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Schulische Ausbildung: So läuft die Ausbildung an der Berufsfachschule ab

Christiane Peters am 03.05.2021
ca. 1328 Worte
ungefähre Lesezeit 4 Minuten 49 Sekunden
Schulische Ausbildung: So läuft die Ausbildung an der Berufsfachschule ab
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Inhalt:
  1. Was ist eine Berufsfachschule?
  2. Für wen ist die Berufsfachschule geeignet?
  3. Welche Berufe können in der Berufsfachschule erlernt werden?
  4. Staatlich oder privat: Welche Schule ist besser?
  5. Welche Aufnahmevoraussetzungen gibt es für die Berufsfachschule?
  6. Welche Abschlüsse sind an der Berufsfachschule zu erwerben?
  7. Wie finanziert man eine Ausbildung an der Berufsfachschule?
  8. Berufsfachschule: Ja oder nein?
    1. Vorteil 1: Verkürzte Ausbildungszeit
    2. Vorteil 2: Gutes theoretisches Fachwissen
    3. Vorteil 3: Intensiver Schulunterricht
    4. Vorteil 4: Weiterführende Qualifikationen
  9. Das sind die Nachteile
    1. Nachteil 1: Schulgeld
    2. Nachteil 2: Nicht anerkannte staatliche Abschlüsse
    3. Nachteil 3: Kein Verdienst
    4. Nachteil 4: Theoretischer Schwerpunkt

Der Schulabschluss ist in der Tasche: Was nun werden sich viele junge Menschen fragen? Welche Möglichkeiten stehen mir mit Hauptschulabschluss oder Mittlerer Reife überhaupt offen? Viele Wege führen zum Ziel: Ein anschließender Besuch des Gymnasiums mit dem Ziel Abitur ist eine Alternative. Eine andere ist der Beginn einer dualen Ausbildung mit praktischen und theoretischen Phasen, die im Betrieb und in der Berufsschule absolviert werden. Es gibt noch eine weitere Option: der Besuch der Berufsfachschule. Was ist das für eine Schulform? Welche Voraussetzungen sind zu erfüllen, um hier aufgenommen zu werden? Mit welchen Abschlüssen verlässt man die Schule?   

Was ist eine Berufsfachschule?

Eine Berufsfachschule ist nicht zu verwechseln mit der Berufsschule. Sie haben zwar eine Gemeinsamkeit: In beiden Einrichtungen geht es um die Ausbildung. Es gibt jedoch einen gravierenden Unterschied: Während die Berufsschule Bestandteil der dualen Ausbildung ist, wo theoretische und praktische Wissensvermittlung in Kombination im Fokus stehen, konzentriert sich die Berufsfachschule auf die rein schulische Ausbildung mit allgemein fachlichen sowie praktischen Lerninhalten.

Es gibt etwa 2500 Berufsfachschulen deutschlandweit, die in der Regel Vollzeitunterricht anbieten. Für die Aufnahme in der Berufsfachschule ist keine Berufsausbildung und auch keine berufliche Tätigkeit Voraussetzung.

Die Berufsfachschule verfolgt drei optionale Ziele:

  • Ausbildung: Die Schülerinnen und Schüler werden in die Lage versetzt, den Abschluss in einem anerkannten Ausbildungsberuf zu erreichen. Hier gilt jedoch eine Einschränkung: Die Berufsfachschule ist nicht für jede Ausbildung geeignet.
  • Weiterbildung: Die Absolventen werden befähigt, einen Teil der Berufsausbildung in einem oder auch mehreren anerkannten Ausbildungsberufen zu ersetzen.
  • Erwerb eines Schulabschlusses: Die Schüler können hier zu einem Berufsbildungsabschluss geführt werden, der ausschließlich in Schulen zu erwerben ist.

Für wen ist die Berufsfachschule geeignet?

Berufsfachschulen gelten als Alternative zur dualen Ausbildung. Junge Menschen, die eine duale Ausbildung absolvieren möchten, also eine Kombination aus praktischem Lernen im Betrieb und theoretischem Wissenserwerb in der Berufsschule, finden oftmals keinen Ausbildungsplatz in ihrem Wunschberuf. Über die Berufsfachschule haben sie die Möglichkeit, ausschließlich über die schulische Ausbildung ihren Weg ins Berufsleben zu gehen.

Die Berufsfachschule bietet etwa 130 schulische Ausbildungsgänge an. Sie sind der dualen Ausbildung gleichgestellt.

Welche Berufe können in der Berufsfachschule erlernt werden?

