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Ausbildungskosten: Wie werden Kosten für die Erstausbildung abgesetzt?

Ausbildungskosten: Wie werden Kosten für die Erstausbildung abgesetzt?
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Anastasia Johlen am 21.01.2019

Während der Berufsausbildung hat vermutlich kaum ein Lehrling Geld wie Heu. Doch trotzdem kommen eine Menge an Ausbildungskosten zusammen: Arbeitsmaterialien, Bücher, Nebenkosten, Miete, Fahrtkosten. Aber wusstest du, dass sich das Finanzamt an den Kosten beteiligt? Mithilfe der Steuererklärung kannst du einige Kosten im Rahmen deiner Ausbildung absetzen. Erfahre hier alle Bedingungen & Tipps, damit du deine Ausbildungskosten ohne Probleme von der Steuer absetzen kannst. 

Was sind Ausbildungskosten?

Bei den Ausbildungskosten handelt sich um definierte Kosten, die in keiner Abhängigkeit zu der Branche der Berufsausbildung stehen. Als Ausbildungskosten werden nur die Kosten für die erste berufliche Ausbildung und das Erststudium bezeichnet. Hast Du bereits eine Berufsausbildung abgeschlossen, fallen die weiteren Kosten nicht in den Bereich der Ausbildungskosten beziehungsweise Sonderausgaben. Ausbildungskosten beziehen sich also auf bestimmte Kosten, die während deiner Erstausbildung fällig und erstattet werden können.

Diese Ausbildungskosten werden erstattet:

  • Ausgaben für sogenannte Arbeitsmittel, wie Fachliteratur, Computer, Büromaterial oder einen Schreibtisch. 
  • Arbeitskleidung, etwa spezielle Schutzkleidung
  • Fahrtkosten zur Ausbildungsstätte, etwa zum Ausbildungsbetrieb oder zur Berufsschule.
  • Hin- und Rückfahrt zu privaten Lern- und Arbeitsgemeinschaften.
  • Kosten für eine Unterbringung am auswärtigen Ausbildungsort (Miete, Nebenkosten, Mehraufwendung für Verpflegung etc.)
  • Zinsen für Bildungskredite.
  • Portokosten für Briefe, Schreiben, etc.
  • Reise-, Übernachtungs- und Verpflegungskosten für vorgeschriebene Studienreisen, Exkursionen, Praktika oder wenn du anderweitig aufgrund deiner Ausbildung länger von Zuhause weg bist.

Diese Sonderausgaben können bis zu einem Höchstbetrag von 6.000 Euro abgesetzt werden. 

Wichtig: Die kosten der Berufsausbildung kann nur derjenige als Sonderausgaben geltend machen, der die Ausbildung absolviert. Wird deine Ausbildung also von deinen Eltern bezahlt, dann kannst du diese Kosten nicht steuerlich geltend machen. Versuche also, wenn möglich, selbst für die Ausbildung aufzukommen, etwa wenn deine Eltern dir „nur“ Unterhaltsgeld geben. Dieses kann du frei verwenden, also zum Beispiel für Ausbildungskosten. 

Was ist eine Erstausbildung?

Unter einer beruflichen Ausbildung versteht das Finanzamt das erste Erlernen eines Berufs. Hierbei kann es sich um eine Berufsausbildung oder um das Studium an einer Fachhochschule oder Universität handeln, wenn dieses direkt nach dem Abitur oder dem Fachschulabschluss begonnen wurde. 

Bis Ende 2014 war die Mindestdauer der Erstausbildung gesetzlich nicht geregelt. So galt auch eine kurze Ausbildung, zum Beispiel zum Rettungssanitäter, als erstmalige Berufsausbildung. Begann dieser Sanitäter später ein Medizinstudium, waren diese Kosten für die „Zweitausbildung“ als Werbungskosten unbeschränkt abziehbar. Im Januar 2015 wurde das Einkommenssteuergesetz neu geregelt, sodass die Erstausbildung mindestens ein Jahr dauern muss (in Vollzeit) und mit einem Abschluss beendet werden. Erst dann gilt die Ausbildung als Erstausbildung, sodass anschließend Werbungskosten geltend gemacht werden können.

