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Bewerbung: Wie hebst du dich von der Masse ab?

Bewerbung: Wie hebst du dich von der Masse ab?
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Anastasia Johlen am 03.04.2019

Das Rezept für die perfekte Bewerbung: Das würde vieles erheblich vereinfachen und vielen Bewerben die Unsicherheit und Sorge nehmen. Doch leider gibt es keine Vorlage für die eine Bewerbung, die jeden Arbeitgeber überzeugt. Die Kunst liegt im Detail, eine individuelle und authentische Bewerbung, welche deine Persönlichkeit betont. Einheitsbrei und abgegriffene Formulierungen in hunderten Bewerbungen langweilen die Unternehmen. Vielmehr stechen die Bewerbungen hervor, die sich von der Masse abheben und Einzigartigkeit ausstrahlen.

Schwierigkeit: Die klassische Bewerbung ist Gewohnheit!

Bei dem klassischen Bewerbungsschreiben befindest du dich auf der sicheren Seite, oder? Welches Unternehmen lehnt schon eine Bewerbung ab, die sich an alle formalen Kriterien hält? Anschreiben, Lebenslauf und Zeugnisse in DIN A4 Format. 

Der erste Satz beinhaltet typische Floskeln wie 

  • „Hiermit bewerbe ich mich als X“ 

oder 

  • „Mit großem Interesse habe ich Ihre Stellenanzeige gelesen“.

Damit kannst du doch eigentlich nichts falsch machen. Doch, denn es ist schlichtweg langweilig, abgegriffen und nicht gerade authentisch. 

Das Problem liegt beim Ursprung: Jahrelang wurden Regeln und Vorgehensweisen in Sachen Bewerbung vermittelt, die als ideal galten. Diese Vorstellung hat sich fest in den Köpfen verankert. Hingegen tendiert der Trend in Richtung Veränderungen: Weg von der klassischen Variante hin zu individuellen Bewerbungen und Abwechslung. 

Bewerbungen: Unternehmen wünschen sich Abwechslung!

Leider ist die klassische Bewerbung heutzutage nicht mehr gang und gäbe. Viele Unternehmen wünschen sich mehr von ihren Bewerbern. Schluss mit formalen und anscheinlich seriösen Formulierung sowie optisch einheitlichen Bewerbungen von potenziellen Mitarbeitern. Vielmehr suchen Arbeitgeber häufig nach Persönlichkeit, Charakter und Authentizität.

Recruiting unter Zeitdruck: Viele Bewerbungen landen im Müll

Besonders auf attraktive Stellen melden sich unzählige Bewerber. Hunderte Bewerber möchten die eine Ausbildung beginnen oder den einen Job ergattern. Gar nicht so einfach, die richtigen Kandidaten zu finden. Aber wie viel Zeit nimmt sich das Unternehmen für deine Bewerbung? Kannst du mit einem lückenlosen Lebenslauf oder einem guten Design punkten?

Oftmals bleibt den Recruiter nicht viel Zeit für den ersten Eindruck der Bewerber. Rund 40 % der Personaler investieren nicht mehr als 5 Minuten für den ersten Bewerber-Check, einige entscheiden noch schneller über Top oder Flop.

Die traurige Wahrheit ist, dass viele Bewerbungen sofort im Papierkorb landen. Die Personalabteilung hat oft nicht die Möglichkeit und Zeit alle Bewerbungen, unter die Lupe zu nehmen. Umso mehr Konkurrenz herrscht, desto schwieriger ist es, nicht durch das "Aussortier-Sieb" zu rutschen. Auch wenn du dir viel Mühe für dein Schreiben gegeben hast, Floskeln und Phrasen können kaum noch überzeugen.

Pluspunkte sammeln: Den Recruiter überzeugen

Oft müssen die Bewerbungen von Anfang an überzeugen, denn viel Zeit bleibt nicht. Deshalb ist es umso wichtiger, dass du dich mit deiner Bewerbung von der Masse abhebst. Deine Bewerbung muss in wenigen Sekunden überzeugen, sodass du in die engere Auswahl kommst. 

Pluspunkt 1: Aussagekräftiger Lebenslauf

Für 99 % der Recruiter ist der Lebenslauf das A und O einer Bewerbung, sodass das Anschreiben oft in den Hintergrund rückt. Deshalb solltest du den Lebenslauf aussagekräftig gestalten. Dadurch sieht der Personaler schnell, ob du fachlich für die Stelle geeignet bist. 

