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Die Kündigung in der Ausbildung

Die Kündigung in der Ausbildung
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Anastasia Johlen am 19.03.2019

Manchmal beginnen junge Menschen eine Ausbildung, um dann wenig später feststellen zu müssen, dass diese gar nicht zu ihnen passt. Manchmal ist es auch das Unternehmen, was das Ausbildungsverhältnis zwischen dem Lehrling beendet. Es folgt die Kündigung in der Ausbildung. Aber ist es erlaubt ein Ausbildungsverhältnis vorzeitig zu beenden? Darf die Ausbildung abgebrochen werden? Oder heißt es in der Lehre, Zähne zusammenbeißen und weiter machen? 

Was ist eine Kündigung?

Unter einer Kündigung ist die einseitige Beendigung, der vertraglichen Vereinbarungen zu verstehen. Das heißt, dass entweder du als Arbeitnehmer oder dein Arbeitgeber das bisherige Arbeitsverhältnis auflösen möchte. 

Eine Kündigung ist in der Regel schriftlich abzugeben und an bestimmte Fristen gebunden. Dabei kann eine Kündigung fristlos oder fristgerecht ausgesprochen werden. 

Gründe für einen Ausbildungsabbruch

Warum du die Ausbildung abbrechen möchtest, ist und bleibt deine Entscheidung. Einige Gründe sind für Außenstehende nachvollziehbar, andere Gründe kannst nur du individuell einordnen. Natürlich ist es keine gerechtfertigte Begründung, wenn es an deiner eigenen Lustlosigkeit oder Faulheit liegt.

Stellst du jedoch nach einiger Zeit fest, dass du mit dem Beruf oder Ausbildungsbetrieb einfach nicht warm wirst und dir ein ganz anderes Bild vermittelt wurde, ist es unter Umständen besser, die Notbremse zu ziehen. 

Was bringt dir eine Ausbildung in einem Beruf, der dir keine Freude bereitet?

Besonders bei ernsthaften Gründen, wie etwa Mobbing oder Diskriminierung ist eine Kündigung immer berechtigt und nachvollziehbar. Wenig Arbeit und wirtschaftliche Schwierigkeiten begründen eine Kündigung jedoch nicht.

Überdenke die Kündigung gut

Du solltest dich nicht aus einer schlechten Laune heraus für eine Kündigung entscheiden, immerhin stehst du noch auf der ersten Sprosse der Karriereleiter. Unangenehme Aufgaben, anstrengende Tätigkeiten, körperliche Arbeit oder langweilige Arbeitsschritte gehören manchmal zum Alltag eines Azubis. Generell hängt dein Arbeitsalltag stark von der Branche, aber auch von deiner persönlichen Einstellung ab. 

Deshalb solltest du dir vor Ausbildungsbeginn bewusst machen, welche Bereiche dich ansprechen und was zu dir passt. Betätigst du dich gerne körperlich oder möchtest du eher deinen Kopf benutzen? Für beides gibt es ganz unterschiedliche Berufsfelder. 

Kündigung durch den Ausbildungsbetrieb

Natürlich kann die Kündigung auch von deinem Arbeitgeber ausgehen. Deshalb solltest du diese nicht unnötig provozieren. Leistest du dir einen großen Fehler nach dem anderen, kann bei vielen Arbeitgebern schnell der Geduldsfaden leisten. 

Aufgrund von schlechten Noten in der Berufsschule darf dir dein Ausbildungsbetrieb nicht kündigen

Die gelbe Karte: Abmahnung vor der Kündigung

Geht die Kündigung von deinem Ausbildungsbetrieb aus, darf dieser dir in der Regel nicht die Kündigung einreichen, bevor du die gelbe Karte erhalten hast. 

Als gelbe Karte gilt eine schriftliche Abmahnung. Gerade bei verhaltensbedingten Kündigungen steht der Arbeitgeber in der Pflicht, dich vorher aufgrund des Verhaltens zu ermahnen. Ausnahme ist, wenn du mit deinem Verhalten über die Stränge schlägst und zum Beispiel Geld stiehlst.

Eine Kündigung ohne Abmahnung ist dennoch möglich, etwa wenn personenbedingte oder betriebsbedingte Gründe vorliegen. 

Welche Arten von Kündigung gibt es?

Kündigung ist nicht gleich Kündigung: Es gibt verschiedene Ursachen, welche der Grund für eine Kündigung in der Ausbildung sein können. Weiterhin muss zwischen einer ordentlichen und fristlosen sowie zwischen weiteren Formen der Kündigung entschieden werden. 

