berufsakademie:

  • Energiewirtschaft
  • Informationstechnik
  • Marketing
  • Maschinenbau
  • Sozialpädagogik

Ausbildungsart 5: Assistierte Ausbildung  

Die assistierte Ausbildung stellt eine Sonderform der Berufsausbildung dar, denn hier wirst du als Azubi in der ersten Phase nach dem Schulabschluss besonders unterstützt. Sie kommt lediglich für Lernbeeinträchtigte und sozial Benachteiligte infrage, die noch keine Erstausbildung absolviert haben und unter 25 Jahre alt sind. Grundsätzlich gleicht diese Ausbildungsform der klassischen dualen Ausbildung, allerdings nur im Aufbau und der Unterteilung in Theorieunterricht an der Berufsschule und Praxisphasen im Unternehmen.

Das Wichtigste zur assistierten Ausbildung:

  • Erforderlicher Schulabschluss: kein bestimmter Schulabschluss
  • Ausbildungsvergütung: festes monatliches Gehalt
  • Ausbildungsdauer: zwei bis vier Jahre

Das Besondere an der assistierten Ausbildung ist, dass du in einem Zeitraum von sechs Monaten zunächst herausfinden kannst, welche Ausbildung das Richtige für dich sein könnte. Außerdem wirst du daraufhin von der Arbeitsagentur betreut, sodass deine Bedürfnisse mit denen des Unternehmens, in dem du deine Lehre machst, übereinstimmen. Diese Ausbildungsart eignet sich insbesondere für junge Erwachsene, die mit persönlichen Problemen, Sprachschwierigkeiten oder Orientierungslosigkeit in der Berufswelt zu kämpfen haben, aber selbstverständlich auch für alle anderen. Du kannst jeden Ausbildungsberuf in Form einer assistierten Ausbildung absolvieren.

Beispiele für assistierte Ausbildungen:

  • Bankkaufmann
  • Fachkraft für Lagerlogistik
  • Industriekaufmann
  • Kaufmann für Büromanagement
  • Kaufmann für Groß- und Außenhandelsmanagement

Ausbildungsart 6: Einjährige Ausbildung

In der Regel dauern Berufsausbildungen zwischen zwei und vier Jahren, allerdings gibt es einige Berufe, die bereits innerhalb eines Jahres erlernt werden können. Einige Berufe überschneiden sich sogar und werden sowohl in der einjährigen Variante als auch der herkömmlichen dualen Ausbildung angeboten. Falls du möglichst schnell dein eigenes Geld verdienen und beruflichen durchstarten möchtest, ist die einjährige Ausbildung genau das richtige für dich.

Das Wichtigste zur einjährigen Ausbildung:

  • Erforderlicher Schulabschluss: mind. Hauptschulabschluss
  • Ausbildungsvergütung: i. d. R. keine
  • Ausbildungsdauer: ein Jahr

Die Ausbildungsform wird in verschiedenen Branchen und Berufen angeboten, daher unterscheidet sich auch der Aufbau. Die Ausbildungsberufe aus diesem Bereich finden jedoch meistens lediglich schulisch oder praktisch statt. Leider bekommst du aufgrund der Kürze dieser Ausbildungsart keine Vergütung, allerdings kannst du natürlich Förderungen wie BAföG beantragen.

Beispiele für einjährige Ausbildungen:

  • Altenpflegehelfer
  • Berufsflugzeugführer/in
  • Fachunteroffizier
  • Gesundheits- und Krankenpflegehelfer
  • Heilerziehungspflegehelfer/in
  • Kosmetiker

Ausbildungsart 7: Duales Studium

Das duale Studium ist zwar namentlich keine regelrechte Ausbildung, allerdings haben wir sie hier trotzdem aufgeführt, da sie die ausbildungsintegrierte Variante des klassischen Studiums darstellt. Für ein duales Studium benötigst du das Abitur oder Fachabitur und kannst schließlich eine Ausbildung in einem Unternehmen absolvieren und gleichzeitig an einer Hochschule oder Berufsakademie (s. o.) studieren. Somit machst du praktische Erfahrungen und lernst theoretisches Wissen auf akademischem Niveau.  

Das Wichtigste zum dualen Studium:

  • Erforderlicher Schulabschluss: mind. Fachabitur
  • Ausbildungsvergütung: festes monatliches Gehalt
  • Ausbildungsdauer: drei bis fünf Jahre

Das duale Studium beschränkt sich insbesondere auf die Bereiche Wirtschaft, Technik, Sozialwesen und öffentlicher Dienst, allerdings sind die Bewerbungsfristen häufig sehr weit im Voraus und die Bewerberzahlen hoch. Nicht nur für die Annahme zum dualen Studium, sondern auch für das erfolgreiche Absolvieren der drei bis fünf Jahre benötigst du viel Disziplin und Ehrgeiz.