Struktur und Übersichtlichkeit sind nicht nur für den Lebenslauf relevant: Generell gelten diese Faktoren in einer Bewerbung als Schlüssel zum Erfolg.

Pluspunkt 2: Struktur und Übersichtlichkeit

Fast 90 Prozent der Personaler legen großen Wert auf eine gute Gestaltung der Bewerbung, sei es im Anschreiben oder Lebenslauf. Die Struktur hilft die Inhalte besser zu finden und den Bewerber schneller einzuordnen. Deshalb solltest du deine Bewerbung kompakt und knackig gestalten. 

Pluspunkt 3: Qualifikationen und Zeugnisse

Ganz wichtig sind die entsprechenden Qualifikationen, welche nachweisen, dass du für die Stelle oder die Ausbildung geeignet bist. Diese Unterlagen sind von zentraler Bedeutung und klären, ob du für die ausgeschriebene Stelle, aus fachlicher Sicht, infrage kommst. 

Bewerbungsschreiben: Diese Fehler solltest du vermeiden!

Damit du dich von der Masse abhebst, solltest du die typischen Vorgehensweisen vergessen und dich vielmehr auf dich als Bewerber konzentrieren. Die goldene Regel der Bewerbungen ist vermutlich, dass du copy and paste bei deiner Bewerbung zwingend vermeidest! 

Bitte komm bloß nicht in Versuchung, dasselbe Bewerbungsschreiben an alle potenziellen Arbeitgeber und Ausbildungsbetriebe zu schicken. 

Floskeln & Phrasen

Abgedroschene Floskeln und Phrasen gehören nicht in deine Bewerbung, dadurch sinkt die Neugierde des Arbeitgebers. Immerhin nutzen diese typischen Formulierungen viele der Bewerber, sodass es für den Personaler langweilig wird und sich die Inhalte überspitzt gesagt, nur im Lebenslauf gravierend unterscheiden. 

Ort der Stellenausschreibung

In der Regel ist es vollkommen irrelevant, wo du auf die freie Stelle oder die Ausbildung aufmerksam geworden bist. Ebenfalls ist es nicht von belangen, dass du das Ausschreiben mit großem Interesse gelesen hast, immerhin ist das eine logische Konsequenz, ansonsten würdest du dich nicht bewerben. 

Es ist ratsam den Personaler nicht mit Selbstverständlichkeiten zu langweilen, stattdessen solltest du dich darauf konzentrieren, dich und deine Persönlichkeit in den Vordergrund zu rücken.

Rechtschreibfehler 

Rechtschreibfehler sind in deiner Bewerbung ein absolutes No-Go. Schon in der Schule wird dir gesagt, wie wichtig fehlerfreie Texte sind. Trotzdem schleichen sich hin und wieder Tipp- oder Rechtschreibfehler ein. Deshalb solltest du deine Bewerbung immer Korrekturlesen oder Freunde einen Blick darauf werfen lassen. 

Von der Masse abheben: Bewerbung mit Persönlichkeit

Es gibt Floskeln und Phrasen, welche die Recruiter täglich lesen. Daraus resultiert, dass viele Bewerbungen einer Massenware gleichen und als 08/15 abgestempelt werden. Viele Anschreiben folgen demselben Muster und hören sich so oder so ähnlich an:

Typischer Inhalt eines Anschreibens

  • In der Regel beginnt das Anschreiben mit der Motivation und Freude des Bewerbers auf die neue Herausforderung und bestehenden Aufgaben. 
  • Auf Motivation und Herausforderung folgen dann die lobenden Worte an den potenziellen Arbeitgeber und es werden scheinbar gut klingende Wortkombination in das Anschreiben eingebaut. Einige Keywords zu den Anforderungen und Stärken und schon ist das typische Bewerbungsanschreiben fertig. 
  • Noch ein Satz zur Vorfreude und mit Bitte um die Einladung zu einem Vorstellungsgespräch und schon ist der Text fertig. 

Nach Jahrelanger predigt von den Bewerbungsregeln und Vorgehensweisen wirken alle Bewerbungen identisch und das Anschreiben klingt langweilig und gleich. Mittlerweile sieht das ganz anders und die abgedroschenen Formulierung sind ein wesentliches Ausschlusskriterium. 

