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Ausbildung im Ausland: Wege zum beruflichen Auslandsaufenthalt

Lillia Seifert am 31.08.2021
ca. 1505 Worte
ungefähre Lesezeit 5 Minuten 28 Sekunden
Ausbildung im Ausland: Wege zum beruflichen Auslandsaufenthalt
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Inhalt:
  1. Kann man für eine Ausbildung einfach ins Ausland gehen?
  2. Die ganze Ausbildung im Ausland absolvieren
    1. Option 1: Ausbildung in den Niederlanden
    2. Option 2: Ausbildung in Österreich und der Schweiz
    3. Option 3: Ausbildung in Frankreich, Luxemburg und Belgien
    4. Option 4: Ausbildung in Dänemark
    5. Option 5: Ausbildung in der Tschechischen Republik und Polen
    6. Option 6: Ausbildung in Spanien
  3. Auslandsaufenthalt während der Ausbildung
  4. Förderprogramme für Auszubildende im Ausland
    1. Erasmus+
  5. Alternativen zur Ausbildung im Ausland

Sobald du deine Schule beendet hast, stellst du dir spätestens die Frage, in welchem Beruf du in Zukunft arbeiten möchtest. Vielleicht träumst du schon lange davon, ins Ausland zu gehen, um eine Ausbildung zu machen, aber glaubst, dass dies gar nicht möglich ist? Die meisten jungen Erwachsenen wissen nicht einmal, welche Möglichkeiten ihnen offen stehen, die Berufsausbildung mit einem Auslandsaufenthalt zu kombinieren. Bei uns erfährst du, wie du deinen Wunsch nach Reisen mit der gleichzeitigen Notwendigkeit der beruflichen Bildung vereinen kannst.

Kann man für eine Ausbildung einfach ins Ausland gehen?

Dir ist bereits klar, dass du eine Ausbildung machen und deiner Leidenschaft für das Reisen nachgehen möchtest? Dann bist du hier genau richtig. Der Weg zur abgeschlossenen Berufsausbildung ist in Deutschland relativ einfach, denn du kannst in seltenen Fällen sogar ohne Schulabschluss, aber insbesondere mit einem Hauptschul- oder Realschulabschluss aus über 360 staatlich anerkannten Ausbildungsberufen wählen.

Wenn dir eine einfache Ausbildung in Deutschland jedoch nicht reicht, sondern du andere Länder und Kulturen kennenlernen möchtest, kannst du dies mit einer Ausbildung im Ausland tun. Allerdings stehst du hier vor einigen Hürden wie der Sprache im Zielland und dem Ausbildungssystem. Lediglich in wenigen Ländern lässt sich von einem gleichgestellten System der Berufsausbildung sprechen.

Der einfachere Weg, das Reisen mit der Ausbildung zu kombinieren, ist es, eine Berufsausbildung in Deutschland zu beginnen und während der Ausbildung für eine gewisse Zeit einen Aufenthalt im Ausland zu planen. So stellst du sicher, dass deine Berufsausbildung anerkannt wird und kannst dennoch für einen gewissen Zeitraum ins Ausland gehen.

Im Folgenden stellen wir dir beide Wege vor und zeigen dir alle Möglichkeiten und Länder auf, in denen du deine Ausbildung absolvieren kannst.

Die ganze Ausbildung im Ausland absolvieren

Grundsätzlich empfehlen wir dir bei einem Wunsch nach einer Ausbildung im Ausland, dich auf die Nachbarländer von Deutschland zu konzentrieren. Hier hast du den Vorteil, dass es häufig Abkommen gibt, die sicherstellen, dass dein im Ausland erworbener Berufsabschluss in Deutschland anerkannt wird. Falls du bereits weißt, dass du vielleicht gar nicht zurück nach Deutschland kommen möchtest, kannst du aufgrund der Abkommen fast überall auf der Welt einen Beruf erlernen. In den USA und einigen anderen Ländern musst du jedoch mit Schulgeldern und erschwerten Zugangsbedingungen rechnen.

Grundsätzlich kannst du als deutscher Staatsbürger eine Berufsausbildung in einem der Nachbarländer absolvieren und gerätst dabei in keinen Konflikt, solltest du nach deiner Ausbildung zurückkehren und nach einem festen Job in deinem Beruf suchen. Informieren kannst du dich zum Thema Ausbildung im Ausland immer bei der zentralen Auslands- und Fachvermittlung der Agentur für Arbeit.

