© lassedesignen / shutterstock.com

Ausbildung verkürzen – geht das?

Ausbildung verkürzen – geht das?
© Dean Drobot | shutterstock.com
Tanja Tänzer am 05.02.2018

Wenn Lehrlinge sich für einen Ausbildungsbetrieb entscheiden und an den Punkt kommen, an dem sie den Lehrvertrag unterschreiben müssen, ist die kalkulierte Ausbildungsdauer in der Regel einer der wichtigsten Punkte. Hier wird genau definiert, wie lange der Auszubildende Teil des Betriebs sein soll und wie lange er sich auf die Zeit in seiner Ausbildung einstellen muss. Gerade heute wird es aber für viele Menschen immer wichtiger, dass sie möglichst schnell in eine normale Anstellung kommen und vor allem von dem richtigen Gehalt profitieren. Die Rede ist von der Verkürzung der Ausbildung. Aber ist das überhaupt ohne weitere Probleme möglich?

Verkürzung der Ausbildung - geht das?

Generell erlaubt das Gesetz, dass ein Azubi die Ausbildungszeit verkürzen kann, wenn bestimmte Bedingungen erfüllt sind. In der Praxis geht es dabei meist um das Zusammenspiel mit dem Ausbildungsbetrieb und dem Auszubildenden selbst. Verschiedene Bedingungen müssen erfüllt werden, die Handelskammer muss zustimmen und natürlich müssen die entsprechenden Prüfungen, die nach einer bestimmten Dauer der Ausbildung abgelegt werden müssen, trotzdem erfüllt werden. Es gibt dabei die Option, dass man bereits vor dem Antritt der eigentlichen Ausbildung eine verkürzte Ausbildungszeit vereinbart. Deutlich gängiger ist es jedoch, dass im Laufe der Ausbildungszeit eine Möglichkeit gefunden wird, wie die, mitunter recht lange, Zeit für das Daseins als Lehrling verringert werden kann. Eine enge Kommunikation mit dem Arbeitgeber ist dabei aber eigentlich immer nötig.

Die Vereinbarung der Verkürzung vor der Ausbildung

In der Regel wird schon vor dem eigentlichen Beginn der Ausbildung vereinbart, dass man die Regelausbildungszeit nicht einhält und stattdessen verkürzt. Das ist allerdings mit entsprechender Kommunikation mit den Handels- und Handwerkskammern in Verbindung stehend. Dabei wird vor allem darauf geachtet, ob der Azubi in seinem bisherigen Berufsleben irgendeine Qualifikation erreicht hat, die die Verkürzung der Ausbildung erklären würde. Die folgenden Möglichkeiten stehen dabei für eine Option der Verkürzung zur Verfügung:

  • Schulische Vorbildung: Da die Ausbildung immer auch mit einer Fachhochschulreife verbunden ist, kann die schulische Ausbildung eine wichtige Rolle spielen. Mit einem Abitur ist zum Beispiel mühelos die Verkürzung von einem Jahr bei einer dreijährigen Ausbildung möglich. Die genauen Details unterscheiden sich von Abschluss zu Abschluss und von Beruf zu Beruf.
  • Berufserfahrung: Eine weitere Möglichkeit, dass die Ausbildungszeit um bis zu 12 Monate verkürzt wird, liegt in einer entsprechenden Berufserfahrung. Wer schon eine Weile in dem Berufsfeld gearbeitet hat und dies nachweisen kann, kann seine Regelausbildungszeit also verkürzen lassen. Wichtig ist, dass die Erfahrung nicht eins zu eins angerechnet wird.
  • Ausbildung: Wer bereits eine Ausbildung erledigt hat, kann aufgrund der gemeinsamen Basis bei einer weiteren oder anderen Ausbildung eine Verkürzung beantragen. Auch hier kommt es auf den speziellen Fall an.

