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Elternunabhängiges BAföG: Was sind die Voraussetzungen?

Anastasia Johlen am 05.01.2022
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ungefähre Lesezeit 4 Minuten 5 Sekunden
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Inhalt:
  1. Was ist elternunabhängiges BAföG?
    1. Welchen Vorteil hat elternunabhängiges BAföG?
  2. Wer hat Anspruch auf elternunabhängiges BAföG?
    1. Welche Voraussetzungen musst du erfüllen?
  3. Elternunabhängiges BAföG für über 30-Jährige
    1. Sonderfalle BAföG über 30 bei
  4. Elternunabhängiges BAföG: fünf Jahre erwerbstätig vor Studienbeginn
  5. Elternunabhängiges BAföG: Vollwaise oder Aufenthaltsort der Eltern unbekannt
  6. Berufsausbildung und drei Jahre erwerbstätig: Anspruch auf elternunabhängiges BAföG
  7. Elternunabhängiges BAföG bei Abitur auf dem zweiten Bildungsweg
  8. Wie viel Geld bekommst du beim elternunabhängigen BAföG?
  9. Antrag für elternunabhängiges BAföG

Normalerweise ist das Einkommen der Eltern für den BAföG-Anspruch entscheidend, je mehr deine Eltern verdienen, desto weniger BAföG bekommst du oder es besteht gar kein Anspruch. Es gibt aber es auch Ausnahmefälle: Du kannst unter bestimmten Voraussetzungen auch elternunabhängiges BAföG beantragen. In diesem Fall ist nicht das Einkommen deiner Eltern ausschlaggebend, sondern dein Einkommen. Welche Voraussetzungen musst du für das elternunabhängige BAföG erfüllen? Wie kannst du dieses BAföG beantragen?

Was ist elternunabhängiges BAföG?

Generell sind die Eltern eines Auszubildenden oder Studenten unterhaltspflichtig: Die Realität sieht oftmals anders aus als die Theorie, viele Eltern können ihre Kinder während der Ausbildung finanziell kaum oder gar nicht unterstützen.

Das elternunabhängige BAföG kann unter bestimmten Voraussetzungen von dir beantragt werden. Nicht jeder kann sein Studium oder seine Ausbildung eigenständig finanzieren, haben dann die Eltern laut BAföG-Amt ein zu hohes Einkommen, wirst du das klassische BAföG nicht bekommen. Auch, wenn deine Eltern dich nicht finanziell unterstützen können.
Für diesen Fall erhältst du unter bestimmten Voraussetzungen elternunabhängiges BAföG. Es ist eine Möglichkeit während des Studiums trotz vermeintlich reicher Eltern finanzielle Unterstützung zu erhalten.

Welchen Vorteil hat elternunabhängiges BAföG?

Vorteilhaft ist, dass du mit einer hohen Förderung rechnen kannst, auch wenn deine Eltern gut verdienen. Elternunabhängiges BAföG wird, wie der Name schon vermuten lässt, nicht anhand deiner Eltern berechnet. Ausschlaggebend für die Berechnung sind nur dein eigenes Einkommen und dein Besitz.

Wer hat Anspruch auf elternunabhängiges BAföG?

Gemäß § 11 BAföG  gibt es fünf Fälle, bei denen das BAföG-Amt das Einkommen der Eltern nicht berücksichtigt. Grundlegend gilt jedoch, dass deine Eltern während deines Studiums unterhaltspflichtig sind.
Elternunabhängiges BAföG können Studenten eines Abendgymnasiums oder Kollegs, Studenten über 30 Jahre, Vollwaisen, Studenten nach mindestens fünfjähriger Erwerbstätigkeit vor Ausbildungsantritt oder nach drei Jahren berufsqualifzierender Ausbildung sowie anschließender dreijähriger Erwerbstätigkeit erhalten.

Welche Voraussetzungen musst du erfüllen?