Diese Möglichkeiten zur Ausbildung hast du in deutschen Nachbarländern:

Option 1: Ausbildung in den Niederlanden

Im Nachbarland Holland bzw. den Niederlanden wird zwischen vier Ebenen der Ausbildung unterscheiden. Dabei sind Level 3 und 4 mit dem deutschen Ausbildungssystem gleichzusetzen. Interessanterweise hat die duale Ausbildung in den Niederlanden längst keinen so hohen Stellenwert wie die schulische Ausbildung in einem der großen Bildungszentren des Landes. Du kannst in den Niederlanden bis zum 18. Lebensjahr eine Ausbildung ohne Gebühren absolvieren, allerdings kannst du dich natürlich auch über eventuelle Förderungen informieren.

Option 2: Ausbildung in Österreich und der Schweiz

Wie bereits erwähnt, hast du in der Schweiz und auch in Österreich sehr ähnliche Möglichkeiten der dualen Ausbildung wie in Deutschland. Außerdem hast du während deiner Ausbildung in einem der Länder vermutlich wenig Sprachprobleme und musst keine Angst haben, dass dein Berufsabschluss nach deiner Rückkehr nicht anerkannt wird.

In der Schweiz wirst du in deiner Berufsausbildung neben dem Ausbildungsbetrieb und der Berufsfachschule auch in einem überbetrieblichen Kurzentrum unterrichtet. Dabei ist ein Schulabschluss nach neun Jahren Unterricht allerdings verpflichtend. Auch in der Schweiz ähnelt das Ausbildungssystem der deutschen dualen Ausbildung sehr, denn die Lehre erfolgt gleichermaßen im Lehrbetrieb und in der Berufsschule.

Option 3: Ausbildung in Frankreich, Luxemburg und Belgien

Die drei Nachbarländer Frankreich, Luxemburg und Belgien lassen sich gut zusammenfassen, da dort überall Französisch gesprochen wird und das Ausbildungssystem ebenso eine schulische wie eine duale Ausbildung im Angebot hat. In Deutschland gibt es aufgrund der positiven Beziehung zum Nachbarland Frankreich eine Gesellenvereinigung „Compagnons du Devoir“, die Ausbildungen im Bereich Handwerk vermittelt. Somit kannst du ganz einfach aus Deutschland in Frankreich etwa einen Ausbildungsplatz im handwerklichen Bereich finden, der ohne Probleme auch hier staatliche Anerkennung findet.

Option 4: Ausbildung in Dänemark

Dänemark ist als weiteres Nachbarland schnell zu erreichen und verspricht auch für junge Deutsche ein gutes Ausbildungsangebot. Im Internet findest du viele Ausbildungsstellen in Dänemark, insbesondere aus der technischen und handwerklichen Branche, aber auch im Bereich Verkauf werden Suchende schnell fündig.
Die Ausbildung in Dänemark basiert wieder auf einem dualen System, in dem sich schulische und betriebliche Phasen abwechseln. Der deutliche Vorteil einer Berufsausbildung in Dänemark sind die überdurchschnittlich guten Ausbildungsgehälter. Außerdem hast du nach deiner Ausbildung den Vorteil, dass der Abschluss in Deutschland mit Sicherheit anerkannt wird.

Option 5: Ausbildung in der Tschechischen Republik und Polen

Im Nachbarland Polen sowie in der Tschechischen Republik gibt es ein weit unterschätztes Bildungsangebot. In Polen ist das Ausbildungsangebot allerdings deutlich theoretischer, denn hier verbringen Auszubildende 50 Prozent ihrer Zeit in der Schule und die andere Hälfte im Ausbildungsbetrieb.

In der Tschechischen Republik hingegen gibt es kein regelrechtes Ausbildungssystem, sondern vielmehr ein großes Angebot an Weiterbildungen und Kursen, die von privaten bis staatlich anerkannten Bildungseinrichtungen angeboten werden. Grundsätzlich ist ein staatlich verifizierter Weiterbildungsträger die beste Wahl, falls du über eine Ausbildung in Tschechien nachdenkst.

Option 6: Ausbildung in Spanien

Spanien ist zwar kein direktes Nachbarland von Deutschland, allerdings müssen wir es hier dennoch auflisten, denn in Madrid gibt es die FEDA – eine deutsche Auslandsberufsschule. Die Schule bietet eine duale Berufsausbildung nach deutschem System in renommierten Unternehmen wie Siemens und Mercedes-Benz.

Damit bietet sie den Auszubildenden ein sehr hohes Bildungsniveau. Hier werden Theorie und Praxis miteinander kombiniert, ebenso wie du es vermutlich aus betrieblichen Ausbildungen hier in Deutschland kennst. Inzwischen wurde die Schule durch einen „Business Club“ ergänzt, der Auszubildenden durch Webinare, Kurse und Vorlesungen einmalige Einblicke in den Bereichen Industrie, Transport und Logistik, Handel, Hotellerie und Mechatronik bietet.

