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Welche Förderungen, Zuschüsse & Vergünstigungen gibt es für Azubis?

Anastasia Johlen am 21.01.2022
ca. 1795 Worte
ungefähre Lesezeit 6 Minuten 31 Sekunden
Welche Förderungen, Zuschüsse & Vergünstigungen gibt es für Azubis?
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Inhalt:
  1. Welche staatlichen Förderungen gibt es für Azubis?
    1. Berufsausbildungsbeihilfe: Voraussetzungen und Höhe der Förderung
      1. Voraussetzung für Berufsausbildungsbeihilfe
    2. BAföG in der Ausbildung
    3. Wohngeld in der Ausbildung: Miete finanzieren als Azubi
    4. Kindergeld in der Ausbildung
    5. Stipendium in der Ausbildung: Auslandsaufenthalt als Azubi
    6. Bildungskredit in der Ausbildung
  2. Geld sparen mit Vergünstigungen als Auszubildender
    1. Azubiausweis als Eintrittskarte für Vergünstigungen
  3. Rabatte und Ermäßigungen mit der AzubiCard bei IHK-Berufen
    1. Wo bekommst du die AzubiCard?
  4. Spartipp für Bahnfahrten: My BahnCard für junge Leute
    1. Vergünstigung für Zugfahrten im Überblick
  5. Ausbildungskosten von der Steuer absetzen: So holst du Geld über die Steuer zurück!
    1. Steuern absetzen in der Erstausbildung
    2. Steuern absetzen in der Zweitausbildung
    3. Fahrtkosten während der Ausbildung von der Steuer absetzen

Absolvierst du eine duale Ausbildung, verdienst du bereits dein erstes Geld, doch häufig ist die Ausbildungsvergütung eher dürftig. Bei einer schulischen Ausbildung ist die finanzielle Situation häufig noch schwieriger, immerhin müssen Auszubildende da oft noch drauf zahlen. Als junger Mensch ist es gar nicht so einfach die monatlichen Kosten zu stemmen: Miete, Smartphone, Essen und Kosten für Freizeit und Kleidung gehen ganz schön ins Geld.

Doch aufgepasst! Es gibt staatliche Förderungen für Auszubildende, Vergünstigungen sowie Zuschüsse extra für Auszubildende! In diesem Artikel erfährst du alles, rund ums Geld sparen in der Ausbildung und wie du deine finanzielle Situation bessern kannst.

Welche staatlichen Förderungen gibt es für Azubis?

Nicht jeder junge Mensch verdient direkt zu Beginn seines Berufseinstiegs genug Geld, um die Kosten für den Lebensunterhalt eigenständig zu decken. Und auch viele Eltern können ihre Kinder gar nicht oder nicht ausreichend finanziell unterstützen. Deshalb gibt es staatliche Förderungen, die jungen Menschen unter die Arme greifen.

Du hast bestimmt schon mal von staatlichen Fördermitteln gehört, oder? Ganz genau, hiermit sind zum Beispiel die Berufsausbildungsbeihilfe, BAföG, Wohngeld und auch das Kindergeld gemeint. Es gibt viele Möglichkeiten, wie du deine finanzielle Situation während der Ausbildung ändern und bessern kannst. Je nach Förderung musst du dafür verschieden Voraussetzungen erfüllen.

Berufsausbildungsbeihilfe: Voraussetzungen und Höhe der Förderung

Wird es mit deinem Ausbildungsgehalt eng, hast du im Grunde einen Anspruch auf Berufsausbildungsbeihilfe (BAB). Voraussetzung für diese staatliche Förderung ist unter anderem, dass du eine duale Ausbildung absolvierst. Bei einer schulischen Ausbildung besteht für dich kein Anspruch auf BAB. Es gibt noch andere Voraussetzungen, die du für die BAB erfüllen musst.