Beispiele für duale Studiengänge:

  • Eventmanagement
  • Fitnessökonomie
  • Kommunaler Verwaltungsdienst
  • Polizeivollzugsdienst
  • Wirtschaftsinformatik

Besondere Ausbildungsformen und Angebote

Neben den hier aufgeführten klassischen Ausbildungsarten gibt es einige Besonderheiten und spezielle Angebote. So kannst du unter bestimmten Voraussetzungen deine Ausbildung verkürzen, ins Ausland gehen oder auch ganz ohne Schulabschluss trotzdem noch eine Ausbildung machen. Im Folgenden findest du alle Sonderfälle im Bereich Berufsausbildung.

  • Ausbildung im Ausland
    Selbstverständlich hast du immer die Möglichkeit, eine Ausbildung im Ausland zu machen, vorausgesetzt dein Schulschluss wird dort anerkannt und du erfüllst die Bedingungen zum längeren Aufenthalt (Visa, Sprachkenntnisse usw.). Leider ist es nicht besonders leicht, im Ausland einen Ausbildungsplatz zu finden und es kann dir zudem passieren, dass dein Berufsabschluss nach deiner Rückkehr nicht anerkannt wird. Eine gute Alternative ist dann ein Auslandsaufenthalt (z. B. Praktika) im Rahmen deiner Ausbildung in Deutschland.
  • Ausbildung in Teilzeit
    Die Ausbildung in Teilzeit ermöglicht Berufstätigen oder anderweitig bereits eingebundenen dennoch eine qualifizierte duale Ausbildung in allen Berufen zu machen. Dabei wird lediglich die Zeit im Betrieb verkürzt, die Zeit in der Berufsschule bleibt dieselbe. Insgesamt kann die Ausbildung auf 20 Stunden in der Woche reduziert werden, wodurch sich die Ausbildungsdauer um ein halbes Jahr verlängert.
  • Ausbildung ohne Schulabschluss
    Selbstverständlich hast du auch ohne Schulschluss die Möglichkeit, eine Berufsausbildung zu machen. Allerdings musst du entweder deinen Schulschluss im Rahmen der Ausbildung nachholen, ausreichend praktische Erfahrungen sammeln, Ausbildungsvorbereitende Maßnahmen leisten oder einen Ausbildungsbetrieb finden, der dich ohne Schulabschluss einstellt.
  • Ausbildung ohne Berufsschule
    In Deutschland gibt es einige Berufe, die ohne den Besuch einer Berufsschule erlernt werden können, wie die des Yoga-Lehrers. Diese sind dann nicht so lang wie eine duale Ausbildung und werden meist in Form von Lehrgängen und Wochenendseminaren angeboten. Voraussetzungen, Ablauf und Prüfungen unterscheiden sich in den Branchen und Berufen ohne Schulpflicht stark.
  • Praxisintegrierte Ausbildung PiA
    Die praxisintegrierte Ausbildung zum Erzieher sieht einen starken Praxisbezug vor, während das theoretische Wissen in einer Berufsschule vermittelt wird. Im Gegensatz zur dualen Ausbildung ist PiA gemäß des Berufsbildungsgesetzes der Fachschule zuzuordnen und nicht dem Ausbildungsbetrieb. Die Ausbildung dauert drei Jahre, in denen praktische und theoretische Inhalte eng miteinander verbunden sind und in einem ausgewogenen Wechsel vermittelt werden.
  • Staatlich nicht-anerkannte Ausbildungen
    Es gibt einige Berufe, die entweder so selten sind, dass es bisher keine offizielle Berufsausbildung für die Tätigkeit gibt oder sie sprechen ein völlig neues Berufsfeld an. Auf der anderen Seite gibt es Berufe, die veraltet sind und daher keiner Ausbildungsordnung mehr haben, aber dennoch in wenigen Betrieben aufgrund des Bedarfs ausgebildet werden wie der Beruf des Schriftsetzers.
  • Überbetriebliche Ausbildung
    Die überbetriebliche Ausbildung stellt eine weitere besondere Variante dar, denn hier wird eine klassische duale Ausbildung durch die Erweiterung auf andere Betriebe ergänzt. Das heißt, dass dein Ausbildungsbetrieb etwa nicht die Möglichkeit hat, dich in einem ausbildungsrelevanten Bereich zu schulen. Dafür kannst du dann in ein anderes Unternehmen gehen und dir überbetrieblich in Schulungen oder Werkstätten fehlendes Wissen aneignen.
  • Verkürzte Ausbildung
    Unter bestimmten Bedingungen kannst du deine Ausbildung um maximal eineinhalb Jahre verkürzen. Zur Bewilligung des Antrags auf Verkürzung der Ausbildung musst du entweder erste Berufserfahrung, sehr gute Leistungen, eine vorausgegangene Ausbildung oder spezielle schulische Vorbildung nachweisen. Den Antrag stellst du am besten bereits vor Vertragsabschluss deiner Berufsausbildung.

Falls du gedacht hast, dass es in Deutschland lediglich die Möglichkeit gibt, entweder ein Studium oder eine klassische Ausbildung zu absolvieren, wurdest du bei uns nun aufgeklärt. Die verschiedenen Ausbildungsarten unterschieden sich in ihren Voraussetzungen, dem Ablauf und den Konditionen stark voneinander, sodass du hier gewiss eine Ausbildungsvariante findest, die genau zu deinen Anforderungen und Wünschen passt.