Steuererklärung in der Ausbildung

In den allermeisten Fällen müssen Azubis keine Steuern zahlen, weil sie zu wenig verdienen. Außerdem stehst du als Auszubildender nicht in der Pflicht eine Steuererklärung abzugeben. Aber, es ist ratsam auch als Lehrling, eine Steuerklärung zu machen, denn nur mit der Steuererklärung kannst du die Ausbildungskosten geltend machen und auf eine Rückerstattung hoffen. Ab einem Grundfreibetrag von 8.820 Euro für Singles und 17.640 Euro für Verheiratete bist du verpflichtet Steuern zu zahlen.

Wie werden Ausbildungskosten abgesetzt?

Ausbildungskosten können im Rahmen einer Steuererklärung als Werbungskosten oder als Sonderausgaben steuerlich geltend gemacht werden. Befindest du dich in der Erstausbildung, kannst du pro Kalenderjahr bis zu 6.000 Euro für das Jahr absetzen, in welchem die Kosten entstanden sind. Damit sich die Erstattung der Ausbildungskosten für dich auch wirklich lohnen, musst du bereits während der Ausbildung ein bestimmtes Einkommen haben. 

Verzeichnest Du weniger Einnahmen als Ausgaben, kannst du dem Finanzamt einen Verlustvortrag mitteilen. Dieser Verlustvortrag teilt dem Finanzamt per Steuererklärung alle Ausbildungskosten (=Verluste) mit und merkt sich diese Angaben. Sobald du das erste Mal Steuern zahlst, werden die vorgetragenen Verluste steuerlich verrechnet. Es ist eine Art Steuerbonus, der eingelöst wird, sobald du Steuern zahlst.

Steuerliche Sicht: Ausbildungskosten oder Fortbildungskosten?

Wie hoch die Beteiligung des Finanzamts an den Kosten für Bildungsmaßnahmen ausfällt, hängt davon ab, ob es die Maßnahme als Ausbildung oder als Fortbildung einordnet. Leider hast du keinen Einfluss auf diese Entscheidung. Grundsätzlich wird für die steuerliche Beurteilung zwischen Ausbildungskosten und Fort- bzw. Weiterbildungskosten unterschieden. 

Wann gilt eine Ausbildung aus steuerlicher Sicht tatsächlich als diese? Und wann handelt es sich eher um eine Fortbildung?

Ausbildung bzw. Berufsausbildung

Generell gelten Ausbildungskosten als Kosten der privaten Lebensführung und werden demnach als Sonderausgaben berücksichtigt. Es handelt sich um eine Ausbildung, wenn du einen Beruf erlernst, den Du auch in Zukunft steuerpflichtig ausüben möchtest. Dir werden während der Berufsausbildung Kenntnisse und Fertigkeiten über den betreffenden Beruf vermittelte. Die Ausbildung wird mit erbrachten Leistungen und Prüfungen abgeschlossen. Als Berufsausbildung gelten der Besuch einer allgemeinbildenden Schule, die erste Berufsausbildung und das Erststudium.

Fortbildung

Als Fortbildung zählt jede berufliche Aus- und Weiterbildung nach abgeschlossener Erstausbildung oder abgeschlossenem Erststudium. Dazu zählt das Studium nach einer Ausbildung, das Masterstudium nach einem Bachelorstudium, Umschulungen, ein Zweitstudium und innerbetriebliche Fortbildung. Im Fokus steht während einer Fortbildung das Erlangen einer höheren Qualifikation,

Diese Unterscheidung ist aus steuerrechtlicher Sicht sehr wichtig, denn die Kosten gehören in unterschiedliche Bereiche der Steuererklärung. So handelt es sich bei Kosten im Rahmen einer Fortbildung um Werbungskosten in unbegrenzter Höhe. Hingegen gibt es während einer Ausbildung eine Kostengrenze von maximal 600 Euro im Jahr, die sogenannten Sonderausgaben. 

Erstattung der Ausbildungskosten nur bei positiven Einkünften

Die Sonderausgaben während der Ausbildung können nur von den Steuern abgesetzt werden, wenn du ein Einkommen hast. Die Angaben über deine Sonderausgaben werden nur für das Jahr berücksichtigt, für das die Steuererklärung gilt. Bleiben noch nicht verrechnete Sonderausgaben übrig, werden diese vom Finanzamt nicht beachtet. Das heißt, du kannst bisher berücksichtigte Kosten nicht sammeln und bei der nächsten Steuerklärung verwenden. Es ist also nicht möglich, Verlustvorträge auf das spätere Jahr zu übertragen, anders als bei Werbungskosten.