Damit du das elternunabhängige BAföG beantragen kannst, musst du mindestens eine der folgenden Voraussetzungen erfüllen:

  • Du bist älter als 30 Jahre und erfüllst weitere Voraussetzungen
  • Du bist/warst 5 Jahre erwerbstätig
  • Du bist Halbwaise/Vollwaise
  • 3 Jahre Ausbildung und 3 Jahre erwerbstätig
  • Abitur auf dem zweiten Bildungsweg

Elternunabhängiges BAföG für über 30-Jährige

Bist du bereits älter als 30 Jahre besteht im Grunde ein Anspruch auf elternunabhängiges BAföG, das klassische BAföG kommt dann nicht in Frage. Die Förderung über 30 ist aber sehr selten und oft nur in absoluten Ausnahmefällen umsetzbar. Das Überschreiten der Altersgrenze von 30 Jahren ist generell kein Härtegrund oder Anlass für die Förderung.

Grundsätzlich erhältst du BAföG nur, wenn du bei Beginn deiner Ausbildung unter 30 Jahre alt bist und beim Master unter 35 Jahre. Bei bestimmten persönlichen oder familiären Ausnahmen, gilt diese Regelung nicht und es besteht der Anspruch auf elternunabhängiges BAföG, auch wenn du älter als 30 bist.

Sonderfalle BAföG über 30 bei

  • Krankheit oder Behinderung
  • Schwangerschaft
  • Betreuung von einem behinderten oder hilfsbedürftigen Kind
  • Erziehung von einem Kind unter 10 Jahren
  • Ablehnung im Auswahlverfahren
  • Bundeswehr (mind. verpflichtet für acht Jahre)

Elternunabhängiges BAföG: fünf Jahre erwerbstätig vor Studienbeginn

Hast du bereits fünf Jahre vor Studienbeginn gearbeitet, besteht ebenfalls ein Anspruch auf elternunabhängiges BAföG. Das gilt nur, wenn du zwischen deinem 18. Geburtstag und Studienbeginn gearbeitet hast. Dabei wird nicht jede Erwerbstätigkeit berücksichtigt und es gelten bestimmte Bedingungen.Das Gehalt deiner Erwerbstätigkeit muss mindestens 120 Prozent des geltenden Bedarfssattes für Studenten entsprochen haben.

  • Dein Lohn muss zur Deckung deines Lebensunterhalts ausgereicht haben.
  • Du musst nicht zwangsweise fünf Jahre am Stück gearbeitet haben.
  • Erwerbsformen Vollzeit, Teilzeit oder selbständige Arbeit gelten.
  • Die Teilzeitbeschäftigung neben einer Ausbildung zählt auch.
  • Nicht berücksichtig wird die Vergütung einer Ausbildung oder der Verdienst durch Ferienjobs.

Zusätzlich werden neben der Erwerbstätigkeit auch Tätigkeiten wie beispielsweise Weh- oder Zivildienst, freiwilliges soziales Jahr, gesetzlicher Mutterschutz und Arbeitsunfähigkeit aufgrund von Krankheit berücksichtigt. Somit können die Zeiten der „Erwerbstätigkeit“ auch anders als durch klassische Arbeitstätigkeiten erfüllt werden. Hast du vor deiner Erwerbstätigkeit bereits schon einmal studiert, zählt dies für das elternunabhängige BAföG nicht zu den fünf Jahren dazu.

Elternunabhängiges BAföG: Vollwaise oder Aufenthaltsort der Eltern unbekannt

Sind beide Elternteile verstorben und du Vollwaise, erhältst du selbstverständlich elternunabhängiges BAföG, hierbei ist jedoch zu beachten, dass die Waisenrente bzw. das Waisengeld als Einkommen gilt und bei Überschreitung des Freibetrags angerechnet wird. Ist der Aufenthaltsort deiner Eltern unbekannt und kann nicht ermittelt werden, besteht auch ein Anspruch auf elterngeldunabhängiges BAföG.

