© lassedesignen / shutterstock.com

Azubi-Knigge: So schreibst du dein Berichtsheft richtig

Azubi-Knigge: So schreibst du dein Berichtsheft richtig
© Dean Drobot | shutterstock.com
Anastasia Johlen am 17.01.2019

Das Berichtsheft gehört zum Azubi-Dasein dazu. Das Berichtsheft ist Voraussetzung für die Zulassung zur Abschlussprüfung deiner Lehre. Jeder Auszubildende muss ein Berichtsheft schreiben und es ist bekannt, das es nicht gerade zu den beliebtesten Aufgaben zählt. Es hilft alles nichts, spätestens zum Ende deiner Ausbildung muss das Heft vorzeigbar sein, da nützt das Aufschieben auch nichts. Aber was sollst du schreiben? Warum musst du überhaupt das Berichtsheft führen? Und müssen bestimmte formale Anforderungen eingehalten werden? Ausbildungsmarkt.de erklärt dir alles rund um das Berichtsheft.

Wozu gibt es das Berichtsheft?

Das Berichtsheft gehört zu einer beruflichen Ausbildung dazu, es ist eine Pflicht als Azubi. Wie der Name schon verrät, berichtest du in diesem Heft über deine Ausbildung. Du dokumentierst jeden Tag und alles was du gelernt hast. Dadurch kann dein Ausbildungsbetrieb und die Berufsschule nachvollziehen, ob du ordnungsgemäß ausgebildet wurdest. Sie erhalten einen Eindruck über deine Ausbildung und inwiefern dir entsprechende Kenntnisse vermittelt wurden.

Auch wenn du manchmal nach einem anstrengenden Arbeitstag keine Lust hast, das Berichtsheft zu schreiben. Es gehört zu deiner Pflicht und ist Zulassungsvoraussetzung zur Abschlussprüfung. Kannst du kein vollständiges Berichtsheft vorlegen, bedeutet das keine abgeschlossene Ausbildung.

Was gehört zu einem ordentlichen Berichtsheft?

Zum Berichtsheft gehört ein Deckblatt, der Ausbildungsverlauf und die täglichen oder wöchentlichen Ausbildungsnachweise. Diese Nachweise beinhalten deinen Arbeitsablauf, gelernte Inhalte und neue Kenntnisse über deinen Beruf. Bist du dir unsicher, welche Inhalte für das Berichtsheft relevant sind? Keine Sorge, du kannst dich sicherlich in deinem Ausbildungsbetrieb oder direkt bei deinem Ausbilder informieren.

Das Heft bekommst du in der Regel kostenlos von deinem Ausbildungsbetrieb, du kannst es aber auch online auf den Seiten der IHK (Industrie- und Handelskammer) und HWK (Handwerkskammer) finden.

Wie oft sollte das Berichtsheft geschrieben werden?

Die goldene Regel für ein ordentliches und vollständiges Berichtsheft lautet „Schreib das Berichtsheft regelmäßig“. Entscheide selbst, ob du es täglich mit den Ausbildungsinhalten füllen möchtest oder wöchentlich. Bitte bedenke, um so länger du das Berichtsheft vor dir hinschiebst, desto mehr musst du später nacharbeiten. 

Wenn du zeitnah alles aufschreibst, kannst du dich besser an die Ausbildungsinhalte und Abläufe erinnern. Es ist nicht Sinn und Zweck, dass du wenige Wochen vor der Abgabe das komplette Berichtsheft schreibst. In der Regel ist das auch nicht machbar und unmöglich. Ebenfalls solltest du nicht in Versuchung kommen, von anderen Lehrlingen abzuschreiben, denn dein Ausbildungsbetrieb lässt sich bestimmt nicht gerne für Dumm verkaufen.

Was muss im Berichtsheft stehen?