Das Spektrum an Ausbildungsberufen in der Berufsfachschule ist vielfältig. Schwerpunkte bilden Ausbildungen in der Gesundheits- und IT- sowie der Wirtschaftsbranche. Angebote gibt es auch in den Bereichen soziale und gestalterische Berufe.

Diese schulischen Ausbildungsberufe werden besonders häufig gewählt:

  • Soziale Berufe: Sozialassistent, Heilerziehungspfleger, Hauswirtschaftsassistent, Fachkraft für Pflegeassistenz
  • Berufe im Gesundheitswesen: Orthoptist, Physiotherapeut, Podologe, Ergotherapeut, Diätassistent, Notfallsanitäter, Krankenpfleger
  • Technische Berufe: Staatlich geprüfter Technischer Assistent für Informatik, Staatlich geprüfter Chemisch-technischer Assistent, staatlich geprüfter Technischer Assistent
  • Kaufmännische Berufe: Staatlich geprüfter kaufmännischer Assistent, Staatlich geprüfter Wirtschaftsinformatiker
  • Künstlerische Berufe: Schauspieler, Mediengestalter, Goldschmied

Staatlich oder privat: Welche Schule ist besser?

Die mehr als 100 Ausbildungsgänge an Berufsfachschulen können sowohl an staatlichen als auch an privaten Berufsfachschulen absolviert werden. Die zeitliche Dauer der schulischen Ausbildung variiert zwischen einem Jahr und drei Jahren. Außerdem gelten je nach Bundesland unterschiedliche Regelungen.

Das solltest du bei der Wahl der Berufsfachschule beachten:

  • Schulgeld: Wenn du dich für einen privaten Anbieter entscheidest, musst du für den Besuch Schulgeld bezahlen. Staatliche Einrichtungen bieten die Ausbildung hingegen kostenfrei an. Damit ist es letztendlich eine Frage deiner finanziellen Situation, die bei der Entscheidung für die ein oder andere Schule eine Rolle spielt.
  • Abschluss: Jeder Absolvent sollte darauf achten, dass er seine schulische Ausbildung mit einem staatlich anerkannten Abschluss beendet. Es gibt einige private Berufsfachschulen, deren Abschlüsse nicht in allen Bundesländern eine Anerkennung finden.  
  • Anerkennung: Abschlüsse, die nicht staatlich anerkannt sind, könnten sich zum Beispiel bei der Bewerbung in Unternehmen oder weiterführenden Schulen als problematisch erweisen und werden manchmal auch abgelehnt. Außerdem musst du damit rechnen, bei einer Beantragung von Fördermitteln wie BAföG leer auszugehen.

Welche Aufnahmevoraussetzungen gibt es für die Berufsfachschule?

Wer eine Berufsfachschule besuchen möchte, muss bestimmte Kriterien erfüllen. Diese differieren jedoch von Bundesland zu Bundesland, eine einheitliche Regelung gibt es nicht. Der geforderte Schulabschluss ist in der jeweiligen Ausbildungsordnung festgelegt. Fakt ist, nahezu alle Berufsfachschulen unterscheiden zwischen einer einjährigen, der sogenannten 1BFS und der zweijährigen Berufsfachschule (2BFS).

  • Für die einjährige Berufsfachschule reicht in der Regel ein Hauptschulabschluss aus. In vielen Schulen wird er gar nicht vorausgesetzt.
  • Wer die zweijährige Berufsfachschule absolvieren möchte, der muss zwingend über einen Hauptschulabschluss oder eine gleichwertige Qualifikation verfügen. Es kann auch ein Realschulabschluss notwendig sein.
  • Es gibt besondere Fachbereiche, für die zusätzliche Aufnahmekriterien zu erfüllen sind. Sie finden sich in der Schulordnung der jeweiligen Berufsfachschule.  

Welche Abschlüsse sind an der Berufsfachschule zu erwerben?

Ziel der Berufsfachschule ist es, auf die spätere duale Ausbildung vorzubereiten. Je nach Dauer der Ausbildung kannst du durch den Besuch der Berufsfachschule auch die Berufsschulpflicht verkürzen.
Diese Abschlüsse kannst du erwerben:

  • Nach einem Jahr Schulbesuch: Die einjährige Berufsfachschule dient der Erweiterung der Allgemeinbildung und vermittelt Wissen auf fachtheoretischem und fachpraktischem Gebiet im angestrebten Beruf. Sie endet nicht mit einem Abschluss, sondern dient der beruflichen Orientierung.
  • Nach zwei Jahren Schulbesuch: Du erhältst den sogenannten Fachschulabschluss, der der Mittleren Reife entspricht. Falls du danach eine Ausbildung in dem bereits absolvierten Fachbereich anstrebst, wird dir der Besuch der zweijährigen Berufsfachschule als erstes Ausbildungsjahr angerechnet.
  • Dieser Weg eignet sich besonders für Hauptschüler, deren Ziel der Erwerb des mittleren Abschlusses mit Konzentration auf eine berufliche Fachrichtung ist.  