Nicht nur du als Lehrling kannst das Ausbildungsverhältnis vorzeitig beenden, auch der Ausbildungsbetrieb kann im Zusammenhang bestimmter Gründe die Ausbildung abbrechen.

Arten der Kündigungen

  • Kündigung in der Probezeit
  • Ordentliche (fristgerechte) Kündigung
  • Fristlose Kündigung
  • Verhaltensbedingte Kündigung
  • Personenbezogene Kündigung
  • Betriebsbedingte Kündigung 
  • Aufhebungsvertrag

Was kommt nach der Kündigung?

Bevor du eine Kündigung in der Ausbildung einreichst, solltest du dir vorher bewusst machen, was darauf folgt. Brichst du die Ausbildung ab, ohne zu wissen, wie es weitergeht, besteht die Gefahr der Arbeitslosigkeit. 

Vielleicht hast du aber auch schon eine genaue Vorstellung und konkrete Pläne wie es beruflich weitergeht.

Wenn du die Ausbildung abbrichst...

Klug ist es in jedem Fall, wenn du bereits vor der Kündigung Bewerbungen schreibst und nach einem neuen Ausbildungsplatz suchst. 

Strebst du plötzlich doch einen höheren Schulabschluss an? 
Oder möchtest du dich im Rahmen eines Praktikums erst beruflich orientieren?

Dann solltest du dies bezüglich nicht zu lange auf entsprechende Bewerbungsmaßnahmen und Schreiben warten. Nimm die Sache aktiv in die Hand, damit du nach der Kündigung nicht ohne etwas dastehst. 

Wenn der Ausbildungsbetrieb kündigt…

Hast du von deinem Ausbildungsbetrieb eine schriftliche Kündigung oder Abmahnung erhalten und kannst diese Entscheidung nicht nachvollziehen, solltest du zunächst das Gespräch aufsuchen. Lässt sich dein Ausbilder auf ein Gespräch nicht ein, solltest du es weiterhin versuchen. Du kannst dich im Zweifel auch an andere Ansprechpartner wenden, zum Beispiel an die Industrie- und Handelskammer (IHK) oder an die Jugend- und Ausbildungsvertretung (JAV). Befindest du dich rechtlich gesehen auf der sicheren Seite, kannst du gegen die unrechtmäßige Kündigung gerichtlich vorgehen und klagen.

Kannst du die Gründe für die Abmahnung nachvollziehen, solltest du spätestens dann versuchen, dich zu ändern. Ansonsten kannst du bei gerechtfertigter Begründung sehr wenig gegen die Kündigung machen. 

Kündigung in der Probezeit

Jeder Arbeitnehmer hat zu Beginn eines neuen Arbeitsverhältnisses eine Probezeit, um Beruf und Betrieb kennenzulernen. Auch dein Ausbildungsbetrieb kann in dieser Zeit abschätzen, ob du für eine erfolgreiche Lehre Potenzial hast. Während der gesamten Probezeit kann das Arbeitsverhältnis von beiden Seiten und ohne Einhaltung von Kündigungsfristen beendet werden. 

Üblicherweise dauert die Probezeit in einer Ausbildung vier Monate. Bitte schau doch in deinen Ausbildungsvertrag, damit du genau weiß, wie lange bei dir die Probezeit dauert.

Ausnahmen bestehen in Bezug bestimmter Personengruppen, so unterliegen Schwangere, Personen mit einer Schwerbehinderung und Angehörige der Jugend- und Auszubildendenvertretung besonderen Richtlinien und können nicht ohne weiteres in der Probezeit gekündigt werden.

Ordentliche Kündigung

Bei der ordentlichen Kündigung handelt sich um die fristgerechte Kündigung, welche sich an die gesetzlichen Vorgaben hält. So muss die ordentliche Kündigung schriftlich und mit einer Frist von vier Wochen erfolgen. Zusätzlich musst du die Kündigung begründen.

Gründe für die fristgerechte Kündigung:

  • Du möchtest deine Ausbildung aufgeben
  • Du willst in einem anderen Beruf eine Ausbildung machen

Fristlose Kündigung

Bei einer fristlosen Kündigung musst du dich an keine Frist halten. Du kannst im Prinzip von jetzt auf gleich nicht mehr zur Arbeit kommen. Diese Kündigungsart kann von Arbeitgeber und Arbeitnehmer ausgesprochen werden. Dafür müssen aber bestimmte und wichtige Gründe vorliegen. 