Berufsausbildung und drei Jahre erwerbstätig: Anspruch auf elternunabhängiges BAföG

Eine weitere Möglichkeit elternunabhängiges BAföG zu erhalten, ist, wenn du zuerst eine Berufsausbildung abgeschlossen hast und danach mindestens drei Jahre erwerbstätig warst. Damit kommst du insgesamt auf mindestens sechs Jahre vor Beginn deines Studiums.

Damit dein Anspruch besteht, musst du zuerst eine Berufsausbildung abgeschlossen haben und dann erwerbstätig sein. Am Ende darfst du aber nicht älter als 30 Jahre sein. Du bekommst elternunabhängiges BAföG nicht, wenn du lediglich eine Ausbildung absolvierst ohne die erforderliche Dauer der Erwerbstätigkeit im Anschluss.

Elternunabhängiges BAföG bei Abitur auf dem zweiten Bildungsweg

Du kannst die Allgemeine Hochschulreife, Abitur, nicht nur auf einem Gymnasium oder eine Gesamtschule machen, sondern auch auf einem Abendgymnasium oder einem Kolleg. Möchtest du also dein Abitur nachholen, kannst du elternunabhängiges BAföG für den zweiten Bildungsweg erhalten.

Erhältst du elternunabhängiges BAföG auf dem zweiten Bildungsweg, ist das keine Garantie, dass du auch das normale BAföG während des Studiums erhältst.

Wie viel Geld bekommst du beim elternunabhängigen BAföG?

Der Höchstsatz beim elternunabhängigen BAföG liegt, genau wie beim klassischen BAföG, bei 861 Euro pro Monat (Stand 2021), für Schüler sind es bis zu 832 Euro. Wie hoch deine Förderung genau ausfällt, hängt von deinen persönlichen Lebensverhältnissen ab. Das BAföG-Amt ermittelt für dich deinen ganz persönlichen Satz, aufgrund deiner Angaben im Antrag. Berücksichtig wird dafür dein Einkommen, Vermögen und Besitz sowie deine Ausgaben. Bei dem normalen BAföG-Antrag wird das Einkommen deiner Eltern berücksichtigt.

Grundsätzlich musst du elternunabhängiges BAföG zurückzahlen, dabei gelten die gleichen Regelungen wie zum Beispiel beim Studenten-BAföG.

Antrag für elternunabhängiges BAföG

Für elternunabhängiges BAföG gibt es keinen gesonderten Antrag, du kannst es also nicht ausdrücklich beantragen. Beantragst du also BAföG prüft das Amt automatisch anhand deines Lebenslaufs, Alters oder dem Erwerb der allgemeinen Hochschulreife auf dem zweiten Bildungswege, ob diese Variante des BAföGs in Frage kommt. Aus diesem Grund ist es sehr wichtig, dass du den Antrag vollständig und genau ausfüllst.

Füge immer Belege wie Zeugnisse, Lohnsteuerkarten und Bescheinigungen hinzu. Für persönliche Sonderfälle sind ärztliche Bescheinigungen und Nachweise hilfreich. Mittlerweile kann BAföG in wenigen Schritten ganz bequem online beantragt werden. Vorteilhaft beim online BAföG-Antrag ist, dass das Tool deinen Antrag direkt auf Vollständigkeit prüft. Viele Anträge sind unvollständig, dadurch verzögert sich die Auszahlung der Förderung erheblich.

Wie du siehst, besteht auch die Möglichkeit unabhängig von deinen Eltern eine Förderung zu bekommen. Dafür musst du nichts weiter machen, als einen Antrag für BAföG auszufüllen. Arbeite dabei genau und fülle alle Fragen und Angaben vollständig aus, so beschleunigst du den Prozess. Umso sorgfältiger du arbeitest, desto eher bekommst du finanzielle Unterstützung. Viel Erfolg!