Auf jeden Fall solltest du dir ein grundlegendes System überlegen. Sinnvoll ist es, wenn du auf jedes Blatt deinen Namen schreibst, das Ausbildungsjahr und den Berichtszeitraum (Datum, Arbeitszeiten). Im Fall der Fälle kannst du so, die Seiten immer genau zu ordnen. Fasse in Stichworten zusammen, was du an dem jeweiligen Arbeitstag gelernt hast. Versuche auch aufzuschreiben, wie viel Zeit du in die Arbeiten und Tätigkeiten gesteckt hast. Wie lange hat eine Aufgabe ungefähr gedauert? 

Ebenfalls werden Schulungen, Unterweisungen und betrieblicher Unterricht im Berichtsheft festgehalten. Keine Sorge, du brauchst keinen in sich schlüssigen Roman zu verfassen, doch die Stichpunkte sollten aussagekräftig und verständlich sein. 

Für die Tage in der Berufsschule hältst du die Unterrichtsinhalte und Themen fest. 

Wann schreibst du das Berichtsheft?

Wie bereits erwähnt, solltest du die Inhalte zeitnah aufschreiben. Dein Ausbildungsbetrieb sollte dir die Möglichkeit geben, genügend Zeit für das Berichtsheft zu haben. Formblätter und Nachweishefte erhältst du in der Regel kostenlos bei deinem Ausbilder.

Du beginnst mit dem Berichtsheft am ersten Tag deiner Ausbildung bis zum Ende, beziehungsweise bis zum Abgabetermin. Dein Ausbilder wird dich im Laufe der Lehre über Fristen und Termine bezüglich des Berichtsheftes informieren. Andernfalls solltest du die Initiative ergreifen und dich erkundigen. In der Regel prüft dein Ausbilder monatlich die Inhalte des Hefts und nimmt die Inhalte mit einer Unterschrift ab. 

Je nachdem, wie viele Auszubildende in einem Unternehmen tätig sind, und wie die Kontrolle intern geregelt ist, solltest du spätestens bis zur Abgabe bei deinem Ausbilder die betroffenen Inhalte aufgeschrieben haben.

Wird das Berichtsheft benotet?

Nein, das Berichtsheft wird nicht benotet. Es dient als Ausbildungsnachweis für die IHK und deinen Ausbildungsbetrieb. Trotzdem solltest du dir bei der Gestaltung Mühe geben und versuchen die Inhalte angemessen wieder zugeben. 

6 Tipps: Erfolgreich das Berichtsheft schreiben

Tipp 1: Mach dir Notizen

Falls du dein Berichtsheft einmal pro Woche schreibst, etwa am Wochenende für die gesamten Werktage, sind Notizen sehr hilfreich. Mithilfe von Notizen kannst du deine Erinnerung aufrechterhalten. Ebenfalls ist es an einem stressigen und gefüllten Tag hilfreich, wenn du dir bereits in der Pause Notizen machst. 

Hierbei ist es egal, ob du Zettel und Stift oder dein Smartphone verwendest. Hast du etwas Neues gelernt? War ein besonderes betriebliches Ereignis? Was hat dir Spaß gemacht und was fandest du interessant?

Tipp 2: Verwende Fotos oder Zeichnungen

Einige Betriebe verlangen ein rein schriftliches Berichtsheft, andere sind mit den Vorgaben in der Gestaltung nicht so streng. Als Azubi solltest du den Freiraum nutzen und das Berichtsheft mit Fotos, Skizzen oder Zeichnungen ergänzen. 

Hast du etwa die Aufgabe gehabt, das erste Mal etwas anzufertigen oder zu konstruieren? Stehst du das erste Mal vor einem Meilenstein in deiner Ausbildung? Dann kannst du etwa eine Vorher-Nachher-Dokumentation machen oder deinen Erfolg mit einem Foto festhalten. Erkundige dich bitte über deine Freiheiten und Möglichkeiten in Bezug auf das Berichtsheft bei deinem Ausbilder.

Tipp 3: Du darfst kreativ sein

Generell gibt es für das Berichtsheft spezielle Vorlagen, die du nur ausfüllen musst. Doch trotzdem kannst du kreativ sein. So kannst du etwa das Titelblatt frei gestalten, etwa mit dem Logo des Ausbildungsbetriebs. Ebenfalls kannst du auch Zwischenseiten einfügen, welche die Ausbildungsjahre voneinander trennen. 