Fristlose Kündigung in Bezug auf 

  • verhaltensbedingter Grund 
  • personenbedingter Grund
  • betriebsbedingter Grund 

Verhaltensbedingte Kündigung 

Generell handelt es sich bei verhaltensbedingten Kündigungen um eine Pflichtverletzung. Diese Pflichtverletzung ist seitens des Lehrlings, aber auch des Ausbildungsbetriebs möglich. In der Regel erhältst du bei einer verhaltensbedingten Kündigung zunächst eine Abmahnung, in der die Pflichtverletzung genau beschrieben werden muss. Ebenfalls kann dein Ausbildungsbetrieb seine Pflichten verletzten, sodass du eine fristlose Kündigung aussprichst.

Verhaltensbedingte Kündigung durch den Arbeitgeber

  • Der Azubi fehlt häufig unentschuldigt in Berufsschule oder/ und im Ausbildungsbetrieb.
  • Der Lehrling zerstört mutwillig Betriebseigentum z. B. Maschinen und Werkzeugen.
  • Der Auszubildende hat nachweislich am Arbeitsplatz geklaut.
  • Das Berichtsheft wird nicht geführt.
  • Missachten von Arbeitsanweisungen, Sicherheitsbestimmungen oder Verboten.

Verhaltensbedingte Kündigung durch den Azubi

  • Der Ausbildungsbetrieb verstößt häufig oder regelmäßig gegen das Jugendarbeitsschutzgesetz oder das Arbeitszeitgesetz.
  • Der Lehrling wird am Arbeitsplatz Opfer von sexueller Belästigung oder körperlicher Gewalt.
  • Der Arbeitgeber zahlt seinem Lehrling keine Ausbildungsvergütung.
  • Der Azubi muss ständig Überstunden leisten und erhält keinen entsprechenden Ausgleich.
  • Die Ausbildungsinhalte werden nicht ausreichend vermittelt oder es gibt keinen Ausbilder.

Personenbezogene Kündigung

Meistens handelt es sich bei der personenbezogenen Kündigung um einen individuellen Grund, welcher in der Regel im direkten Zusammenhang mit der jeweiligen Person steht. Dazu zählen zum Beispiel Gesundheitsprobleme, welche erheblichen Einfluss auf die Berufsausbildung nehmen und einem erfolgreichen Abschluss im Weg stehen.

Beispiel für eine personenbezogene Kündigung:

Du beginnst eine Lehre in der Bäckerei oder in einer Tischlerei. Du entwickelt im Laufe der Ausbildung eine Allergie gegen Mehlstaub oder Holzstaub und bist dadurch nicht mehr in der Lage die Ausbildung sachgemäß durchzuführen.

Betriebsbedingte Kündigung

Eine betriebsbedingte Kündigung tritt in der Regel nur auf, wenn dein Ausbildungsbetrieb oder die Abteilung in der du tätig bist, still gelegt wird. Dennoch sind wirtschaftliche Probleme und die Anmeldung einer Insolvenz kein Kündigungsgrund, denn dein Ausbildungsverhältnis bleibt für das gesamte Insolvenzverfahren bestehen. 

Wird der Ausbildungsbetrieb still gelegt, steht dieser in der Pflicht, sich um deine weitere Ausbildung zu bemühen. Gemeinsam mit der Agentur für Arbeit muss der Betrieb eine andere Ausbildungsstätte für dich finden.

Was musst du bei einer betrieblichen Kündigung tun?

Falls du im Laufe deiner Ausbildung eine betriebliche Kündigung erhältst, muss diese mit der Insolvenz oder beabsichtigten Stilllegung des Betriebs begründet werden. 

  • Du solltest dich bei der Agentur für Arbeit melden. Denn sollte im Laufe des Insolvenzverfahrens deine Vergütung ausfallen, kannst du etwa Insolvenzausfallgeld und später Arbeitslosengeld erhalten. Erkundige dich bei deiner Berufsschule, wie lange du noch am Unterricht teilnehmen darfst. Und mach dich aktiv auf die Suche nach einem neuen Ausbildungsplatz. 
  • Befindest du dich bereits im letzten Lehrjahr, besteht eventuell die Möglichkeit, deine Ausbildung zu verkürzen. Immerhin befindest du dich fast am Ende der Ausbildung und gegebenenfalls können die Prüfungen sogar vorgezogen werden. 

Solltest du während deiner Ausbildung eine Kündigung erhalten, dann prüfe bitte zunächst, ob alles rechtens ist. Immerhin gibt es auch schwarze Schafe unter den Ausbildungsbetrieben, welche Lehrlinge einfach nur los werden möchten, wenn diese nicht in ihre Vorstellung passen. Zusätzlich solltest du dein Recht auf Kündigung in Anspruch nehmen, falls dir entsprechende Gründe vorliegen. Bitte ließ deinen Ausbildungsvertrag in Bezug auf die Kündigung und Fristen sorgfältig durch, denn nur so bist du auf der sicheren Seite.