Schritt 1: Einstieg in das Bewerbungsschreiben

Schon zu Beginn des Anschreibens geraten viele Bewerber ins Stolpern: Was kommt in die ersten Zeilen? Am Ende entscheiden sich viele Bewerber für die typische Variante. Hingegen solltest du mehr Mut beweisen und dich trauen über das Gewohnte hinauszugehen. Gib schon zu Beginn alles!

Typischer Einstieg einer Bewerbung:

„Sehr geehrte Damen und Herren,

hiermit bewerbe ich mich auf die am Tag, Monat, Jahr im ORT ausgeschriebene Stelle als POSITION/BEZEICHNUNG, da die Position in mir großes Interesse weckt.“

Leider gleicht dieser Einstieg einer Null-Info. Weder wichtige, noch relevante Informationen hat der Leser in diesen ersten Zeilen erhalten. Das gleicht einer vertanen Chance: Immerhin sind die ersten Sätze oft das, was ein Recruiter überhaupt liest.

Es ist deine Chance, den Recruiter für dich zu gewinnen. Du darfst ruhig Mut beweisen und direkt mit der Tür ins Haus fallen. Weck die Neugierde des Lesers und stell deine Persönlichkeit in den Vordergrund.

  • Was hat dich bei dem Stellenausschreiben besonders angesprochen?
  • Was überzeugte dich, eine Bewerbung zu schreiben?
  • War es die persönliche Identifikation mit einem Produkt/ einem Unternehmen?
  • War es die Lust Teil einer bekannten Marke zu sein?
  • Hat die Aufmachung der Internetseite dein Interesse geweckt?

Und mit genau diesen Antworten solltest du dein Anschreiben beginnen. Es geht um deine tatsächliche Motivation. Richtig oder falsch gibt es in diesem Sinne nicht. Deine Persönlichkeit muss in den ersten Zeilen hervorstechen, damit du das Interesse des Unternehmens gewinnst. 

Fällt es dir schwer, deine Motivation in Worte zu fassen, ist das vielleicht ein Zeichen dafür, dass du die Bewerbung noch einmal überdenken solltest.

Beispiel für einen besonderen Einstieg in das Bewerbungsschreiben

(1)

Sehr geehrte Damen und Herren, 

schon als Kind haben mich Formen, Farben und Konstruktionen begeistert: Ich konnte stundenlang basteln, konstruieren und meine Ideen umsetzen. Und diese Leidenschaft besteht bis heute: Designs zu konstruieren und zu entwerfen erweckt in mir pure Begeisterung. Mit dieser Stelle/ mit dieser Ausbildung möchte ich meine Leidenschaft zum Beruf machen.

(2)

 Sehr geehrte Damen und Herren,

ich kann nicht behaupten, dass ich ein Profi in Handwerksarbeit bin, aber ich möchte einer werden! Handwerkliche Arbeit begeistert mich schon seit einigen Jahren und ich habe mich bereits während meiner Schulzeit in der Freizeit mit X beschäftigt. Mit einer Ausbildung in X könnte ich die Chance ergreifen und mehr über die Fertigkeiten von X lernen. Auf Ihrer Internetseite konnte ich einen ersten Eindruck von der Ausbildung erhalten und ich finde es fantastisch, dass Sie in puncto Nachhaltigkeit am Ball bleiben!

Es handelt sich bei diesen Formulierungen um Beispiele, die dir als Orientierung dienen sollen. Du solltest immer beachten, in welchem Kontext du das Anschreiben verfasst und für welche Branche du dich bewirbst. Versuche deine Persönlichkeit einzubringen und deine Motivation für die Stelle deutlich zu machen. 

Schritt 2: Hauptteil des Bewerbungsschreibens

Viele Bewerber verknüpfen die persönliche Motivation mit der positiven Stellung des Arbeitgebers im Wettbewerb mit anderen Unternehmen. Doch dadurch erhält der Recruiter wiederum wenig Information und Inhalt. Du berichtest dem Recruiter Fakten, die er als Teil des Unternehmens durchaus kennt. 

Typischer Hauptteil einer Bewerbung

  • Ich wollte schon immer bei Ihrem erfolgreichen und internationalen Marktführer arbeiten. / 
  • Mich reizt besonders, dass Sie zu den Größten der Branche gehören./ 
  • In Zukunft möchte ich Teil dieses bekannten Unternehmens sein.