Weitere schulische Möglichkeiten der zweijährigen Berufsfachschule:

  • Du bist nicht verpflichtet, nach den zwei Jahren Vollzeit Berufsfachschule in einen Ausbildungsbetrieb zu gehen. Als Alternative stehen dir der Besuch der weiterführenden Fachoberschule oder des beruflichen Gymnasiums offen.  
  • In einigen Bundesländern gibt es die zweijährige höhere Berufsfachschule. Wer diese erfolgreich absolviert, kann danach direkt in den Beruf einsteigen. Diese Ausbildung umfasst auch ein vierwöchiges Praktikum und steht der dualen Ausbildung in nichts nach.  

Wie finanziert man eine Ausbildung an der Berufsfachschule?

Im Gegensatz zur dualen Ausbildung bekommst du beim Besuch der Berufsfachschule keine Vergütung. Im Gegenteil – wenn du deine schulische Ausbildung auf einer privaten Schule absolvierst, musst du Schulgeld zahlen. Eine Ausnahme bilden die Pflegeberufe. Hier wird ein Ausbildungsentgelt gezahlt. Eine Möglichkeit zur Finanzierung ist eine staatliche Förderung durch das BAföG.  

Berufsfachschule: Ja oder nein?

Der Besuch der Berufsfachschule kann für dich ein interessanter Einstieg in den Beruf darstellen. Dennoch gibt es im Vergleich zur dualen Ausbildung auch einige Nachteile. Bevor du dich entscheidest, solltest du die Vor- und Nachteile für dich abwägen.

Das sind die Vorteile! Der Besuch der Berufsfachschule ist unter einigen Aspekten zu empfehlen und führt schneller zum Anschluss. Mit diesen 4 Vorteilen punktet die Berufsfachschule:   

Vorteil 1: Verkürzte Ausbildungszeit

Die Berufsausbildungszeit wird verkürzt. Das bedeutet, du steigst früher in den Beruf ein und verdienst eher Geld.

Vorteil 2: Gutes theoretisches Fachwissen

Du eignest dir während des Unterrichts sehr viel theoretisches Wissen an und erarbeitetest dir damit eine wichtige Basis für den beruflichen Alltag.   

Vorteil 3: Intensiver Schulunterricht

Der Vollzeitunterricht über ein Jahr oder zwei Jahre ist sehr fundiert und vermittelt wichtiges Wissen und Know-how.

Vorteil 4: Weiterführende Qualifikationen

Die erworbenen Qualifikationen können als Sprungbrett für weitere schulische Ausbildungen in weiterführenden Schulen oder direkt ins Berufsleben genutzt werden.

Das sind die Nachteile

Nicht für jeden jungen Menschen ist die Berufsfachschule die erste Wahl. Deshalb solltest du dich bei deiner Entscheidung auch über die nachteiligen Aspekte Gedanken machen.

Nachteil 1: Schulgeld

Der Besuch ist nicht immer kostenfrei, insbesondere private Anbieter verlangen eine Gebühr.

Nachteil 2: Nicht anerkannte staatliche Abschlüsse

Private Berufsfachschulen bieten nicht immer staatlich anerkannte Abschlüsse an.

Nachteil 3: Kein Verdienst

Anders als bei der dualen Ausbildung wird während der Vollzeitschule keine Ausbildungsvergütung gezahlt.

Nachteil 4: Theoretischer Schwerpunkt

Die schulische Ausbildung legt den Fokus auf inhaltliche Wissensvermittlung, der praktische Anteil ist geringer.

Als Berufseinsteiger ist es gar nicht so einfach, sich für den richtigen Weg in den Job zu entscheiden. Studium oder Beruf ist die eine Frage. Hat man sich für die Erlernung eines Ausbildungsberufs entschieden, dann gibt es jedoch auch nicht nur den einen Weg in den Wunschberuf. Neben der dualen Ausbildung ist in jedem Fall auch die schulische Ausbildung eine Option. Der Besuch der Berufsfachschule bietet Vorteile, hat jedoch auch Nachteile. Deshalb ist es eine Sache der Abwägung jedes Einzelnen. Die oben beschriebenen Aspekte stellen eine Orientierungshilfe dar und sollen die Entscheidung erleichtern.