Auslandsaufenthalt während der Ausbildung

Die einfachste Möglichkeit, wie du eine solide Berufsausbildung absolvieren und dennoch eine gewisse Zeit im Ausland verbringen kannst, ist die Wahl eines internationalen Betriebes. Insbesondere größere Konzerne und Unternehmen haben häufig Niederlassungen im Ausland, sodass du hier die besten Voraussetzungen für einen Auslandsaufenthalt im Rahmen deiner Lehre hast. Eventuell kannst du sogar nach Abschluss deiner Ausbildung eine feste Stelle in einer ausländischen Niederlassung antreten.

Allerdings spielt nicht nur der Ausbildungsbetrieb eine entscheidende Rolle in deiner Chance auf einen Auslandsaufenthalt, sondern ebenso dein angestrebter Ausbildungsberuf. Einige Branchen sind dabei deutlich häufiger international ausgerichtet.   

Hier eine Liste der Ausbildungsberufe mit großen Chancen auf einen Aufenthalt im Ausland:

  • Industriekaufmann
  • Euro-Korrespondent
  • Fremdsprachenkorrespondent
  • Kaufmann für Spedition
  • Hotelfachmann
  • Kaufmann für Tourismus und Freizeit
  • Hafenschiffer
  • Flugbegleiter
  • Fotograf
  • Kaufmännischer Assistent Fremdsprache
  • Europasekretär

Neben den hier aufgelisteten Berufen gibt es natürlich noch eine Reihe weiterer Ausbildungen, in denen du einen Aufenthalt oder sogar eine zeitweise Versetzung ins Ausland machen kannst. Du solltest dich vor der Bewerbungsphase früh genug über mögliche Unternehmen, Berufe und Ausbildungsangebote informieren. Falls du unsicher bist, äußere in deiner Bewerbung bei verschiedenen Betrieben einfach deinen Wunsch nach einem Auslandsaufenthalt oder erkundige dich im Vorhinein.  

Förderprogramme für Auszubildende im Ausland

Selbstverständlich gibt es für Auszubildende und Studierende verschiedene Förderprogramme zur Ermöglichung eines Auslandsaufenthalts. Das ist insbesondere für diejenigen interessant, die familiär nicht die finanziellen Möglichkeiten haben, von ihren Eltern bezüglich eines Aufenthaltes im Ausland unterstützt zu werden.

Dieses Förderprogramm gibt es speziell für Auszubildende:

Erasmus+

Das Förderprogramm Erasmus+ ist ein EU-Programm, welches allgemeine und berufliche Bildung, Jugend und Sport in Europa fördert und finanziell beim Erwerb interkultureller Kompetenzen unterstützt. So kannst du beispielsweise einen Teil deiner Ausbildung in Frankreich absolvieren, ein Praktikum in Österreich machen, an einer Fortbildung in Schweden oder einer Weiterbildung in Polen teilnehmen.

Des Weiteren kannst du dich bei der Informations- und Beratungsstelle für Auslandsaufenthalte in der beruflichen Bildung (IBS) kostenlos über berufliche Auslandsaufenthalte auf der ganzen Welt informieren. Als zentrale Serviceeinrichtung arbeitet die IBS im Auftrag und mit finanzieller Förderung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF). Alle Angebote finden sich in einer Datenbank, sodass du bei fast jeder Frage und allen Anliegen hier sehr gut beraten bist.

Alternativen zur Ausbildung im Ausland

Falls die oben genannten Möglichkeiten nicht für dich infrage kommen oder du einen Beruf erlernen möchtest, bei dem sich ein Aufenthalt im Ausland nicht mit der Lehre kombinieren lässt, hast du weitere Möglichkeiten, dennoch andere Kulturen und Länder kennenzulernen.

Das sind die besten Alternativen zum Auslandsaufenthalt in der Ausbildung:

  • Auslandspraktikum
  • Work and Travel
  • Au-Pair
  • Volunteering
  • Sprachreise

Als Auszubildender im Ausland zu lernen ist für viele ein Traum. Mit der richtigen Planung und finanziellen Unterstützung kannst du deine Ausbildung in einem Land deiner Wahl absolvieren oder gehst nur für eine gewisse Zeit deiner Ausbildung ins Ausland. Alle Möglichkeiten, die du in Bezug auf Reisen und eine Berufsausbildung in Deutschland hast, haben wir dir hier aufgezeigt. Ebenso haben wir dir einige Anlaufstellen genannt, bei denen du dich explizit zu allen Themen rund um Ausbildung und Ausland informieren kannst. Wir wünschen dir viel Erfolg bei der Planung und besonders viel Freude am Auslandsaufenthalt.