Fertigst du das Berichtsheft am PC an, kannst du auch verschiedene Schriftarten ausprobieren.
Natürlich hängt diese Vielfalt und Kreativität auch von deinem Ausbildungsberuf ab. Vielleicht ist ein kreativer Ausbildungsberuf offener für dieses Vorgehen, als etwa eine Lehre im Handwerk. Dennoch schadet es nicht, wenn du dich vorher erkundigst. 

Machst du eine Ausbildung im Bereich Design, Print oder Marketing? Dann sollte es nicht schaden, wenn du deine gelernten Fähigkeiten in der Gestaltung des Berichtshefts aufnimmst. 

Tipp 4: Erkundige dich nach einem digitalen Berichtsheft

Nicht nur die Berufswelt und Arbeitskultur sind in einem ständigen Wandel, auch Teile der Ausbildung nähern sich der Modernität und Digitalisierung an. Mittlerweile existieren auch digitale Berichtshefte, die du verwenden kannst. 

Abhängig in welcher Branche du arbeitest, biete sich diese Variante sicherlich an. Sogar spezielle Apps für das Berichtsheft gibt es. Dort kann dein Ausbilder direkt die Einträge kommentieren oder du diktierst die Ausbildungsinhalte über eine Sprachfunktion. Fantastisch, oder? 

Frag doch einfach in deinem Ausbildungsbetrieb nach, inwiefern du diese Variante nutzen kannst und darfst. Bedenke aber, dass auch Kosten hinter dieser modernen Anwendung stecken können.

Tipp 5: Stell dir vor, du erzählst deinen Freunden über den Arbeitstag

Am Anfang lernst du besonders viel, doch nach einigen Wochen und Monaten können sich auch Inhalte wiederholen. Dadurch befürchtest du, dich auch im Berichtsheft ständig zu wiederholen. Versuche die feinen Unterschiede, die Details aufzuschreiben. 

Auch wenn du bereits eine Tätigkeit oft ausgeführt hast, kann es doch sein, dass eine Besserung zu erkennen ist. Kannst du die Aufgabe vielleicht schneller lösen? Gibt es noch Probleme bei der Ausführung? Hat dir ein Geselle geholfen oder der Ausbilder? 

Schreib deinen Arbeitstag in das Berichtsheft, als würdest du Freunden oder Familienmitgliedern von den Aufgaben und Tätigkeiten erzählen. Was wissen sie noch nicht? Genau diese zusätzlichen Informationen gehören auch in dein Berichtsheft.

Tipp 6: Wechsel zwischen knappen Sätzen und Stichpunkten

Du hast den passenden Inhalt, um die Seite in deinem Berichtsheft zu füllen. Aber wie gehst du am besten vor? Reduzierst du dich auf Stichpunkte oder machst du knappe Sätze? 

Bedenke hierbei, dass dein Ausbilder keinen Roman möchte. Fasse die Fakten in aussagekräftigen Stichworten zusammen oder verwende kurze Sätze. Frag am besten deinen Ausbilder, ob er eine Form bevorzugt oder du selbst entscheiden kannst. Als Faustregel gilt, eine DIN-A4-Seite pro Woche. 

Als wichtigste Regel beim Schreiben des Berichtshefts gilt vermutlich, dass du es nicht unnötig aufschiebst. Weiterhin solltest du mit dem Aufschreiben nicht über die Stränge schlagen. Du sollst wichtige Inhalte und Fakten festhalte, aber keinen Roman verfassen. 

Vielleicht hilft es dir ja, wenn du einen Blick in das Berichtsheft der Azubis im höheren Lehrjahr wirfst? Lass dir helfen und geh bei Fragen auf andere Lehrlinge oder deinen Ausbilder zu. Das Team von ausbildungsmarkt.de wünscht dir eine lehrreiche und spannende Ausbildungszeit!