Voraussetzung für Berufsausbildungsbeihilfe

  • Über 18 Jahre, verheiratet oder mit Partner/in zusammenleben
  • mindestens ein Kind und nicht im Elternhaus lebend
  • über 18 Jahre wohnhaft in Elternhausnähe
  • Ausbildungsbetrieb ist vom Elternhaus zu weit entfernt, weshalb ein Umzug in die Nähe stattfindet

Der monatliche Höchstsatz liegt seit August 2020 bei 723 Euro. Wie viel BAB du im Monat tatsächlich erhältst, hängt von dem Verdienst deiner Eltern oder deines Partners/ deiner Partnerin ab. Die Berufsausbildungsbeihilfe musst du nicht zurückzahlen.

Möchtest du genauere Informationen über die Berufsausbildungsbeihilfe erfahren? Dann schau doch mal hier auf unserem Partnerportal ausbildungsstellen.de im Artikel: Berufsausbildungsbeihilfe: Hast du einen Anspruch?

BAföG in der Ausbildung

Vielleicht hast du schon von dem Bundesausbildungsförderungsgesetz, kurz BAföG, gehört und gedacht, dass du in der Ausbildung keinen Anspruch darauf hast? Falsch gedacht, denn wenn du eine schulische Ausbildung absolvierst, hast du Anspruch auf BAföG.

Wie hoch deine BAföG-Förderung ausfällt, wird individuell geprüft und hängt unter anderem grundsätzlich vom Einkommen deiner Eltern oder deines Partners/deiner Partnerin ab. Der Höchstsatz liegt bei 752 Euro im Monat. Die tatsächliche BAföG-Summe ist auch abhängig davon, ob du eine schulische Ausbildung oder ein Studium absolvierst.

Am besten stellst du einen Antrag für BAföG und gibst alle Angaben vollständig an, das BAföG-Amt prüft alle möglichen Optionen der Förderung und wird dir Bescheid geben, ob du einen Anspruch hast und wie hoch die monatliche Summe ist.

Wohngeld in der Ausbildung: Miete finanzieren als Azubi

Einige Förderungen erhältst du nur, wenn keine andere finanzielle Unterstützung durch den Staat stattfindet. Erhältst du also zum Beispiel keine Berufsausbildungsbeihilfe, weil du eine schulische Ausbildung absolvierst, kannst du Wohngeld beantragen. Hierbei handelt es sich um eine finanzielle Unterstützung für die Miete.

Für den Antrag brauchst du den Ablehnungsbescheid für die BAB und einen Nachweis, dass du nicht mehr bei deinen Eltern wohnst und für die Miete der Wohnung aufkommst. Welche Nachweise die Behörden tatsächlich brauchen, erfragst du am besten direkt bei den lokalen Behörden für Wohngeld.

Kindergeld in der Ausbildung

Bist du bei deiner ersten Ausbildung unter 25 Jahre, erhalten deine Eltern für dich weiterhin Kindergeld. Das Kindergeld ist auch dafür gedacht, dich während deiner Ausbildung finanziell zu unterstützen, weshalb du deine Eltern danach fragen solltest.

Wie hoch das Kindergeld ausfällt, hängt davon ab, ob du Geschwister hast und ob du das erste, zweite oder dritte Kind bist. Eltern erhalten für die ersten beiden Kinder im Monat 219 Euro Kindergeld, für das dritte Kind gibt es 225 Euro und je 250 Euro ab dem vierten Kind.

Je nachdem, wie viele Geschwister du hast und an welcher Stelle du geboren bist, kann sich die Höhe deines Kindergelds unterscheiden. Kindergeld wird nur für Kinder und junge Erwachsene ausgezahlt, die unter 25 Jahre alt sind. Wohnst du also nicht mehr Zuhause und bist noch unter 25 Jahre, kannst du das Kindergeld von deinen Eltern einfordern.

Unterstützen deine Eltern dich nicht mit dem Kindergeld, obwohl es dir zusteht, solltest du beim zuständigen Amt einen Antrag stellen, und dir das Kindergeld auf dein Konto überweisen lassen.

Stipendium in der Ausbildung: Auslandsaufenthalt als Azubi

Möchtest du während deiner Ausbildung Erfahrung im Ausland sammeln, gibt es auch für diesen Fall staatliche Unterstützung, aber auch private und internationale Förderprogramme. Für diese finanzielle Unterstützung musst du Eigeninitiative beweisen und mit einem Motivationsschreiben begründen, weshalb du für das Stipendium geeignet bist.