Für die Unternehmen ist es natürlich interessant zu wissen, ob es bei ihren Azubis Möglichkeiten gibt, wie die Lehrzeit verringert werden kann. Immerhin sind erfahrene Auszubildende eine gute Möglichkeit für Unternehmen. Wer bei diesen oberen Punkten eine Möglichkeit für sich sieht, sollte aber nicht darauf hoffen, dass sich daraus die Option für mehr Geld anbietet. Das Salär für die Ausbildung bleibt gleich.

Ausbildung aufgrund von guter Leistung verkürzen

Die gängige Möglichkeit einer Verkürzung tritt aber dann ein, wenn man während der eigentlichen Ausbildung nachweisen kann, dass man gute Leistungen in seinem Beruf erbringt. Dies sollte zum Beispiel durch einen entsprechenden Schnitt der Noten in der Berufsschule nachgewiesen werden als auch durch eine entsprechende Bestätigung durch den Betrieb. Diese beiden Stellen müssen auch zustimmen, wenn man sich zu einem bestimmten Zeitpunkt für eine Verkürzung der Ausbildung entscheidet. Dabei kann die Ausbildungszeit in der Regel bis zu ein Jahr verkürzt werden. Ein entsprechender Antrag muss bei der IHK oder der Handwerkskammer gestellt werden und die entsprechenden Informationen müssen die guten Leistungen bestätigen.

Ganz konkret wird in den meisten Fällen vorgeschrieben, dass der bisherige Notenschnitt in der Berufsschule unter 2,49 liegt. Darüber hinaus sollte die Zwischenprüfung mit einer entsprechenden Leistung abgeschlossen werden. Wer sich für eine Verkürzung entscheidet, muss allerdings im Anschluss die entsprechenden Voraussetzungen für die vorzeitige Teilnahme an der Abschlussprüfung selbst lernen. Besonders im letzten Jahr der Berufsausbildung werden zum Beispiel die Grundlagen für die nötigen Projekte in den kaufmännischen Berufen gelegt. Bei einer Verkürzung muss immer garantiert sein, dass der Auszubildende trotzdem die nötigen Leistungen in seiner Abschlussprüfung erbringen und seine Ausbildung erfolgreich zu einem Ende bringen kann.

Auf die Mindestausbildungszeiten achten

Viele Auszubildende gehen mit den Gedanken in eine Ausbildung, dass sie ohnehin verkürzen werden und versuchen durch entsprechende Leistungen in ihren Betrieben und in der Berufsschule die nötige Zeit auf ein Minimum zu reduzieren. Dabei machen sie sich aber falsche Vorstellungen darüber, wie kurz die Ausbildung sein kann. Der Staat sieht vor, dass ein Auszubildender eine bestimmte Zeit in seinem Betrieb sein muss, bevor überhaupt eine Verkürzung in Frage kommt. In dieser Zeit sollen die grundlegenden Inhalte für eine erfolgreiche Tätigkeit geliefert werden. Das gilt auch dann, wenn der Azubi selbst denkt, dass er diese Fähigkeiten alle bereits beherrscht. Daher ist darauf zu achten, dass zum Beispiel bei einer dreijährigen Ausbildung allerhöchstens eine Verkürzung auf 1,5 Jahre möglich ist. In der Regel wird die Verkürzung allerdings nur auf die Dauer von zwei Jahren genehmigt werden.

Ist die Verkürzung der Ausbildung für dich sinnvoll?

Wenn Du darüber nachdenkst, ob Du deine Ausbildungszeit verkürzen solltest, solltest Du die Möglichkeiten und Risiken genau miteinander abwägen. So ist es durchaus möglich, dass Du nach einer Verkürzung Probleme damit haben wirst, dass Du die nötigen Inhalte für die Abschlussprüfung erlernen kannst. Auch wird es im Betrieb deutlich schneller gehen, da die entsprechenden Grundlagen für die Projekte gelegt werden müssen. Die beste Option ist es, dass Du dich mit deinem zuständigen Ausbildungsleiter und den entsprechenden Stellen an der Berufsschule berätst. Eine Verkürzung kann in vielen Fällen sinnvoll sein, bringt aber auch einen entsprechenden zusätzlichen Stress für die Azubis mit sich.