Vielmehr solltest du deine Ziele formulieren und was dir wirklich wichtig ist. Verzichte bitte auf Fakten über das Unternehmen, die der Recruiter mit Sicherheit kennt. Bilde auch keine Ableitungen zu deiner Motivation, die in der Regel logisch sind:

Bewirbst du dich auf die freie Stelle, ist es unverkennbar, dass du Teil dieses Unternehmens sein möchtest und du zum Erfolg beitragen möchtest. Statt von Herausforderung und Weiterbildung zu sprechen, solltest du diese allgemeine Formulierung konkretisieren und nach deinen Vorstellung definieren.

Erzähl von dir & nicht vom Unternehmen:

  • Was ist dir wirklich wichtig?
  • Warum möchtest du die Ausbildung bei dem Unternehmen machen?
  • Was reizt dich genau?
  • In welchen Gebieten möchtest du dich weiterentwickeln?
  • Was möchtest du lernen?
  • Was ist dir wichtig? 

Top-Kompetenzen statt Lebenslauf in Textform

Du sollst über dich berichten, das bedeutet aber nicht, dass du deinen Lebenslauf in Textform darbietest. Die meisten Anschreiben zählen Zwischenstopps in der Vergangenheit auf und stellen quasi den Lebenslauf in Schrift dar. Ein doppelter Lebenslauf? Welchen Zweck erhoffst du dir von diesem Vorgehen? Bitte versuche diesen Fehler zu vermeiden, stattdessen solltest du deine Stärken genau definieren.

Lebenslauf in Textform

  • Nach meinem Abitur am X Gymnasium habe ich X an der Universität X studiert, danach war ich als X bei X angestellt. Zu meinen Aufgaben zählten X und X. Davor war ich bei X beschäftigt. 
  • Diese Information erhält der Recruiter in der Regel aus dem Lebenslauf, weshalb es nicht notwendig ist, diese im Anschreiben zu erwähnen. 
  • Besser ist es, wenn du Klarheit schaffst und erwähnst, welche Kompetenzen und Erfahrungen dich in der ausgeschriebenen Ausbildung weiterbringen. Was für Fähigkeiten bringst du mit? 
  • Im Idealfall kannst du einige Kompetenzen aufzählen, welche du mit erreichten Zielen oder Erfolgen verknüpfen kannst. 

Persönlichkeit statt Worthülsen

Möchten Bewerber ihre Kompetenzen und Stärken präsentieren, verstecken sie sich gerne hinter Worthülsen und Phrasen. Doch was genau steckt hinter „Teamfähigkeit“ oder „Kommunikationsstärke“? Was bedeutet zuverlässig und verantwortungsbewusst?

Die Worthülse Kommunikationsstärke kann unterschiedlich aufgefasst und negativ ausgelegt werden. Im schlimmsten Fall wirst du als Plaudertasche für den neusten Klatsch und Tratsch abgestempelt. Doch eigentlich wolltest du verdeutlichen, dass du gut im Gespräch mit Kunden bist und sehr gerne gemeinsam mit Menschen in Kontakt stehst. Damit keine Missverständnisse auftreten, solltest du deine Stärken und Kompetenzen direkt ausformulieren.

  • Was zeichnet dich als Menschen aus?
  • Bist du zurückhaltend oder eher direkt?
  • Wie zeigen sich deine Stärken im Alltag und der Zusammenarbeit?
  • Denkst du kreativ oder konzeptionell? 

Gib dem Leser einen ersten Eindruck von dir und versteck dich nicht hinter Phrasen und Worten ohne expliziter Bedeutung. Immerhin kannst du beim Bewerbungsgespräch dein Wesen auch nicht verstecken. Weshalb also im Anschreiben einen falschen Anschein erwecken? Und wer weiß, vielleicht ist deine Persönlichkeit gerade ausschlaggebend für die Einladung zum Vorstellungsgespräch. 

Bestimmt fällt es dir zunächst schwer, dich von den gängigen Vorgehensweisen einer Bewerbung abzuwenden. Es gehört auch etwas Mut dazu, sich von der Masse abzuheben. Aber wer auffallen möchte, muss auch auf sich aufmerksam machen. Und wie könnte das besser funktionieren, als mit einem Anschreiben und einer Bewerbung, die sich äußerlich und inhaltlich von der Mehrheit abgrenzt? 

Bitte bedenke, dass es sich hier um Ratschläge handelt und es kein Muss ist, diese umzusetzen. Das Team von ausbildungsmarkt.de wünscht dir viel Erfolg bei deiner Bewerbung!