Bekannte Förderprogramme für Auszubildende mit Auslandsaufenthalt sind das Hermann-Strenger-Stipendium und die Leonardo da Vinci Mobilität. Erkundige dich doch am besten bei deinem Ausbildungsbetrieb oder einem Ansprechpartner, welche Möglichkeiten du hast.

Bildungskredit in der Ausbildung

Trotz staatlicher Förderungen kann es vorkommen, dass du mit deinem Geld nicht über die Runden kommst. Oder wurden deine Förderungsanträge alle abgelehnt? Dann bleibt dir als weitere Option die Aufnahme von einem Kredit. Du kannst einen Kredit bei der Bank aufnehmen oder, insofern du die Voraussetzungen erfüllst, den Bildungskredit der KfW beanspruchen.

Die KfW vergibt den sogenannten Bildungskredit an junge Menschen, die Ihre Ausbildung aufgrund von finanzieller Nöte nicht gefährden sollen. Der Bildungskredit ist für Azubis gedacht, die kurz vorm Abschluss ihrer Ausbildung stehen- genauer gesagt in den letzten 2 Jahren vor Ausbildungsabschluss. Für die Bewilligung dieses Kredits musst du unter anderem mindestens 18 Jahre alt sein und darfst nicht älter als 36 Jahre sein.

Dieser Kredit ist flexibel anpassbar und steht in keiner Abhängigkeit zu deinem Einkommen oder dem Verdienst deiner Eltern. Also probiere es doch und beantrage den Bildungskredit. Genauere Informationen erhältst du bei der Bank oder deiner Ausbildungsstätte.

Geld sparen mit Vergünstigungen als Auszubildender

Neben Förderungen können auch Vergünstigungen und Spartipps dabei helfen, dass du am Ende des Monats mehr Geld zur Verfügung hast und nicht jeden Cent dreimal umdrehen musst.

Der Umgang mit Geld muss gelernt sein, nicht jeder kann sein Geld gut organisieren. Besonders, wenn man das erste Mal alleine auf den Beinen steht, kann es zu Beginn erdrückend sein. Überall nur Kosten, Preise und Zahlungen. Deshalb ist für junge Menschen nützlich spezielle Angebote und Vergünstigungen in Anspruch zu nehmen.

Azubiausweis als Eintrittskarte für Vergünstigungen

Viele Preise für Freizeitangebot fallen für Auszubildende günstiger aus, hierfür benötigst du aber einen Nachweis, dass du auch wirklich ein Azubi bist. Deshalb solltest du dir von deiner Berufsschule einen Schülerausweis ausstellen lassen.

Mit diesem sparst du in vielen Einrichtungen oftmals bis zu 50 Prozent des Eintrittspreises. Außerdem kannst du dadurch auch im öffentlichen Nahverkehr Rabatte nutzen.

Rabatte und Ermäßigungen mit der AzubiCard bei IHK-Berufen

Bist du in einer Ausbildung für IHK-Berufen (Berufen der Industrie- und Handelskammer) kannst du entweder deutschlandweit oder in der Region deiner IHK Ermäßigungen erhalten. Wo du welche Rabatte oder Ermäßigungen tatsächlich bekommst, hängt von verschiedenen Faktoren ab.

Auf der IHK-Webseite kannst du nach deiner Industrie- und Handelskammer suchen und prüfen, bei welchen Anbietern du Ermäßigungen erhältst. Du kannst mit der AzubiCard bei Angeboten rund um Kultur, Freizeit, Shopping, Reisen, Sport und Elektronik bares Geld sparen.

Wo bekommst du die AzubiCard?

Absolvierst du eine Ausbildung in einem IHK-Beruf, bekommst du in der Regel die IHK-AzubiCard automatisch zugeschickt, sobald du den Ausbildungsvertrag unterschrieben hast. Noch nehmen nicht alle Industrie- und Handelskammern an dem Programm teil, weshalb du dich ruhig bei deiner IHK erkundigen kannst. Weiterhin solltest du nachfragen, ob deine IHK-AzubiCard für ganz Deutschland oder deine Region gilt.

Spartipp für Bahnfahrten: My BahnCard für junge Leute

Es existiert zwar keine spezielle BahnCard für Azubis, aber es gibt ein Angebot, dass sich an Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 6 und 26 Jahren richtet. Mit der MY BahnCard kannst du bares Geld sparen und hast dabei die gleichen Vorteile wie bei der klassischen BahnCard.

Du sparst zum Beispiel mit der My BahnCard 25 jeweils 25 Prozent des Flex- und Sparpreises und mit der My BahnCard 50 sogar 50 Prozent des Flexpreises. Du erhältst die My BahnCard 25 bereits für nur 39 Euro im Jahr. Diese Vergünstigung bietet sich insbesondere an, wenn du viel mit der Bahn unterwegs ist.

Vergünstigung für Zugfahrten im Überblick

  • My BahnCard 25 in der 2. Klasse für 39 Euro/Jahr
  • My Bahn Card 25 in der 1. Klasse für 81 Euro/Jahr
  • My BahnCarf 50 in der 2. Klasse für 69 Euro/Jahr
  • My BahnCard 50 in der 1. Klasse für 252 Euro/Jahr

Ausbildungskosten von der Steuer absetzen: So holst du Geld über die Steuer zurück!

Du hast richtig gelesen, auch als Auszubildender kannst du im Grunde deine Ausbildungskosten von der Steuer absetzen. Dafür musst du bestimmte Voraussetzungen erfüllen. So hängt deine steuerliche Situation davon ab, ob du dich in der Erst- oder Zweitausbildung befindest.

Steuern absetzen in der Erstausbildung

Als Erstausbildung gilt die Ausbildung, die du direkt nach deiner Schulzeit begonnen hast, unabhängig davon, ob du eine duale Ausbildung oder ein Studium beginnst. Erhältst du während deiner Erstausbildung kein Geld, kannst du maximal 6.000 Euro deiner Ausbildungskosten als Sonderausgaben absetzen. Verdienst du hingegen Geld und hast ein Einkommen, befindest du dich in einem sogenannten Dienstverhältnis und darfst all deine Ausbildungskosten in vollem Umfang als Werbungskosten von der Steuer absetzen. Dies ist bei der dualen Ausbildung in Deutschland in der Regel der Fall.

Steuern absetzen in der Zweitausbildung

Befindest du dich in einer Zweitausbildung, darfst du deine Ausbildungskosten in voller Höhe als Werbungskosten absetzen. Für negative Einkünfte ist dabei ein sogenannter Verlustvortrag möglich – du kannst deine Verluste mit ins Folgejahr nehmen.

Fahrtkosten während der Ausbildung von der Steuer absetzen

Fahrtkosten zur Berufsschule oder zu deinem Ausbildungsbetrieb kannst du steuerlich absetzen. Doch beachte hierbei, dass du nur einen Ort als erste Tätigkeitsstätte angeben kannst, das ist in der Regel bei einer dualen Ausbildung die Ausbildungsbetriebsstätte. Machst du eine schulische Ausbildung ist es wohl eher die Berufsschule.

Für das Absetzen der Fahrtkosten nutzt du die Fahrtkostenpauschale oder auch Pendlerpauschale, die aktuell bei 0,30 Euro pro Kilometer für die einfache Distanz zwischen deiner Wohnung und deiner ersten Tätigkeitsstätte liegen. Seit dem 01, Januar 2021 ist die Pendlerpauschale neu geregelt und du bekommst ab dem 21. Kilometer Fahrtstrecke zur Arbeit 0,35 Euro pro Kilometer. Fahrten zur Berufsschule kannst du als Dienstreise absetzen.

Im besten Fall besprichst du deine Steuererklärung mit einem Steuerberater, der wird für dich die besten Möglichkeiten erkennen und deine Erklärung entsprechend abwickeln.

Wie du siehst, gibt es viele Möglichkeiten wie du während deiner Ausbildung finanzielle Unterstützung bekommst: sei es in Form von staatlicher Unterstützung oder Vergünstigungen durch verschiedene Anbieter. Halte deine Augen offen und deinen Ausbildungsausweis immer bereit, um keine Vergünstigung zu verpassen!